Faktor X: Kreative Kollaborationen

Manche Menschen sind instinktiv kollaborativ, andere finden Kollaborationen eher stressig – Kreative teilen ihre Erfahrungen und verraten uns Tipps.



Was reizt Kreative an Kollaboration? Sei es die Neugier auf unbekannte Methoden, Interesse an einer bestimmten Person und ihrer Arbeit oder eine gemeinsame Vision – viele Kreative streben nach Zusammenarbeit auf Augenhöhe und vernetzen sich dafür mit Gleichgesinnten.

In PAGE 07.2019 berichten wir, wie Zach Lieberman, Selam X, Boris Müller, Johanes Erler und Jenny Kornmacher Kollaborationen zwischen Kreativen vorantreiben. Außerdem haben wir zwei Start-Ups zum Thema interviewt.

People’s Factory: Gemeinsam experimentieren und entwickeln

StartUps Kollaborationen Marianne Peoples Factory

Freelancern und Start-Ups eilt oft der Ruf voraus, dass sie für jede Kollaboration zu haben seien und so bleibt es eine Gratwanderung zwischen Nutzen und Aufwand die auch Start-Up-Gründerin Marianne Wilmsmeier kennt. In ihrem Schweizer Maker-Lab People’s Factory können Besucher ihre eigenen Gegenstände produzieren. Zudem kooperiert sie mit Designern, die an den Arbeitsplätzen ihre Entwürfe nicht nur weiter entwickeln können, sondern sie auch als CAD-Daten dem DIY-Publikum gegen eine kleine Lizenzgebühr zur Verfügung stellen.

Eine Win-Win-Situation: Die Kunden der People’s Factory können aus schönen Designs wählen, haben damit garantiert ein Erfolgserlebnis, das sie mit ihrem eigenen Entwurf so vielleicht nicht hätten und die Designer bekommen etwas Geld und Feedback dafür. »Für mich geht es um den experimentellen Aspekt, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, Neues auszuprobieren und sich von den Erfahrungen inspirieren zu lassen«, so Wilmsmeier.

BasicButler: »Gestandenen Unternehmen tun sich mit Kollaborationen nach wie vor schwer«

Startups Kollaborationen Max BasicButler

Mit seinem Retail Start-Up BasicButler hat Max Wersig bereits die erste Finanzierungsrunde geschafft und kollaboriert in einem Accelerator- und Investorennetzwerk sehr erfolgreich. Dort kommt er oft mit großen, gestandenen Unternehmen zusammen, die sich mit Kollaborationen jedoch nach wie vor schwertun. »Man benötigt vor allem eine konkrete Idee, ein gemeinsames Ziel, sonst verlaufen Kollaborationen schnell im Sand.«

Für BasicButler schaut er sich zuerst seine eigene Zielgruppe sehr genau an: »Wo bewegen sie sich, welche Probleme haben sie, welche anderen Marken und Unternehmen mögen sie?« Nach diesen Kriterien sucht er sich gezielt Partner aus, schreibt sie mit konkreten Vorschlägen an und meistens kommen dabei erfolgreiche Partnerschaften heraus.

Tipps für Kollaborationen

1. »Wenn du mit jemandem zusammenarbeiten willst, frag, ob er Zeit für einen Kaffee oder einen kurzen Skype Call hat, um mit dir über seine Arbeit zu sprechen. Das ist eigentlich nicht so schwierig, denn die meisten Menschen reden gerne über sich und ihre Arbeit« Zach Lieberman.

2. »Zunächst einmal muss ich selbst von der Sache überzeugt sein, um andere begeistern zu können. Außerdem muss man bei Kollaborationen seinen Kontrollwahn aufgeben, sich auf das Unbekannte einlassen und Fehler zulassen können.

»Qargh asdk lkdjf jldsf l WHY ej fkhh hjjjk #FML« Sebastian Zimmerhackl.

3. »Lust und Interesse an einem Thema sind die beste Voraussetzung für Kollaborationen. Wenn’s um die Akquise geht, nicht immer die Chef*innen anschreiben – die haben oft am wenigsten Zeit –, sondern die Mitarbeiter*innen. Unis und Institute sind immer gute Startpunkte, da es dort auch öffentliche Förderprogramme gibt« Boris Müller.

4. »Eigentlich ist es egal, wie man angefragt wird, solange es möglichst schnell auf einen persönlichen Kontakt hinausläuft. Und persönlich heißt: mindestens telefonieren, besser noch treffen« Johannes Erler.

Cross Innovation Hub

Um Innovationen anzustoßen, regt der Cross Innovation Hub der Hamburger Kreativgesellschaft zum Austausch und zur Zusammenarbeit von Kreativwirtschaft und anderen Branchen an. Zum Beispiel mit Veranstaltungen wie der Sommerakademie, bei der Studierende verschiedener Fachrichtungen in interdisziplinären Teams innovative Prototypen mit konkretem Anwendungsbezug erarbeiten. Oder dem Format »Jobshadowing«: Für einen Tag erleben Berufstätige aus verschiedenen Wirtschaftszweigen als »Schatten« eines Tandempartners den Arbeitsalltag in einer anderen Branche. Wer Lust auf interdisziplinäres Arbeiten hat, kann sich hier über den Cross Innovation Hub informieren und anmelden: kreativgesellschaft.org

Buchtipp Kollaborationen

»With. On Collaboration between Cultures, Art Forms, and Disciplines« Connecting spaces Hong-Kong Zürich, 2013 – 2017, von Nuria Krämer und Patrick Müller. ISBN: 978-3952474105

Patrick Müller, Professor an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), und Nuria Krämer, Leiterin des Connecting Space Hong Kong und verantwortlich für die Entwicklung der transkulturellen Plattform, berichten über Kollaborationen in dem Kreativlabor, das sowohl kulturelle Vielfalt als auch künstlerische Formate verbindet. In der Publikation stellen die Autoren die vielen Projekte und damit verbundenen Aktivitäten vor, die im Laufe von vier Jahren bei Connecting Spaces Hong Kong – Zürich stattgefunden haben. Mit vielen schönen Artworks zum Thema Kollaboration.


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