Eine Frage der Perspektive

100-jähriges Jubiläum und neuer Intendant: Stan Hema gestaltet Markenauftritt der Deutschen Oper Berlin.



Oper ohne Oper – zumindest im herkömmlichen Sinn! Ohne dicke Tenöre, prunkvolle Gewänder, Pathos und schwülstige Sinnlichkeit. Darauf verzichtet die Agentur Stan Hema konsequent bei dem neuen Markenauftritt der Deutschen Oper Berlin, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Schließlich versteht sich das Haus an der Bismarkstraße, das 1912 von Bürgern als Gegenentwurf zum höfischen Spielbetrieb Unter den Linden gegründet wurde, als »Oper ohne Pose«.

Die schwierige Balance, das alteingesessene – und wie man weiß sehr eigensinnige – Opernpublikum nicht zu verschrecken und gleichzeitig so zeitgenössisch und kühn zu sein wie manche der Inszenierungen es sind und vor allem auch ein junges Publikum zu locken, hält Stan Hema mit großartiger gestaltischer Konsequenz.

Als Reminiszenz an den alten Auftritt wurde die Hausschrift Berthold Akzidenz Grotesk übernommen und auch das Deutsche-Oper-Gelb, das die ungewöhnliche Farbe der Bestuhlung des Hauses zitiert. Font und Farbe finden sich im Logo, in der Kommunikation und auch in der Kampagne zum Saisonauftakt wieder, die jeweils ein und dasselbe Bild mit inhaltlich entgegengesetzten Begriffen zeigt.

»Betonklotz« oder »Oase« fragen sie bei einem Foto des Operngebäudes, »Waisenkind« oder »Terrorist« bei »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern«, »Wunderland« oder »Chaostage« bei einem Freizeitpark, der das Stück »Die Liebe zu den drei Orangen« ankündigt. Die gegensätzlichen Begriffe zeigen, dass es eine Frage der Perspektive ist wie man Dinge sieht – und machen angesichts der Extrempositionen und dem großen Möglichkeitsraum dazwischen klar, wie komplex das Leben ist. Genau, was auch gutes Musiktheater bewirken sollte, erläutert Chefdramaturg Jörg Königsdorf.

Auch das Logo ist sehr reduziert, nimmt einerseits auf die schlichte Form des denkmalgeschützten Gebäudes Bezug und andererseits auf die außergewöhnlich breite Bühne des Hauses.

Am Samstag startete mit »Das Mädchen mit dem Schwefelhölzern« offiziell die Saison 2012/13 und man kann sich auf einen mutigen, gelungenen und spannenden Neustart freuen.


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2 Kommentare


  1. Marco Floreani

    Blutleer, kühl und leblos! Und das soll die Oper Berlin darstellen? Die Plakat-Serie geht unter durch ihren farblosen Purismus. Schaut man da gerne hin? Und vor allen Dingen: Werde ich durch die Plakate aufgefordert, mal wieder einen Opernbesuch zu machen? Ganz sicher nicht.


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