Let’s talk about money! Teil 1

In unserer Gehaltsserie legen Designer anonym offen, wie viel sie einnehmen und ausgeben, und teilen Tipps für Honorarverhandlungen, Versicherungen, Umgang mit Geld und Co.



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N.N., Illustrator aus Berlin, Freelancer, 36 Jahre

»Nach meinem Kommunikationsdesigndiplom vor zehn Jahren habe ich erst mal fest angestellt in Agenturen gearbeitet, als Illustrator und Screendesigner. 2014 habe ich auf Teilzeit reduziert und nebenbei gefreelancet, und seit 2016 arbeite ich nun komplett als freier Illustrator. Neben klassischen Illustrationen erstelle ich Bildmarken, Infografiken und animierte Erklärfilme. Finanziell bin ich für die ersten zwei Jahre definitiv zufrieden, für die Zukunft ist Luft nach oben. 2017 habe ich 56 000 Euro verdient, das sind circa 44 000 Euro netto. Dieses Jahr wird es hoffentlich ähnlich sein. Meine monatlichen Einnahmen variieren, aber aufs Jahr gesehen gleicht sich das ganz gut aus. Ab ungefähr 5000 Euro Einnahmen (vor der Einkommenssteuer, ohne Umsatzsteuer) ist es für mich ein guter Monat – das sind im Schnitt 96 Stunden. In manchen Monaten sind sogar 7000 oder 8000 Euro drin. Alles unter 2800 Euro Einnahmen ist ein schlechter Monat – also weniger als 56 Stunden. Verglichen mit der Festanstellung ist mein Einkommen definitiv gestiegen.

»Verglichen mit der Festanstellung ist mein Einkommen definitiv gestiegen«

Meine monatlichen Fixkosten liegen aktuell bei 1600 Euro: 710 Euro zahle ich allein für Krankenkasse, Pflege- und Rentenversicherung, was für mich auch erst mal ein Schock war. Hinzu kommen 340 Euro Büromiete, 180 Euro für den Steuerberater, 150 Euro Materialkosten, 60 Euro für Telefon und Internet, 60 Euro für die Adobe Creative Cloud. 100 Euro lege ich auf ein Sparbuch. Zwischen 300 und 400 Euro habe ich zur freien Verfügung, wenn ich meine privaten Fixkosten und Einkäufe bezahlt habe. Mein Geld gebe ich hauptsächlich für Essen, Reisen, Ausflüge und ein bisschen Wellness aus. Ich lebe zurzeit relativ spartanisch, weil ich mir einen Puffer anlegen möchte, um zur Not auch mal ein halbes Jahr ohne Einnahmen auszukommen. Gerade am Anfang, wenn man sich mit den Steuern noch nicht so gut auskennt, sind Rücklagen sowieso wichtig.

»Das Thema Altersversorge ist noch eine große Baustelle, die ich im nächsten Jahr angehen werde, wenn es beruflich weiterhin gut läuft«

Das Thema Altersversorge ist noch eine große Baustelle, die ich im nächsten Jahr angehen werde, wenn es beruflich weiterhin gut läuft. Ich möchte den Bereich Animation weiter ausbauen, was dazu beitragen könnte, dass ich einen höheren Tagessatz verlangen kann. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich 400 Euro pro Tag berechnet. Für Neukunden und Jobs im Bereich Werbung oder für größere Unternehmen nehme ich mittlerweile 480 Euro. Kleine Unternehmen und Verbände haben in der Regel nicht so viel Geld, da sind es dann meist doch eher 400 Euro. Ich setze immer erst mal etwas höher an und relativiere dann, wie interessant das Projekt ist, und gehe gegebenenfalls etwas runter.

»Wenn man frisch startet, sollte man sich unbedingt direkt mit anderen Freelancern in dem Bereich über Tagessätze austauschen und sich nie unter Wert verkaufen«

In Bezug auf Tagessätze ist es nicht einfach in der Illustration. Ein paar wenige Illustratoren können einen viel höheren Tagessatz aufrufen – viele andere machen ganze Zeitungscover für 50 oder 100 Euro und zerstören dadurch die Preise. Das geht nur, wenn man die Illustration eher als Hobby neben anderen Jobs betreibt. Wenn man frisch startet, sollte man sich unbedingt direkt mit anderen Freelancern in dem Bereich über Tagessätze austauschen und sich nie unter Wert verkaufen. Das ist natürlich leicht gesagt – wenn ich zwischendurch Leerlaufphasen habe, neige ich auch mal dazu, für einen niedrigeren Preis zuzusagen. 400 Euro ist meine Schmerzgrenze, darunter möchte ich nur in absoluten Ausnahmefällen gehen, wenn es ein wirklich cooles Projekt ist, das sich gut im Portfolio macht und sich nebenbei erledigen lässt. Man sollte unbedingt eine Grenze definieren. Außerdem finde ich es wichtig, sich Ziele zu setzen – finanzieller wie ideeller Natur – zum Beispiel ein bestimmtes Jahreseinkommen oder Auftraggeber aus einer bestimmten Branche. Solche Milestones helfen, voranzukommen. Auch Co-Working ist von Vorteil: Man kann sich hier ideal mit Kollegen aus gleichen oder ähnlichen Bereichen ergänzen, neue Jobs generieren und Privates besser von Beruflichem trennen. Homeoffice erfordert hingegen sehr viel Selbstdiziplin.«

Das war unser anonymer Illustrator aus Berlin. Schauen Sie nächste Woche wieder rein und lesen Sie weiter, wenn es wieder heißt: »Let’s talk about money!«

Hier geht’s zu den anderen Folgen unserer anonymen Serie zum Thema Honorare und Gehälter …



Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Einkommensverhältnisse in Ihrer Kreativsparte. Im PAGE eDossier »Designwirtschaft in Zahlen« finden Sie Daten, die Sie bei Kundenakquise und Stundensatz-Kalkulation unterstützen. Mit Honorartabellen und Gehaltsübersichten aus den Bereichen Fotografie, Illustration, Digitale Werbung, Projektmanagement, Text et cetera (Stand 2016).

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Eine Antwort zu “Let’s talk about money! Teil 1”

  1. Claudia Fritz sagt:

    Hallo N.N. aus Berlin, schau dir doch mal die Künstlersozialkasse an. Bietet KV und RV.
    Gute Recherche.

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