Some Magazine Diary: Die Konferenz

Was am Ende übrig bleibt, diskutierten Redner und Gäste auf der Some Conference »Profit«.



 

Was am Ende übrig bleibt, diskutierten Redner und Gäste auf der Some Conference »Profit«.

Um das Thema Profit drehte sich alles am 9. Juni 2011 auf der ersten Some Conference an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Mehr als 500 Gäste waren am Geburtstag Donald Ducks nach Halle gereist. Initiiert wurde die Konferenz mit sechs Rednern aus Design und Kunst von den Kommunikationsdesign-Studenten Markus Lange, Markus Postrach, Falko Walter, Hannes Oehme, Falko Gerlinghoff und Sven Voelker. Die Marke »Some« sollte auch an diesem Tag dafür stehen, aus der Welt des Grafik-Designs auszubrechen und »irgendwelche« Dinge zu tun.

Der Tag begann mit Nicolas Bourquin, Berliner Grafikdesigner und Mitbegründer von onlab. Begriffe wie No Budget, Profiteur oder Verlust begleiteten seinen Vortag, der vor allem davon erzählte, warum man auch dann von einem Projekt profitiert, wenn damit anfangs eher Verlust gemacht wird. Beispiele dafür gab es viele: Projekte wie »Reporter ohne Grenzen« oder das Re-Design des »Domus Magazins« lohnten sich erst sehr viel später. Es zähle das, was man daraus lernt und für sich mitnimmt, keine Investition sei umsonst. Doch Nicolas betonte auch, dass es viel wichtiger sei, als Gestalter die Möglichkeit zu haben, eigene Ideen und Ansichten zu vermitteln, als damit Profit zu machen.

Lockere Trabbiwitze eröffneten den sehr unterhaltsamen Vortrag des Kunstkritikers und Filmemachers Ben Lewis. Anhand vieler Beispiele von Warhol und Co. zeigte er wie Kunstwerke zu einer Art Währung werden. Die Kurse variieren sehr stark und man weiß nicht, warum welches Kunstwerk wie viel wert ist. Wer legt das fest und wie können die Preise gerechtfertigt werden? Vor allem die Kunsthändler profitieren durch den Verkauf von Kunst an der Kunst, da sie eine Prämie erhalten. Dieses Geld investieren sie wieder in Kunstwerke. Das ist ein unendlicher Kreislauf, in dem immer mehr Profit gemacht wird. Die Nachfrage macht den Profit aus.

Nach einer kurzen Mittagspause ging es mit Charlotte Cheetham weiter. Seit 2006 betreibt sie den beliebten Blog manystuff.org mit dem Motto »Every Morning I Check Manystuff«, in dem sie aktuellste Geschehnisse aus der Welt des Grafik-Designs zusammenträgt und veröffentlicht. Sie kuratiert und katalysiert die neuen und frischen Ideen, vor allem aber versteht es Charlotte Cheetham sehr gut, aus weniger mehr zu machen. In ihrem Vortrag berichtete sie uns von Non-Budget Projekten, die sich aus ihrem Blog heraus entwickelt haben. Profit wurde also keiner gemacht, und dennoch so viel auf die Beine gestellt: ein Workshop in einer russischen Schule, eine Posterausstellung oder eine kleine Buchmesse.

Nach einer kurzen Einleitung des Some Conference Teams zur Person Michael Schirner, erklärte dieser, dass ja bereits alles gesagt sei und er nun über etwas anderes reden könne. Zum Beispiel über seine Hochzeit, die er vor kurzem in China feierte. Denn er sei ja nicht nur Deutscher, nein er sei auch Sachse und neuerdings Halb-Chinese. Dann zeigte er dem Publikum, wie er die »TAZ« gerettet hat, ohne dabei Profit zu machen. Dafür schaltete er in verschiedenen Zeitungen eine Anzeige, in der lediglich stand: »Was hier nicht steht, steht in der TAZ.«

Direkt im Anschluss vor der Kaffeepause gab es eine Videokonferenz mit Mange Furuholmen und Jonas Bjerre von Apparatjik, die einige Wochen zuvor bereits für einen zweitägigen Workshop für das Some Magazine nach Halle gekommen waren. Die Superband, unter anderen bestehend aus Mitgliedern der kommerziell sehr erfolgreichen Bands wie Coldplay und a-ha, verzichten in ihrer Arbeit komplett auf jeglichen Gedanken an Profit. Und final kann man sagen: Magne und Jonas essen gern Blaubeermuffins und wir sind alle Appartjiks. Masken inklusive!

Jerszy Seymour bezeichnet sein Schaffen als unendlichen Workshop. Nach dem er viel mit Plastik gearbeitet hat, wurde ihm klar, dass er nicht noch mehr Erdöl verbrauchen wolle und begann damit, Plastik aus Kartoffeln herzustellen. Seymours Installationen sind farbenfroh und surreal. Laut Seymour gibt es drei Arten von Designern: Jäger, Farmer und Denker. Die Jäger arbeiten nur Bedürfnisse ab und denken danach nicht weiter über ihre Arbeit nach. Die Farmer planen vorausschauend und haben ein festes Ziel vor Augen, machen aber einfach weiter, sobald das Ziel erreicht wurde. Der Denker jedoch findet etwas, was ihn interessiert, überlegt was er damit machen kann, erfreut sich an der Suche und denkt lange, lange darüber nach.

Das fulminante Ende des Tages war ein farbenfroher Einblick in die Arbeit der Gestalter rund um Mirko Borsche. Sein Münchner Bureau Mirko Brosche versteht es, mit viel Spaß an der Sache, über den Fakt hinwegzusehen, dass kaum ein Kunde heutzutage noch viel Geld hat, selbst das Zeit-Magazin nicht. Und was passiert, wenn Michael Jackson stirbt, zeigt ein Video in dem die Belegschaft zu »Thriller« tanzt. Profit wird auch hier nicht gemacht, dafür macht die Arbeit aber offensichtlich sehr viel Spaß!

Ein Barbeque und anschließende Party rundeten den langen Konferenz-Tag ab.

 

Ein Nachbericht von Julia Wübbenhorst und Juliane Hohlbaum (Text), Studentinnen im Kommunikationsdesign, und Sascha Linke (Fotos), Absolvent im Master-Studiengang Photography.


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