Welche ist die größte Werbelüge?

In Hollywood gibt es die Goldene Himbeere, die deutsche Werbebranche hat einen Windbeutel in derselben Farbe. Während die Razzies als Auszeichnung für die schlechteste schauspielerische Leistung und als Persiflage auf den Oscar bereits seit 1980 stattfinden, wird der Goldene Windbeutel zum zweiten Mal verliehen – für die dreisteste Werbelüge.



In Hollywood gibt es die Goldene Himbeere, die deutsche Werbebranche hat einen Windbeutel in derselben Farbe. Während die Razzies als Auszeichnung für die schlechteste schauspielerische Leistung und als Persiflage auf den Oscar bereits seit 1980 stattfinden, wird der Goldene Windbeutel zum zweiten Mal verliehen – für die dreisteste Werbelüge.

Der von der Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch initiierte Award sollte zwar nicht als Indikator für Erfolg oder Misserfolg der nominierten Kampagnen betrachtet werden – ein Fünkchen Wahrheit dürfte in den Vorwürfen der Jury dennoch liegen. Jeweils ein Juror setzte einen Werbespruch auf die Shortlist, diese steht bis zum 22. April unter www.abgespeist.de zur Abstimmung bereit. Die Statements der Juroren zu ihren Favoriten lesen Sie hier.

Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Kabarettist und Filmemacher, nominierte den „Monte Drink“ von Zott: „Eine beliebte Zwischenmahlzeit, sagt Zott. Der ideale Begleiter für die Schule, sagt Zott. Enthält allerdings umgerechnet acht Stück Würfelzucker, mehr als die gleiche Menge Cola – eine zuckersüße Kalorienbombe im Schulranzen. Sagt Zott natürlich nicht. Aber deshalb ein heißer Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2010, sagt foodwatch. Und das würde ich auch sagen.“

Ullrich Fichtner, „Spiegel“-Journalist, nominierte die „Duett Champignon Creme-Suppe“ von Escoffier: „Mein Favorit für den Goldenen Windbeutel ist die Escoffier Duett Champignon Creme-Suppe, die so tut, als wäre sie Kochen, in Wahrheit ist sie auch nur eine andere Industrienahrung. Sie wird beworben von Alfons Schuhbeck, dem bekannten und beliebten Spitzenkoch, der seinem Namen damit keine große Ehre macht.“

Astrid Frohloff, Fernsehjournalistin, nominierte das Pfanner-Getränk „Der Gelbe Zitrone-Physalis“: „Eine ‚süße Frucht der Verführung’ wird uns da versprochen – und wenn man genau hinschaut, sieht man von Physalis keine Spur, stattdessen nur Aromastoffe. So viel Chuzpe muss man erstmal haben.“


Andreas Hoppe, Schauspieler und Autor, nominierte „beo Heimat Apfel & Birne“ von Carlsberg: „Schöner Versuch, Herr Carlsberg! Aber sich seine Pseudo-Bio-Welt auf chemische und künstliche Fakten aufzubauen, kann nur zu diesem erbärmlichen Gesöff aus falschen Äpfeln und Birnen führen. Wie immer bevorzuge ich die Äpfel direkt vom Baum.“


Tobias Schlegl, TV-Moderator, nominierte die Pastasauce „Bertolli Gegrilltes Gemüse“ von Unilever nominiert: „Mein Kandidat für den Goldenen Windbeutel ist die Bertolli-Pastasauce Gegrilltes Gemüse. ‚Verbesserte Rezeptur’ steht drauf, das heißt vor allem verbesserte Rezeptur durch einen Geschmacksverstärker. Gratulation an das Unternehmen: Besser kann man Verbraucher nicht austricksen und täuschen. Jeder Italiener wäre beschämt, wenn er eine solche Pastasauce serviert bekäme, und eine original italienische Mamma würde garantiert das Nudelholz schwingen – völlig zu Recht.“

 


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