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Kollaboration als kreativer Treiber in Zeiten von KI

Kompetenzen zusammenbringen, weitergeben und ständig im Austausch sein: Stimmen aus der Kreativbranche betonen, wie wichtig das für die zukünftige Zusammenarbeit ist. PAGE hat genauer nachgehakt.

PAGE Live Design the AI Age: Workshop Future Booth
PAGE live »Design the AI Age«. Workshop: Future Booth, Ellery Studio. Co-kreativer Austausch. Foto: Sebastian Hoehn

Bei PAGE live »Design the AI Age«, hosted by MetaDesign, hat PAGE die Kreativ-Community zusammengebracht, um über drängende Fragen zu diskutieren. Dabei wurde ein prägnanter Lösungsansatz für aktuelle Fragestellungen und Problemthemen identifiziert, den wir eigentlich alle schon kennen: Kollaboration. Im Kontext der Arbeit mit künstlicher Intelligenz verdient dieser Punkt jedoch wieder eine stärkere Gewichtung.

Warum? Das kommentiert die Branche selbst. Kreative aus den verschiedensten Bereichen haben PAGE beantwortet, warum kreative Praxis in Zeiten von KI mehr denn je von Kollaboration lebt. Und warum es so wichtig ist, gerade jetzt Kompetenzen zusammenzubringen.

Bringt eure Kompetenzen zusammen!

Das sagen die Stimmen:

Dorjee Lhamo Gerhard, Senior Concept Creative bei TBWA:

»Kreative Praxis lebt in KI-Zeiten mehr denn je von Kollaboration, weil Arbeit einer der letzten Orte ist, wo wir noch auf Leute treffen, die wir uns nicht ausgesucht haben. Alles andere ist längst kuratiert – unser Feed, unser Freundeskreis, unser Viertel. Es ist die Reibung mit anderen Perspektiven, Beweggründen und Lebensrealitäten, die Kreativität antreibt. Kurz gesagt, Kollaboration konfrontiert dich und KI bestätigt dich. Kreative Kollaboration mindert die Gefahr einer generativen Echokammer.«

PAGE Live Design the AI Age: Main Stage Panel mit mehreren Gästen
Panel »Coping or Creating?«. V.l.n.r.: Moderator Simon Graff, Dorjee Lhamo Gerhard, Senior Concept Creative bei TBWA, Sarah Leonie Freiin von Froenau, Creative AI Specialist und Sebastian Kopp, Experte Copywriting. Foto: Sebastian Hoehn

Taisia Tichnowetzki, Head of Design, Sapera Studios:

»Kreative Praxis lebt in Zeiten von KI mehr denn je von Kollaboration, weil sich eine Haltung und ein Gespür für den Kontext von Kunden erst im Austausch bilden. Im Gespräch mit anderen entstehen Meinung, Geschmack und auch die nötige Reibung, um gute Entscheidungen zu treffen. KI allein liefert dagegen eher beliebige Ergebnisse. Ein großes Potenzial von KI in der kreativen Zusammenarbeit sehe ich auch in einem gemeinsamen Gehirn und im schnellen Testen und Verwirklichen von guten Ideen, über die man sich so leichter austauschen kann.

Für mich stecken zwei große Themen darin, die Kompetenzen zusammenzubringen. Erstens: Durch KI entsteht schlicht mehr Output, und deutlich mehr unterschiedliche Menschen können Content erstellen. Das benötigt mehr Zusammenarbeit, um daraus tragfähige Strategien zu formen. Zweitens beobachte ich, dass wir mit KI über unsere ursprünglichen Kompetenzen hinausgehen können, zum Beispiel, wenn ich als Designerin ohne Programmierkenntnisse mit KI eine interaktive Infografik bauen kann. Ich glaube, dass unsere Arbeit dadurch generalistischer und vielfältiger wird. Und genau deshalb wird Austausch wichtiger: Wenn wir keinen AI-Slop produzieren wollen, müssen wir uns weiterbilden und mit unterschiedlichen Expert:innen zusammenarbeiten. Sei es die Programmiererin, die stärker ins Design geht, oder umgekehrt. Das macht das Thema für mich gerade sehr spannend.«

PAGE Live Design the AI Age: Main Stage Panel mit mehreren Gästen
Panel »Branding in der KI Ära«. V.l.n.r.: Moderatorin Ivana Radovanovic; Carina Morales, Head of Brand Activation bei Kleinanzeigen; Taisia Tichnowetzki, Head of Design, Sapera Studios; Stefan Aust, Marketing Transformation Lead Volkswagen AG; Daniel Leyser, Global CEO bei MetaDesign. Foto: Sebastian Hoehn

»Das Beste kommt aus dem Raum zwischen vielen«

Melita Radocaj, AI Creative Direction:

»Ein Team ist im Grunde ein Raum voller anderer Rechenwege. Jede:r kommt mit dem eigenen Gepäck an, mit einer anderen Kultur, anderen Eindrücken, anderem Wissen, einer anderen Art, überhaupt an eine Sache heranzugehen, darin liegt der Reichtum. Ein bisschen wie in der Mathematik: 8 + 7 sind 15. Man kann aber auch erst mit 8 + 2 die 10 vollmachen und dann die restlichen 5 addieren. Gleiches Ergebnis, anderer Denkweg. Und manchmal ist genau dieser andere Weg die eigentliche Entdeckung und das macht mich reicher, als ich es allein je sein könnte. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der die Tools scheinbar alles können, wird das wichtiger. Die Werkzeuge sind unerschöpflich, aber wie viel wir aus dieser Unerschöpflichkeit herausholen, hängt an etwas, das die Maschine nicht besitzt; an unserem Urteilsvermögen, an unseren Eindrücken, an unserer Persona.

Kein Mensch kann alles, aber viele Menschen können zusammen fast alles, und wenn eine:r in der Sackgasse steht, gibt es fast immer jemanden, der eine Tür sieht, wo ich nur die Wand gesehen habe. Dann ist da noch etwas, das gern vergessen wird. Die KI bietet uns an, ganz allein zu arbeiten, still, effizient. Aber der Mensch, der nur noch allein arbeitet, verkümmert – emotional und sozial – und das merkt man irgendwann auch der Arbeit an. Im Team lerne ich die anderen Persönlichkeiten kennen, ihre Eigenheiten, ihre Widersprüche, ihre ganz eigene Art, die Welt zu lesen, und das ist keine Nebensache, das ist Nahrung. Es gibt Momente, in denen eine einzelne Person schneller und klarer ist, und das Volumen überschaubar bleibt. Dann kann eine:r allein viel bewegen. In fast allen anderen Fällen glaube ich fest an das gemeinsame Arbeiten, weil das Beste aus dem Raum zwischen mehreren kommt.«

Jeannette Bergen, AI Artist:

»KI macht uns technisch unabhängiger: Heute kann jede:r vieles selbst bedienen – von Art Direction über Fotografie bis Motion. Aber möglich heißt nicht automatisch gut. Effizient arbeiten heißt auch, etwas wirklich zu beherrschen. Deshalb wird Kollaboration wichtiger: Sie bringt unterschiedliche Perspektiven und Spezialist:innen zusammen – etwa bei hybriden Shootings oder in der Zusammenarbeit mit Bewegtbild-Expert:innen. Je mehr wir allein können, desto wichtiger wird es, bewusst miteinander zu arbeiten.«

PAGE Live Design the AI Age: fünf Teilnehmende und Workshop-Speaker
Gäste und Workshop-Referentinnen im Austausch. V.l.n.r.: Sibel Bicer von PAGE, Jeannette Bergen (AI Artist), Melita Radocaj (AI Creative Direction), zwei Gäste. Foto: Sebastian Hoehn

Daniela Vogel, Computational Designerin bei Stan Hema:

»Es macht mir einfach mehr Spaß, mit Menschen zu diskutieren, als mit einem Chatbot im Einvernehmen zu bleiben. Durch unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen und Haltungen entsteht Reibung – und die kann kreative Arbeit enorm voranbringen. Wenn ich mit KI arbeite, bewege ich mich dagegen schnell in meiner eigenen Bubble: Der Chatbot bestätigt meine Ideen und spinnt sie weiter, begegnet ihnen aber nicht mit eigenen Erfahrungen, geschweige denn einer Haltung. Wenn ich jedoch in die fragenden Augen einer Kollegin sehe, weil ich eine Idee offenbar noch nicht klar genug zu Ende gedacht habe, oder merke, wie sehr uns ein Thema im Team beschäftigt, wird mir klar: Wir arbeiten an etwas, das über meine eigene Perspektive hinausgeht, an etwas das uns wichtig ist. Diese Momente treiben mich an und geben meiner Arbeit mehr Tiefe und Wertigkeit. KI beschleunigt den kreativen Prozess – Kollaboration gibt ihm Bedeutung.«

PAGE Live Design the AI Age: Workshop Stan Hema
Daniela Vogel, Computational Designerin bei Stan Hema, beim Workshop »Gestaltung im Branding« mit den Teilnehmer:innen. Foto: Sebastian Hoehn

Nick Stübe, Interaction Designer, Zukunftsforscher & Strategist:

»Ich weiß, wie man lebendige Communitys von Grund aufbaut und nachhaltig pflegt. Für mich ist eine Community die gezielte Gestaltung von Kultur mithilfe systemischer Designmethoden. Ich habe erlebt, wie wichtig Communitys als Türöffner sind – sie helfen beim Ankommen in neuen Umgebungen und schaffen persönlichen Austausch über Silogrenzen hinweg. Ich kenne die typischen Stolpersteine – viele Communitys scheitern, weil das klare Warum fehlt oder keine Zeit für die Pflege investiert wird. Und ich bin überzeugt, dass echte Innovation nur dort entsteht, wo tiefer Austausch und ein geschützter Raum zum Experimentieren gegeben sind.«

PAGE Live Design the AI Age, Stickertisch
Ein weiterer Ort zum lockeren Austausch bei »Design the AI Age« bot der Stickertisch von StickerApp mit von Illustrator:innen gestalteten Illus. Foto: Sebastian Hoehn

 

Das war das Event »Design the AI Age« im Detail!

Lest mehr zu den Key Learnings in der nächsten PAGE-Printausgabe.

 

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