Was sind die schönsten Bücher?

Über die schönsten deutschen Bücher wird weiter heiß diskutiert. Katharina Hesse von der Stiftung Buchkunst nimmt Stellung zur Kritik bekannter Designer.



Foto: Nina Faulhaber

Warum gleich eine ganze Riege renommierter deutscher Grafikdesigner in einem offenen Brief Kritik am Wettbewerb um die schönsten deutschen Bücher üben, haben uns die Initiatoren der Aktion gerade in einem Interview erklärt. Es ist eine spannende Debatte um die Frage, ob die schönsten Bücher Deutschlands Buchkunst sein sollen oder ob es doch eher ums sogenannte Gebrauchsbuch geht, also jene Publikationen, die am Ende in jeder Buchhandlung liegen.

Katharina Hesse, seit 2013 Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, hat da natürlich ebenfalls eine klare Position und erklärt hier, wie sie zu den Argumenten aus dem PAGE-Interview steht und wo sie den Unterschied zwischen »Gebrauchsbuch« und Künstlerbuch sieht.

 

»Das Interview spiegelt den Zielkonflikt wider, dem jedweder Designwettbewerb unterliegt. Geht es um künstlerische Avantgarde, um angewandte Kunst oder um Gebrauchskunst? Die Stiftung Buchkunst vertritt seit ihrer Gründung vor über 50 Jahren den Standpunkt, dass Buchkunst eine der vielfältigsten Kunstformen überhaupt ist. Sie muss künstlerisch-ästhetische Aspekte verbinden mit Materialität, daneben aber auch Typografie, Lesbarkeit und Handhabbarkeit bewerten. Der essentielle Unterschied der Buchkunst zu vielen anderen Künsten ist aber der Anspruch von Gestaltern und Herstellern, dem Leser die Gedanken von Autorinnen und Autoren zu vermitteln. Der eigentliche Künstler eines Buches ist die Autorin. Es gilt, aus deren Ideen ein Gesamtkunstwerk zu machen, das sich der Leserinnenschaft erschließt.

Genau darin unterscheidet sich die Buchkunst von dem Künstlerbuch, das sich als selbsttragende künstlerische Ausdrucksform versteht. Und genau daher versteht sich der Preis für die schönsten deutschen Bücher eben nicht als eine auf die Buchgestaltung übertragene Documenta, sondern vielmehr als Designpreis, der die oben genannten Aspekte gleichberechtigt miteinander vereinbart. Aus diesem Grund kann und darf sich die Stiftung Buchkunst nicht von den Partikularinteressen Einzelner vereinnahmen lassen, sondern muss vielmehr den breiten Diskurs aller Beteiligter suchen. Dies hat die Stiftung Buchkunst bisher immer getan und wird sie auch weiterhin tun.

Einem solchen Diskurs abträglich ist das einseitige Beharren auf der eigenen Extremposition. Ein rein auf Experimentalität und Avantgarde reduzierter Preis für das schönste deutsche Buch würde die Stiftung Buchkunst für eine breite Leserschaft unerreichbar machen. Damit würde die Stiftung Buchkunst ihr Ziel, die Buchgestaltung zu einem gesellschaftlichen Thema zu machen, glatt verfehlen. Die Schaffung von Relevanz bezüglich der Umsetzung von Inhalten jeglicher Couleur in Buchform steht für die Stiftung Buchkunst immer im Vordergrund. Daneben gibt es aber immer auch die Möglichkeit und den Willen, einzelnen Aspekten der Buchgestaltung eine Öffentlichkeit zu geben. Lassen Sie uns darüber sprechen.«


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