Neues Formel-1-Logo von Wieden + Kennedy

Ein bisschen modern-retro, ein bisschen Computerspiel-Ästhetik. Mit dem neuen Logo will die Formel 1 wieder mehr Fans begeistern. Was Design-Profis dazu sagen …



Mit großer Show stellte die Formel 1 am Sonntag im Anschluss an das Grand-Prix-Rennen in Abu Dhabi ihr neues Logo vor – das erste seit 23 Jahren. Es ist der Auftakt zu einem umfassenden Redesign, verantwortet von Wieden + Kennedy London. Einen Ausblick darauf geben bereits drei neue Typefaces, die ebenfalls vorgestellt wurden (F1 Regular, Turbo und Torque).

Dem Relaunch voran ging eine sechsmonatige Recherchephase in enger Zusammenarbeit mit Fans weltweit. Denn diese gilt es wieder einzufangen beziehungsweise neue Leute für den Sport zu begeistern. Deshalb sollte das neue Logo die Kernelemente spiegeln, die den Sport ausmachen: »the real, exhilarating, unpredictable and incomrpehensibly fast elements of the sport«, so Ellie Norman, Marketingdirektorin bei Formel 1.

Die Herausforderung für W+K: Eine moderne Entertainment-Marke zu schaffen, die auf allen Kanälen funktioniert – vom Helmaufdruck über Eintrittskarten bis hin zum Riesen-Live-Event.

 

Das neue Logo verkörpere die Stärken des Rennsports: Tempo, Angriff und Kontrolle, sagt Richard Turley Executive Creative Director bei W+K London. Die Ästhetik sei ehrgeizig, nach vorne gewandt und beruhe gleichzeitig auf traditioneller Motorsport-Grafik. Mehr über die Hintergründe der Entwicklung steht bei »Creative Review«, die ausführlich mit Turley sprachen.

Uns erinnert es ein bisschen an eine Mischung aus »Stranger Things« und Computerspiel-Ästhetik. Und Sie?

Lesen Sie hier, was Design-Profis von dem neuen Logo halten:


Mathias Rolfes, Creative Director bei Scholz & Volkmer

Vorab: Die Vereinfachung eines Logos ist üblich und zeitgemäß. Auch deshalb, weil sich die Spanne an Anwendungsanforderungen mit den Jahren immer wieder erweitert. Vom Einsatz auf Screens bis zur Beflockung von Fahreranzügen – überall muss ein Formel-1-Logo einsetzbar sein und dabei klar erkennbar bleiben.

Ich persönlich hielt die frühere »unsichtbare/negative« 1 für einen interessanten Hingucker. Es unterschied sich optisch gut von anderen Sportlogos und die Geschwindigkeitslinien nachempfundenen zackigen roten Streifen erinnerten mich eindeutiger an ein Motosport-Logo als das neue.

Mir fehlen bei dem neuen Logo eine eigenständige Identität und eine klar erkennbare Zugehörigkeit zum Motorsport

Mir fehlen bei dem neuen Logo eine eigenständige Identität und eine klar erkennbare Zugehörigkeit zum Motorsport. Es erscheint vielmehr austausch- und verwechselbar. Es erinnert mich an ein aktuelles Playstation-Spiel – was mit Sicherheit auch ein Antrieb für die Designer war, um dadurch eine jüngere Zielgruppen zu erschließen – und könnte ehrlicherweise auch genauso das Signet für ein Eishockeyspiel sein.

Formel-1-Eigentümer Liberty-Media interpretierte das Logo so: »Das Logo soll das Profil von zwei nebeneinander fahrende Formel-1-Boliden zeigen, die auf eine Ziellinie zufahren.« Das halte ich für einen Formel-1-Fan nicht klar erkennbar und als zu sehr interpretativ.

Was mit gefällt: Das nun eher flächig angelegte Logo eröffnet in der Bearbeitung für den digitalen Einsatz vielfältigere Möglichkeiten als das alte. Es kann zum Leuchten gebracht oder auch eindrucksvoll in ein dreidimensionales Logo transferiert. Das verleiht ihm dadurch eine besondere Dramatik – nicht ganz unwichtig für den Motorsport!


Robert Börsting, Design Director bei KMS Team

Auch wenn das neue Logo die Raffinesse des F-1-Positiv-Negativ-Spiels verloren hat, ist es dynamischer und zeitgemäßer geworden.

Das neue Logo ist dynamischer und zeitgemäßer

Die Speed-Streifen des Vorgängers, die jede zweite Spedition benutzt, waren da auch ein eher verbrauchtes Mittel, um Geschwindigkeit zu vermitteln.

Leider hört die Idee des Logos aber da auf, wo ein starkes Corporate Design erst beginnt – in der Übersetzung seiner Formentypik in eine umfassende visuelle Sprache. Die entwickelte Typografie reißt an dieser Stelle leider etwas ab.


Norbert Möller, Executive Creative Director bei Peter Schmidt Group

Ich bin hin- und hergerissen: Grafisch wirkt das neue Logo schon fast wie ein Bildzeichen. Die Herleitung, es zeige zwei Boliden auf dem Weg zur Zielline, passt dabei natürlich gut und hat sich bei mir schon jetzt festgesetzt. Die Lesbarkeit bleibt aber auf der Strecke: Sowohl das F als auch die 1 sind nicht mehr leicht zu identifizieren. Ich gehe jedoch davon aus, dass entweder der Kontext der Anwendung oder eine textliche Ergänzung für die notwendige Klarheit sorgen.

Spontan hat mich die Überarbeitung an den Markenrelaunch von Juventus Turin erinnert

Spontan hat mich die Überarbeitung an den Markenrelaunch von Juventus Turin erinnert. Nicht nur, weil die Bild-/Wortmarke ebenfalls zwei Linien hat, sondern weil auch die Argumentation ähnlich ist: weg vom Sport, hin zu einer übergreifenden Medien- und Unterhaltungsmarke. Für die Traditionalisten ist dies vielleicht schmerzhaft, aus Sicht des Unternehmens kann es jedoch sinnvoll sein, gerade wenn man sich – so wie die Formel Eins – neu aufstellen will, weil die Popularität des eigenen Kernprodukts schwindet. Diese Veränderung steckt auch in diesem Relaunch: Während für mich das alte Logo ein etabliertes, fast schon ikonisches Zeichen war, finde ich das neue sehr modisch und glatt poliert. Es ist eher Computerspiel als Motorsport – aber vielleicht ist ja genau das die Vision.


Olaf Stein, Parnter bei Factor

Wrooom! – Ein Zeichen setzen.

Der neue Formel-1-Eigentümer Liberty Media präsentierte in Abu Dhabi ein neues Logo für die Formel 1, um in der nächsten Saison visuell deutlich zu machen, dass die Ära Berni Ecclestone und das von ihm 1994 eingeführte und damit assoziierte Logo Geschichte ist. Das alte Zeichen war zwar auch nicht der Renner, zumal sich bestimmt vielen Betrachtern die negative 1 nicht auf den ersten Blick erschloß – mir hat es trotzdem gut gefallen, zumal es lange 23 Jahre im Einsatz war. Und ich denke, es wäre es auch wert gewesen, es nur zu überarbeiten.

Das neue Formel-1-Logo wird sich im allgemeinen Logosalat der unzähligen Sponsoren wunderbar einordnen und niemandem auffallen

Wie Liberty Media Marketingchef Sean Bratches das neue Logo verkauft und argumentiert, empfinde ich als hanebüchen, in dem er z.B. die Relaunches von Coca Cola und Starbucks anführt. Das Logo ist sicherlich einfacher auf Merchandising-Produkten zu applizieren, aber die Idee dahinter erschließt sich mir nicht. Elli Normann, ihres Zeichens Head of Marketing Effort, erklärt es so: »Das Logo soll das Profil von zwei nebeneinander fahrenden Formel-1-Boliden zeigen, die auf eine Ziellinie zufahren.« Aha! Vielen Dank.

Das neue Formel-1-Logo wird sich im allgemeinen Logosalat der unzähligen Sponsoren wunderbar einordnen und niemandem auffallen. Es reiht sich nahtlos in die Hall of Fame der charakterlosen Logos ein. Nochmal Elli Normann: »Wir wollen der Formel 1 eine Identität verleihen und haben dafür Fans überall auf der Welt befragt.« Solch eine Vorgehensweise hat erfahrungsgemäß noch nie dazu beigetragen ein herausragendes und identitätsstiftendes Ergebnis zu schaffen.

 

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