In Detmold ist das LWL-Museum Hellerlecht eröffnet worden und das mit einer umwerfenden Identity von studio tülü und einem Interior- und Ausstellungsdesign von Atelier Brückner, das ganz auf Nachhaltigkeit setzt – und das auf besondere Weise.
Am 4. Juli wurde in Detmold das LWL-Museum Hellerlecht eröffnet. Ein neues Ausstellungsgebäude verwandelt das ehemalige Freiluftmuseum mit seinen historischen Bauten, Feldern und Nutztieren in einen Ort, der jetzt ganzjährig Besucher:innen empfangen kann.
3.100 Quadratmeter Innenfläche sind zu dem Außengelände hinzugekommen – und das in einem Gebäude der ACMS Architekten aus Wuppertal, das Maßstäbe im Bereich nachhaltiger Museumsbauten setzt.
Ganz auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist auch das Interior- und Ausstellungsdesign des Atelier Brückner aus Stuttgart, das zuletzt mit seiner Arbeit für das Grand Egyptian Museum in Kairo Furore gemacht hat.
Für das Hellerlecht haben sich die Szenografen in ihrer nachhaltigen Gestaltung an sechs Punkten orientiert. Dazu gehörten Material, Bearbeitung, Verbindungen, Kreislauf, Kosten und Langlebigkeit.
Gleichzeitig sind das Themen, für die auch das Freiluftgelände des Hellerlecht mit seinen historischen Gebäuden, seinen alten Werkstätten, seiner Windmühle und auch mit seinen alten Tierrassen steht: für Baukultur, Handwerk, Alltag, Landschaft und Verantwortung.
Eine wirkliche Besonderheit ist, dass ein Großteil des Materials für das Interior- und Ausstellungsdesign bereits vorhanden war. Denn es wurden originale Hölzer genutzt, die zum Teil aus dem historischen Bestand des Museums stammen.
Die Bohlen, Balken und Treppen wurden gereinigt, Nägel wurden entfernt, die Hölzer wurden gegen Schädlinge behandelt und zu Kassenfronten, Sitzflächen, Möbeln für den Museumsshop und zu Tischplatten verarbeitet.
Neue PEFC-zertifizierte Multiplexplatten mit schwarzer, widerstandsfähiger Beschichtung wurden zu Einfassungen, Unterkonstruktionen und zu robusten Ergänzungen.
Und auch dabei wurde darauf geachtet, eine Verbindung zur Historie und zu altem Handwerk herzustellen. Die meisten der Verbindungen wurden nicht geklebt, sondern nach dem Vorbild alter zimmermännischer Techniken des Fachwerkbaus gesteckt und verschraubt und sind dabei bewusst sichtbar geblieben. Gleichzeitig sind sie einfach auszutauschen und wiederverwendbar.
Auch auf andere Weise schafft das Ausstellungsdesign eine Verbindung zwischen dem Neubau und dem historischen Freiluftgelände.
Im Zentrum des Foyers steht ein acht Meter langes Modell des Freilichtmuseums. Es wird mit einer Projektion bespielt und ist von acht Medienstationen umgeben, die zeigen, was das 90 Hektar große Gelände alles bereithält – von den historischen Gebäuden über das Handwerk zu den Tieren, Feldern und Wiesen.
Studierende des KreativInstitut.OWL an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe haben darüber hinaus einen virtuellen Rundgang über das Freilichtgelände entwickelt, auf dem Besucher:innen sich frei bewegen können.
Neben den Ausstellungsflächen, einem Auditorium und einem Panoramabereich, wurde besonderen Wert auf einen Lernort für Kinder gelegt. Eine raumhohe, abstrahierte Windmühle wurde gebaut und es sind Lernstationen entwickelt worden, die erläutern, was Wind kann und wie Mühlenflügel sich drehen, wie die Zahnräder angetrieben werden und schließlich das Getreide gemahlen wird.
Dazu kann man klettern, Getreidefelder bauen, auf Hühnern reiten und sie picken lassen. Man kann Hausdächer decken und ein Mühlrad bedienen.
In der aktuellen PAGE 02.2026 berichten wir darüber, wie das Museum zu seiner herrlich strahlenden neuen Identity und zu seinem neuen Namen kam. Das studio tülü hat beides entwickelt und wurde dafür mit einem Bashing konfrontiert, das von der Detmolder Presse über die Bevölkerung bis hin zur Politik und zur AfD reichte.
Die Museumsleitung ließ sich davon ebenso wenig beirren wie das studio tülü es tat und so ist das LWL-Museum Hellerlecht jetzt mit großer Resonanz eröffnet worden.
Und dass mit einem eindrücklichen neuen Namen, der vom helllichten Tag, von Licht und der Helligkeit erzählt und dabei in das historische Platt der Region eintaucht – und mit einem Interior- und Ausstellungsdesign, das in Sachen Nachhaltigkeit eigene Maßstäbe setzt.