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Die schönsten und witzigsten Plastiktüten-Designs

Plastiktüten ins Museum! Zwei tolle Ausstellungen zeigen Tragetaschen mit kultigen Designs ab 1960.

Plastiktüte Design Anton Stankowski, um 1970
Plastiktüte Design Anton Stankowski, um 1970. © Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek. Foto: Dietmar Katz

Wissen Sie, wer die erste deutsche Plastiktüte auf den Markt brachte und wie sie aussah?

Die Geschichtsschreiber dieses schnöden und mittlerweile übelst in Verruf geratenen Alltags- und Wegwerfgegenstands berichten, es sei anno 1961 gewesen, als das Kaufhaus Horten in Neuss die erste Plastiktüte in Umlauf brachte. Ihr Design war damals absolut auf der Höhe der Zeit: Es war inspiriert durch die Fassadenelemente, die der bekannte Designer Egon Eiermann für die Horten-Kaufhäuser entworfen hatte. Die sogenannten Horten-Kacheln waren ebenso wichtiger Bestandteil der Erscheinungsbildes der Einkaufskette wie das Logo – beides zusammen verband sich auf der Plastiktüte zur perfekten Werbebotschaft in zeitgemäßer Optik.

 

Grafische Plastiktüten

Überhaupt zeigten die Plastiktüten als Inbegriff modernen Konsums aus heutiger Sicht erstaunlich häufig grafische Motive, die an die abstrakte Malerei der Zeit erinnerten. So auch die oben gezeigte Tragetasche, die der Künstler und Grafikdesigner Anton Stankowski um 1970 für REWE entwarf. Vierzig solcher gestalterisch herausragender Tüten sind von 13. März bis 28. Juni in einer Ausstellung in Berlin zu sehen, und zwar in der Kunstbibliothek am Kunstforum.

Die Exponate – ja, hier verdienen die vielgeschmähten Kunststofftüten diesen Namen! – stammen aus der »Cool Collection Berlin« von Tobias Sadecki. Mit rund 15000 Tüten aus 17 Ländern und 7 Jahrzehnten eine der größten Kollektion Deutschlands.

Die sogenannten Horten-Kacheln am ehemaligen Horten-Kaufhaus in der Hamburger Mönckebergstraße 2. Die Kacheln verschwanden bei der Renovierung des Saturn-Mediamarkts, den das Gebäude jetzt beherbergt. Foto: Wolfgang Meinhart. CC BY-SA 3.0

 

Plastiktueten aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren
Natürlich sind die Horten-Kacheln auf einer der Plastiktüten aus der Sammlung Sadecki zu finden, die die Kunstbibliothek ab 13. März in Berlin ausstellt. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Foto: Dietmar Katz

 

Noch eine Plastiktüten-Ausstellung im Süden

Schon im letzten Jahr startete das Landesmuseum Württemberg eine Ausstellung zum Thema. Sie läuft noch bis 3. Juli im Museum der Alltagskultur in Schloss Waldenbuch bei Stuttgart. Das Museum hatte zwei Sammlungen mit insgesamt rund 50000 Tüten aus der Zeit von 1968 bis 2010 als Schenkung erhalten.

Es lohnt sich sogar, die Ausstellung »Adieu Plastiktüte« mehrmals zu besuchen! Wegen der Fülle der Ausstellungsstücke werden diese alle paar Wochen ausgewechselt, zum Beispiel am 10. März, 31. März, 28. April, 26. Mai und 16. Juni. Entsprechend vielseitig und unterhaltsam ist die Auswahl. Hier einige »Meisterwerke« aus der Schau.

 

Kultige Plastiktüten aus den 1980er Jahren
Für welches Produkt diese Tüte der 1980er Jahre warb, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Wer weiss es? © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

 

Witziges Plastiktüten-Design
Aus heutiger Sicht verwundert der Aufruf des WWF auf einer Tengelmann-Plastiktüte der 1970er Jahre … © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

 

 

Abstrakte Kunst auf Plastiktüten
Einkaufstüte des Kaufhauses Breuninger um 1968. Entwurf von oder nach Joseph Albers © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

 

 

Plastiktüten Design 1970er Jahre
Witzige Designidee: Dass Bild ist so auf der Tüte von 1972 platziert, dass man das AIWA-Gerät am Griff zu tragen scheint. © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

 

 

Plastiktüten Design Dekorativ
Waren in den den 1970er Jahren auf der Tüte von Woll-Wanner etwa (Opium-)Mohnblumen zu sehen??? Die Wollprodukte versprachen jedenfalls wohlige Gefühle. © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

 

 

Logo Rapport Plastiktüten Design
Markenlogo als Rapport Ende der 1970er Jahre. © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

 

Das Plastiktüten-Verbot kommt

Plastiktüten treten eben immer massenhaft auf … Doch damit wird auch in Deutschland bald Schluss sein. Am 6. November 2019 hat das Bundeskabinett schon einen entsprechenden Beschluss getroffen. Damit er zum Gesetz wird, muss der Beschluss noch Bundestag und Bundesrat passieren. Alle Infos dazu gibt es direkt beim Umweltministerium.

Vernünftigerweise sollen auch die sogenannten Bioplastik-Tüten verboten werden, weil sie als Augenwischerei gelten. Erstens ist das Recycling oft schwierig, zweitens ist die Gewinnung der Rohstoffe häufig mit pestizidverseuchten Monokulturen verbunden.

Der Kabinettsbeschluss sieht vor, Verstöße mit Bußgeld von bis zu 100 000 Euro zu bestrafen.

Nur die Hemdchen-Tüten bleiben erlaubt (das sind die, die zusammengelegt mit ihren Griffen wie Unterhemden aussehen). Man findet sie meist am Gemüsestand, immerhin drei Milliarden werden im Jahr in Deutschland verbraucht. Da hilft bloß, eigene Beutel mitzubringen.

Die Rolle von Gestaltern zum Thema Plastikmüll zielt dabei heute natürlich eine ganz andere Richtung –siehe dazu den Artikel Die besten Kampagnen gegen Plastikmüll.

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