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Wasserprivatisierung hautnah: Wenn Design politisch wird

Wem gehört das Wasser? Dieser Frage widmet sich die Weißensee-Meisterschülerin Caroline Breidenbach in Kollaboration mit der Stiftung für Mensch und Umwelt.

I look in to our future and what i see is their reality. Teaserbild für die Wasserstories.
Die Wasserstories zeigen die eine Realität, die uns schon bald einholen könnte.

Wasser ist ein Grundrecht, aber die Realität sieht nicht immer so einfach aus. Für einen großen Teil der Menschheit ist Zugang zu Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Als Meisterschülerin der visuellen Kommunikation an der Weißensee Kunsthochschule in Berlin gestaltete Caroline Breidenbach drei multimediale Geschichten, die auf wasserstories.de erlebbar sind.

Auf dem Homescreen der Wasserstories Website kann zwischen den drei Geschichten gewählt werden
Auf dem Homescreen der Wasserstories werden beim Hovern Teaser angezeigt.

Design, das ein Statement setzt

Jede der drei erzählten Geschichten provoziert bewusst eine andere Existenzangst: Gesundheit, Geld und Sicherheit. Dabei transferiert die Weißensee-Meisterschülerin wahre Begebenheiten in einer Mischung aus Fiktion und Realität in einen deutschen Ort und die nahe Zukunft. So macht sie Problematiken am eigenen Umfeld erlebbar und empathisch nachvollziehbar.

Thema der Arbeit sind Privatisierungen öffentlicher Wasserversorgung. Caroline Breidenbach verwendet je nach Geschichte eine unterschiedliche Erzählweise und will verdeutlichen, wie Wasserknappheit, Korruption und Kontamination unseren Alltag betreffen könnten. Anschließend zeigt sie in unter dem Stichwort »our future ­– their reality« die wahren Begebenheiten anhand von anschaulichen Infografiken und Texten. Den Rahmen für die Erzählungen liefern ein sechsminütiges Videovorwort und ein interaktiver Index für Fachbegriffe.

Der Index der Wasserstories zeigt interaktiv Erklärungen zu den einzelnen Begriffen.
Der interaktive Index liefert Erklärungen zu Fachbegriffen.

Die drei Wasserstories: Korruption, Krankheit, Krieg

Die erste der drei Wasserstories erzählt Breidenbach durch Scrollytelling Elemente, Videobotschaften aus einem fiktiven Interview und prägnante Kurztexte. Thüringens lauschige Kleinstadt Gera verkauft Teile seiner Wasserversorgung an einen Großkonzern, Wasserpreise steigen und die Firma generiert Profite auf Kosten der Anwohner:innen. »Korruptes Wasser« beruht auf einer wahren Begebenheit aus Barcelos, einer portugiesischen Kleinstadt.

Eine Frau beantwortet im Interview Fragen, die auf der linken Seite abgebildet sind.
Im Interview mit der Ökologin Gerlinde Schermer wird die erste Wasserstory erzählt.

»Krankes Wasser« beschäftigt sich mit der Kontamination der Wasserversorgung in Brandenburg. Interaktive Karten zeigen die Entwicklung hin zu einer privatisierten Wasserversorgung mit erhöhten Preisen, Versorgungsknappheit und letztlich die Kontamination und Erkrankung der Bevölkerung durch Schadstoffe im Wasser. Breidenbach zeigt aber nicht nur die Auswirkungen der Krise – auch die politischen und historischen Ursachen sind realistisch geschildert und machen die Geschichte glaubwürdig. Beispiel hierfür war die südafrikanische Provinz KwaZulu-Natal.

Eine Karte zeigt die Orte, an denen Dürre herscht
Dürre und irreparable Schäden am Boden können interaktiv auf der Karte erforscht werden.
Ein Screen beschreibt, wo sich die ursprünglichen Ereignisse zugetragen haben.
Ein Neonverlauf markiert den Beginn der realen Geschichten.

Am emotionalsten wird die dritte Wasserstory erzählt. Über dem Zusammenschnitt unterschiedlicher Demos, die mittels eingeblendeter Karte in Berlin verortet sind, erzählt die Sprecherin von den »Wasserkriegen«. Die Privatisierung der Wasserversorgung und Verbote der Regenwassernutzung lösen Proteste aus, in denen sich Gruppen zunehmend radikalisieren und schließlich im Kampf gegen Polizei und Militär die Straßen einnehmen. Eben das ist 2000 in Bolivien passiert, als die Bewohner:innen der Stadt Cochabamba ihr Recht auf Wasser verteidigen wollten.

Eine Demonstration wird im Video gezeigt
Dramatische Demonstrationsszenen werden von einer jungen Sprecherin begleitet.

Gesellschaftskritik mit ästhetischem Anspruch

Caroline Breidenbach schafft in ihrer Arbeit eine gleichzeitig ästhetische und kritische Gestaltung, in der sie die Problematiken der Wasserpolitik erlebbar macht. Dabei steht das sachliche, reduzierte Design im Kontrast zur empathischen Erzählweise und erlaubt einen wissenschaftlichen Blick auf die Arbeit.

Die klaren Infografiken und verständlich geschriebenen Texte machen aus den Wasserstories eine fundierte Kritik an Wasserprivatisierung und finanziell orientierten Entscheidungen über das Grundrecht auf Wasser. Caroline Breidenbach zeigt mit ihrer Arbeit, welchen Beitrag Design zu politischen und sozialen Diskussionen leisten kann.

Ein großer, heller Raum beherbergt die Ausstellung der Masterarbeit
Die aktivistische Masterarbeit wurde 10 Tage lang in der Kunsthalle am Hamburger Platz in Berlin ausgestellt.
Mehrer Menschen stehen vor einer der Ausstellungswände
Die Ausstellung zeigt die gesammelten Forschungsergebnisse und Grafiken der Arbeit.
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