Let’s talk about money! Teil 2

In unserer Gehaltsserie berichten Designer anonym, wie viel sie monatlich verdienen und ausgeben. Dazu geben sie individuelle Tipps für Honorarverhandlungen, Versicherungen und den Umgang mit Geld.



N.N. Senior-Artdirektorin aus Hamburg, Freelancerin, 34 Jahre

»Ich bin nach meinem Kommunikationsdesigndiplom vor acht Jahren als freiberufliche Artdirektorin gestartet. Seit ein paar Jahren bezeichne ich mich als Senior-Artdirektorin. Meistens arbeite ich in Agenturen. Finanziell läuft es gut, es gibt aber starke Schwankungen. Wenn ich immer durchgebucht wäre, wäre ich reich! Manchmal buchen Agenturen mich für drei Monate am Stück, in anderen Monaten arbeite ich nur fünf Tage. 15 Tage pro Monat sind gut. Mein Tagessatz liegt bei 580 Euro für normale Buchungen, für langfristige Buchungen gibt es einen verminderten Tages satz von 500 Euro. Ich achte darauf, in Verbindung mit dem niedrigen Tagessatz von 500 Euro immer auch den offiziellen von 580 Euro zu nennen: Für zukünftige Buchungen oder falls man doch nur kürzer gebucht wird, ist das sehr wichtig, um nach zuverhandeln. Und wenn ich vermute, dass ein Auftrag aus langweiligen Aufgaben bestehen wird, schlage ich ein Schmerzensgeld obendrauf – wie wahrscheinlich alle Freelancer. Auch von Jahr zu Jahr schwankt mein Einkommen. 2017 war nicht so gut, 2018 bisher schon. Vor ein paar Jahren konnte ich krankheitsbedingt eine Zeit lang wenig bis gar nicht arbeiten, damals war ich sehr froh über meine Rücklagen.

»Wenn ich vermute, dass ein Auftrag aus langweiligen Aufgaben bestehen wird, schlage ich ein Schmerzensgeld obendrauf – wie wahrscheinlich alle Freelancer«

In einem guten Jahr liegt mein Monatsgehalt bei 5000 Euro brutto, das sind ungefähr 3800 netto. Davon müssen noch die Kosten für die Künstlersozialkasse abgezogen werden, die in meinem Fall bei 550 Euro liegen. Nach diesem Abzug habe ich jeden Monat etwa 2500 Euro. 1000 Euro davon versuche ich als Puffer auf meinem Geschäftskonto zu lassen, während 1500 Euro auf meinem privaten Konto landen.

Insgesamt belaufen sich meine monatlichen Fixkosten auf 1576 Euro. Ich habe alles genau in einer Excel-Tabelle festgehalten, denn seine Fixkosten sollte man genau kennen. Neben der Künstlersozialkasse schlüsselt sich der Betrag auf in 690 Euro Miete für meine Wohnung, 250 Euro Büromiete, 60 Euro für die Adobe Creative Cloud, 35 Euro für meinen Handyvertrag. Hinzu kommen kleinere Beträge für Internet und Webprovider sowie für Dropbox, den Mieterbund, Vereine, Kontogebühren und diverse Abos. Für den Steuerberater habe ich zuletzt 800 Euro gezahlt, er hat aber auch 2000 Euro rausgeholt.

»Ich bin nicht Grafikdesignerin geworden, um stinkreich zu werden«

Es könnte natürlich immer mehr sein, aber ich komme gut zurecht. Ich bin nicht Grafikdesignerin geworden, um stinkreich zu werden. Ich genieße die Freiheit, Jobs auch mal ablehnen zu können, falls etwas moralisch nicht vertretbar ist. An meinen freien Tagen kann ich meistens entspannen, ohne an die Arbeit denken. Mein Geld gebe ich am liebsten für Essen aus – entweder in Restaurants oder für Kochzutaten. Ich kaufe lieber im Biosupermarkt ein, auch wenn es im Schnitt viel teurer ist. Ansonsten geht das meiste für Urlaube und Konzerte drauf.«

Das war unsere anonyme Senior-Artdirektorin aus Hamburg. Schauen Sie nächste Woche wieder rein und lesen Sie weiter, wenn es wieder heißt: »Let’s talk about money!«


Hier geht’ zur ersten Folge unserer anonymen Serie zum Thema Honorare und Gehälter …



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Eine Antwort zu “Let’s talk about money! Teil 2”

  1. Stefan Paulus sagt:

    Ja, das ist auch mein Ziel. Dem komme ich von Jahr zu Jahr immer näher.
    Gut ist es jedenfalls, wenn man seine Kosten so klein wie möglich hält, um nicht ins straucheln zu kommen. Lieber langsam wachsen, ohne großen Druck durch zu hohe Verbindlichkeiten.
    Deshalb bin ich auch froh, dass ich eigentlich ein sehr sparsamer Mensch bin, der sich mit einfachen Dingen zufrieden gibt. Kann hilfreich sein 😉

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