Stilvorlagen #5: anschlaege.de

Die Aula der Armgartstrasse 24 war am gestrigen Abend wiedermal brechend voll: Steffen Schuhmann und Simone Schöler von anschlaege.de aus Berlin stellten ihre Arbeiten im Rahmen der Vortragsreihe »Stilvorlagen #5 – Kommentare zur Zeit« vor.



Der Vortrag war speziell für diesen Abend konzipiert worden, und zwar auf einer sehr anschauliche Weise: in Form von einfachen Strichzeichnungen erklärten die beiden Vortragenden mit lockerer Berliner Schnauze den Ablauf ihrer Projekte von der ersten Idee, über alle Hürden hinweg bis zur letztendlichen Umsetzung.

Foyer-Gestaltung in der Armgartstraße 24

Los ging´s mit »Dostoprimetschatjelnosti« (»Sehenswürdigkeiten«), einem Projekt, bei dem von Mai bis September 2002 46 junge Architekten, Designer und Künstler aus 17 Ländern ein leer stehendes Hochhaus in Berlin-Hellersdorf bezogen. Ziel war es, in einem Plattenbau in einer vom Abriss bedrohten Siedlung neue Möglichkeiten des Arbeitens, der Kommunikation und des kulturellen Lebens zu schaffen.

Dabei wurde auch schon mal eine ganze Etage in einen Garten verwandelt …

Das nächste Projekt stand unter dem Motto »Stur bleiben«: auf Anfrage der Stadt Altenburg, deren einzige Wirtschaftshoffnung auf den Ryanair-Flughafen gründet (der zudem bald geschlossen wird), ein neues Erscheinungsbild zu entwickeln, enstand die »Kapitalismus-Ente«.

Von der Stadt Altenburg rigoros abgelehnt, gewann das Plakat schließlich bei »100 beste Plakate 09«. Fazit: Stur blieben lohnt sich!

Auch der Auftrag des Vereins Kulturland Brandenburg verlief nicht ohne Probleme. Aus Anlass des 200. Todestages von Königin Luise präsentiert der Verein 2010 ein Themenjahr zu Frauen in Brandenburg und Preußen. Da das Original-Abbild der Königin Luise sich im Besitz der Hohezoller befindet, haben anschlaege.de kurzerhand einen Illustrator mit der Anfertigung einer eigenen Zeichnung beauftragt. Daraus entstanden ist folgendes Erscheinungsbild:

Zuguterletzt stellten sie das von ihnen initiierte »Verbindungshaus fforst« vor. Ausgangspunkt war die festgefahrene Situation der deutschen und der polnischen Seite der Oder: auf der einen Seite Frankfurt, das ein Überangebot an Wohnungsräumen hat, diese aber aus Kostengründen abreißen lässt – auf der anderen Seite Slubice, wo die Wohnungen zwar sehr günstig sind (besonders für die deutschen Studenten), aber in ihrer Anzahl auch sehr begrenzt. Also hieß es: Häuser erhalten, neue Möglichkeiten erschaffen!

Das mittlerweile von den Bewohnern selbstgetragene »Verbündungshaus fforst« ist nicht nur ein Ort des lebendigen Austausches zwischen Deutschen und Polen, es ist ein Modell für den zukunftsorientierten Umgang von leerstehenden Häusern, Abwanderung und skeptischen Nachbarn. Nicht umsonst lautet der Slogan: »Hier fängt Europa an!«.

Und so ging nach diesem Vortrag jedem Zuhörer regelrecht das Herz auf, als Steffen Schuhmann am Ende verkündete:

»Wir versprechen, dass wir nicht aufhören werden mit den Entwürfen für eine bessere Welt!«

Weiter geht´s am Donnerstag, 20.05.2010, mit Nicolas Bourquin von onlab, wie gewohnt um 18 Uhr in der Aula der Armgarstrasse 24, HAW Hamburg.


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