PAGE hat sich am Tag der FORM/FUTURE 2026 in Berlin umgeschaut, die am 10. September stattgefunden hat, und einige Impulse für die Kreativbranche gesammelt.
Die Main Stage im Tempelhof-Gebäude. Im Vordergrund Gäste und eine Sofa-Lounge, im Hintergrund läuft ein Panel.
Ein wuchtiger Koloss aus Muschelkalk an den Fassaden, dessen historische Altlasten bis heute spürbar sind – das Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin zieht Besucher:innen schon beim Anblicken in seinen Bann – egal ob drinnen oder draußen. Wo einst die NS-Diktatur Macht demonstrierte, erstreckt sich heute ein Ort des Erinnerns an die Opfer des Regimes – und gleichzeitig einer der eindrucksvollsten Veranstaltungsräume Berlins.
Mit genau dieser geschichtlichen Last im Hinterkopf ist es gerade jetzt umso essenzieller, dass Menschen zusammenfinden, die sich aktiv für die Zivilgesellschaft und die Demokratie einsetzen – und dass Design weit mehr kann, als nur ästhetisch zu gefallen, wissen wir. Beim Betreten des bombastischen Bauwerks konnte man eine gewisse Schwere fühlen, aber vor allem auch Neugierde auf den Tag der Form/Future-Veranstaltung. Sie ist eine Initiative im Rahmen von Berlins Auszeichnung als UNESCO City of Design.
PAGE hat vor Ort diese Impulse mitgenommen.
Politische Poster: Design Democracy
Wie Gestaltung Haltung zeigt, machte das Projekt Design Democracy deutlich. Die Initiative präsentiert Plakate, die sich mit politischen Themen und gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Eine Auswahl dieser Arbeiten war im Flughafen Tempelhof zu sehen.
Ausgestellte Poster im Rahmen des Projekts Design Democracy auf der Form/Future.
Design kritisch denken
Critical Design Thinking und wie Design den systemischen Wandel mitgestalten kann: Im Unterschied zu klassischer Problemlösung, die meist nur Symptome repariert, stellt dieser Ansatz gezielt Fragen, bevor er Antworten liefert. Design wird so von der bloßen Dienstleistung zum kritischen Werkzeug, das bestehende Strukturen hinterfragt und gesellschaftliche Transformation überhaupt erst ermöglicht. Genau darum ging es im Vortrag von Prof. Dr. Felix Kosok, der seit 2021 Associate Professor für Grafikdesign an der German International University in Berlin ist und seit 2024 Leiter des Design-Diskurses für World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.
Ehemalige PAGE-Chefredakteurin moderiert auf der Stage. Mit auf der Bühne ist der Gast Prof. Dr. Felix Kosok zum Thema »Was unterscheidet kritisches Design-Denken von reiner Problemlösung?«
Interaktive, analoge Touchpoints
Hier konnten Besucher:innen mitmachen und unter anderem darüber nachdenken, welche Fragen Design stellen muss, um eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen.
Aufgestellte Tafel zum Mitdenken und selbst Post-its anheften.
Was ist für Marken und Produkte heute wichtig?
Zwei weitere Impulse beleuchteten die Rolle von Design und Brandings im modernen Business. Zum einen betonte die Referentin Diana Belodedov (Volkswagen AG) in ihrem Vortrag, wie stark Endprodukte profitieren, wenn Designer:innen in Produktmanagement-Rollen wechseln oder zumindest von Beginn an involviert sind. Viele erfolgreiche Unternehmen, vornehmlich aus dem Tech-Bereich, hätten CEOs in führenden Positionen, die ursprünglich als Designer:innen ihre Karrieren begonnen haben. Sofern sich Gestalter:innen dafür entscheiden sollten, das sei natürlich jedem selbst überlassen, in Positionen des Produktmanagements zu gehen, könne das Designerherz ja schließlich trotzdem weiterschlagen.
Zum anderen zeigte die Agentur WirDesign, was Marken heute wieder spannend macht: In einer Welt, in der sich Brands optisch immer stärker angleichen, sollte Brand Storytelling wieder echte, prägende Erinnerungen schaffen. Einzigartigkeit entsteht nicht durch Anpassung, sondern dort, wo Marken den Mut haben, wieder merkfähige Momente im Kopf des Publikums zu verankern.
Impulsvortrag von Nicole Kuderer (WirDesign) »The Age of Sameness – Branding for Humans & Machines«