Ästhetik – eine Frage des Geschmacks?

Was gefällt? Und warum? Wie Designer Trends nutzen können, steht in PAGE 02.2018



Editorial: Kopfarbeit

Wer intelligent ist, nutzt sein Gehirn besonders wenig, sagt die Neurobiologie. So gesehen, dumm also, dass die künstliche Intelligenz die menschliche erst im Jahr 2060 überflügeln und dann zu guter Letzt 2136 all unsere Jobs übernommen haben wird, wie eine Befragung von KI-Experten zutage brachte. Unsere Kollegen werden sich viel Arbeit sparen können. Schade aber auch, weil wir in einem Punkt dann doch gerne heute schon schlauer wären: nämlich darin, ob Konrad Zuse mit seiner Einschätzung recht hatte, dass die Gefahr, dass der Computer so wird wie der Mensch, nicht so groß ist wie die Gefahr, dass der Mensch so wird wie der Computer.

Sei’s drum, nutzen wir unseren Denkapparat: Intelligenz stellt in der Hirnforschung ein Maß für die geistige Effizienz der Informationsverarbeitung dar. Doch Aufgaben zielgerichtet wie eine Maschine lösen zu können ist nur das eine. Dinge erst einmal zu hinterfragen noch einmal etwas ganz anderes. Es be darf schon einer gehörigen Portion Kreativität, um Neues zu denken – und Schönes zu entwickeln. Ja, auch visuelle Intelligenz ist gefragt: Wir Designer antizipieren und gestalten die Zukunft, dabei kommt der Ästhetik eine Schlüsselrolle zu. Sie lässt den Betrachter etwas als richtig empfinden, weil es in seinen Augen stimmig ist. Ästhetik entscheidet darüber, ob etwas als besser, als höherwertig wahrgenommen wird.

Stellen wir also die Geschmacksfrage: Was gefällt? Und warum? Studien belegen: Ästhetisches Empfin den ist automatisiert. Ob uns etwas gefällt, hängt davon ab, was wir bereits gesehen haben und wie eingängig es ist. Kurzum davon, ob wir es ohne große Anstrengung intellektuell wahrnehmen können. Aber wenn dies das einzig ausschlaggebende Kriterium wäre, müsste uns dann nicht immer das Gleiche gefallen? Und vergessen wir nicht auch leicht, was uns leicht gefällt? – Was warum schön ist, wie sich Ästhetik abnutzt und was das für unsere Arbeit bedeutet, das erklären Wissenschaftler, Trendforscher und Vorreiter in PAGE 02.2018. Und natürlich lautet eine Fragestellung in der vorliegenden Ausgabe auch »KI or not KI«. Denn nur wer dem Intelligenz- und Effizienzstreben gedankenlos begegnet, darf sich nicht wundern, wenn er der Automatisierung zum Opfer fällt. Zu Lebzeiten, wohlgemerkt.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisherin


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