Quereinsteiger: So ist Dennys Hess zum Design gekommen

Dennys Hess ist seit Juli 2018 Associate Design Director bei denkwerk in Köln. Zuvor arbeitete er als Digital Creative Director in Hongkong. Über mehrere weltweite Zwischenstationen ist er zum erfolgreichen Designer geworden. Hier berichtet er, wie er seinen Weg vom Informatiker zum UX-Designer gefunden hat.



»Aufgewachsen bin ich in der Schweiz. Dort absolvierte ich zunächst eine vierjährige Ausbildung zum Informatiker mit Spezialisierung auf Netzwerktechnologie. 2007 zog ich dann nach Zürich, um dort einen Bachelor im Bereich Webdesign und Development zu machen. Der Schwerpunkt lag dabei auf Front- und Backend-Development. Ich hatte schon in meiner Informatikausbildung gemerkt, dass ich Webentwicklung aufgrund ihres Komplexitätsgrads sehr spannend finde. Doch war diese leider kein Ausbildungsschwerpunkt, so entschied ich mich für ein zusätzliches Studium.

Nebenbei arbeitete ich in einer Agentur als CMS-Entwickler und wirkte dort an der Erstellung von E-Commerce-Plattformen und Datenbankapplikatio­nen mit. Später wechselte ich zu einer anderen Agentur und programmierte dort Werbewebsites.

Während diesen drei Studienjahren spielte ich immer mal wieder mit Photoshop und Illustrator herum – nicht sonderlich seriös, aber ich versuchte, meine Skills zu verbessern. Inspiriert dazu wurde ich von einigen großen Agenturen aus Amerika, besonders Fantasy Interactive (heute: Fantasy) – das war sozusagen meine Idol-Agentur. Ich machte dann auch ein kleines Portfolio und stellte meine Arbeiten ins Netz.

Irgendwann hatte ich das verlangen, die Schweiz zu verlassen, und zog nach Oslo. Dort programmierte ich zunächst weiter für ›meine‹ Agentur in der Schweiz und erstellte zunehmend auch kleine Designarbeiten. Ein paar Monate nach meinem Umzug bekam ich ein Jobangebot von Fantasy in Stockholm und nahm natürlich sofort an. Ich fing dort als absoluter Junior-Designer an. Dort habe ich mich vom Developer in einen Designer verwandelt. Als ich frisch anfing, war ich wirklich sehr schlecht in dem, was ich tat. Die Denkweise eines Designers ist anders als die eines Entwicklers – das war am Anfang eine echte Herausforderung. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten: In beiden Bereichen geht man strategisch vor und leistet sehr viel Vorarbeit, bis es an die Umsetzung geht.

Ich schlage Designern auch immer vor, Programmieren zu lernen – nicht supergut, aber zumindest so, dass sie ein Grundverständnis davon haben, wie eine Webseite programmiert wird. Denn viele Designer wissen oft gar nicht, was eigentlich möglich ist, und beschränken sich auf einen Pool von Ideen, von denen sie wissen, dass sie funktionieren.

Ich sehe mich immer noch nicht als vollständigen Designer, denn zur Hälfte denke ich immer noch als Entwickler. Das betrachte ich aber eher als Vorteil, denn die beiden Bereiche verschmelzen immer mehr miteinander. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass ich in die Datenvisualisierung gehe, denn dieser Bereich interessiert mich momentan sehr.

Ich denke, wenn man genug Neugier mitbringt, kann man – egal aus welcher Branche man kommt – lernen, mit Designsoftware umzugehen.

Will man ins Web- oder UX Design, ist es sicher von gro­ßem Vorteil, wenn man dazu neigt, strategisch zu denken.

Das Gute heute ist ja auch, dass es extrem viele Onlinequellen gibt, mit deren Hilfe man sich autodidaktisch weiterbilden kann. Es ist meiner Meinung nach nicht zwingend nötig, ein Extrastudium abzuschließen, wenn man in die Designbranche wechseln möchte.

Ich finde es superspannend, wenn Leute aus anderen Bereichen Designer werden, denn durch den anderen Hintergrund verfügt man auch über ein anderes Denken. Das kann sehr bereichernd für das Designteam sein.«


In PAGE 02.19, die es hier zu kaufen gibt, berichten Quereinsteiger über ihren Weg ins Design.


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