Sarah Illenberger über Schaufensterdesign

In PAGE 06.2012, die am 2. Mai erscheint, widmen wir uns der Gestaltungsdisziplin Schaufensterdesign. Illustratorin Sarah Illenberger führte dazu einen Workshop mit Industriedesign-Studenten an der UDK Berlin durch. Wir sprachen mit ihr über das Projekt.



 

Wie kam es zu dem Projekt an der UdK?

Sarah Illenberger: Ich habe im Sommer ein Projekt für und mit Hermès realisiert für die Shop-Eröffnung im KaDeWe. Da wurde das Thema für mich aktuell. Gemeinsam mit Professor Axel Kufus habe ich dann beschlossen, einen Schaufenstergestaltungs-Projekt für Industriedesign-Studenten an der UdK anzubieten. Das Projekt ist sehr praxisbezogen, die Studenten mussten ihre Konzepte in die Tat umsetzen und sich dafür Einzelhändler in Berlin suchen, die damit einverstanden waren.

Wie verlief die Suche?

Am Anfang waren einige Besitzer schon ein bisschen skeptisch. Aber die Studenten waren vertrauenswürdig und konnten alle ohne Ausnahme überzeugen.

Wie war die Resonanz bei den Studierenden?

Der Kurs war voll und alle Teilnehmer hatten richtig Lust darauf. Wenn man mal absieht von den üblichen Modeschaufenstern, ist das für Industriedesigner ein spannendes Feld: Die Gestaltung ist dreidimensional, die Umsetzungsform ist wesentlich schneller als im Produktdesign und es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Viele haben motorisierte Sachen umgesetzt, einer hat mit Film gearbeitet, ein anderer hat ein Schaufenster in eine Kopierfläche verwandelt. Die Technik ist unbegrenzt und das haben die Studierenden ausgeschöpft.

Wie haben die Passanten reagiert?

Sehr angeregt. Schon in der Aufbauphase gab es großes Interesse. Es waren hauptsächlich alltägliche Läden wie Schuster, Apotheken oder Copy-Shops – da erwartet man keine Wahnsinns-Fenster wie beim KaDeWe. Das hat für einige Überraschungen gesorgt.

Haben Sie ein Lieblingsfenster?

Nein. Dafür waren die Ansätze viel zu unterschiedlich. Jedes war für sich gut.

Wird das Projekt weitergeführt?

Nicht in dieser Form. Aber es wird wahrscheinlich einen Wettbewerb geben, der unabhängig vom Semester stattfindet. Da stecken wir gerade in der Planung. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Studierenden und dem Handel zu stärken und das Stadtbild ein wenig zu beleben. Es muss ja nicht immer ein Luxus-Fenster sein; eine schöne Idee oder eine kleine Geschichte, die im Fenster erzählt wird, machen schon einen großen Unterschied.

Warum ist schöne und ausgefallene Schaufenstergestaltung Ihrer Meinung nach so selten geworden?

Ich glaube, Deutschland war noch nie ein Vorreiter für wunderschöne Schaufenstergestaltung. Es ist nicht so in der Kultur verankert wie etwa in Frankreich oder Italien, England oder den USA. Das Internet hat sicherlich auch seinen Anteil daran. Statt ins Schaufensterdesign zu investieren, bauen die Händler lieber ihre Webshops aus.


Unsere Bildergalerie zeigt einige der Studenten-Schaufenster sowie Sarah Illenbergers Designs für Hermès. Alle Studentenprojekte gibt es auf dieser UDK-Seite.


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