re:publica 2013: Hund oder Katze?

Telekomgesellschaftserdrosselung: Die re:publica 2013 ist gestartet - mit 5.000 Teilnehmern aus 50 Ländern, einer bunten CI und tierischen Highlights.



 

Blauweißschwarz geht es auf der re:publica 2013 zu, mit großen Illustrationen in denen Fische binäre Codes blubbern oder Pinguine Copyright-Ballons steigen lassen. 

Entwickelt hat die Corporate Identity der diesjährigen Konferenz die Berliner Agentur 10hoch16, spezialisiert auf engagierte, nachhaltige Kampagnen – ganz passend also für den Anspruch der re:publica.

Um Open Source soll es gehen, um das vielleicht endgültige Ende der Netzneutralität, über den Ausbruch aus der Netzunmündigkeit – und darüber, dass, während die Alten noch darüber nachdenken wie man in der Online-Kultur Geld verdienen kann, die Jungen mit rasendem Erfolg an einem vorbeipreschen.

Und als der erste Tag vorbei war hatten zwei der Redner, die unterschiedlicher nicht sein könnten, Gemeinsamkeiten bewiesen. Nicht nur, dass sie beide eine große Fangemeinde mobilisierten, die die Halle des Stage 1 zum Wogen brachte, drifteten die beiden in die Tierwelt ab.

Ist man Hund oder Katze fragte man sich nachdem Gunter Dueck, Deutschlands wohl bekanntester und trocken-humorigster Informatiker erstmal Grundsätzliches geklärt hatte. Dass die wahre Auseinandersetzung sich natürlich nicht in der Comfort Zone der Konferenz und zwischen Gleichdenkenden abspielt, sondern 200 Meter weiter beginnt – außerhalb der Konferenz-Hallen der Station Berlin.

  

Er forderte nicht weniger als ein neues Menschenbild, das eine Gesellschaft, die sich im Übergang zu einer Wissensgesellschaft befinde, dringend benötige. Völlig aussichtslos hier zu wiederholen mit welcher Lakonie er große Fragen auf so simples Alltagsgeschehen wie den Streit, ob man die Zahnpastatube nun falten oder drücken sollte, herunterbrach –  und dafür plädierte, nicht Meinungen gegeneinander zu stellen, sondern sich auseinanderzusetzen, Kompromisse zu finden, sich anzunähern – und zu entscheiden, ob man Hund ist oder doch lieber Katze. Denn während erster im Rudel umständlich versucht sich gegenseitig abzusichern, übernehmen zweite schlicht Verantwortung, treffen Entscheidungen – und stehen dazu.

So begeistert beklatscht die Konferenz startete so euphorisch gefeiert wurde der Schlussakt des Tages, Sascha Lobo, bei dem die Gemeinde sich schon eine halbe Stunde vorher Plätze sicherte und schließlich sogar auf dem Betonboden vor dem Rednerpult Platz nahm.

In Anspielung an Clint Eastwood, der bei seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner einen Stuhl mit auf die Bühne brachte auf dem ein imaginärer Präsident Obama saß, nahm bei Lobo dort ein imaginärer Mario Sixtus Platz – und es begann eine launisch kämpferische Büttenrede, gespickt mit Seitenhieben auf die Piratenpartei, auf Google Glasses, das Leistungsschutzgesetz, die »Drosselkom«, für die Lobo auch gleich ein neues Logo mitlieferte bei dem das Telekom T sich in ein Grabkreuz verwandelt (siehe Bildergalerie) – und die mit Lobos reclaim.fm, einer blog-Plattform endete, die zur »Zentrale« der eigenen Netzaktivitäten werden kann, weil man dort die Daten seiner Internetaktivitäten sammeln und ordnen kann – und die seiner Freunde einsehen. Das alles bebilderte er mit Fotos von Katzen- und Hundebabys, die sich entweder im Zaun verfangen, als Hot Dog herumlaufen oder ihren Kopf, als visuelles Pendant zu Google Glasses, in einem Fischglas versenkt haben – und mit zahlreichen Bildern von Angela Merkel, die es zu überzeugen ginge, das Ruder in Sachen Netzpolitik herumzureißen – und auf denen sie – passend zu Lobos Irokesen – ein Jackett in dem selben Rot trug.

Dem gab es nichts mehr hinzuzufügen, für ernst zu nehmende Fragen war jeder zu fröhlich erschöpft und so zog man ab zum analogen Socialising und zu Bier und Musik in den Sommerabend im Hof der Station.

Mehr zur re:publica 2013: Magazin zum Start der re:publica, DIY Raumfahrt


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