»Einige Leser*innen haben bedauert, dass wir nicht noch mehr Anzeigen hatten«

Im Interview erklärt »ROM«-Chefredakteur Khesrau Behroz das ungewöhnliche Anzeigenkonzept des neuen Gesellschaftsmagazins.



Foto: Agata Guevara

Das neue Gesellschaftsmagazin »ROM« zieht alle Anzeigen in einer kompakten Strecke zusammen und macht den Kunden klare Vorgaben: nur Schwarzweißtypo, möglichst nur eine Schrift. »ROM«-Chefredakteur Khesrau Behroz erklärt den Sinn dieses Konzepts.

Welche Überlegungen haben zu dieser den Anzeigenkunden verordneten Askese geführt?
Khesrau Behroz: Unsere Leser*innen sind kritisch, sie hinterfragen Dinge und melden Zweifel an. Deshalb dürfen die Anzeigen in »ROM« keinesfalls manipulativ wirken. Wir haben also die Gestaltungsmöglichkeiten radikal reduziert. Unsere Regeln untersagen alles, was Printwerbung üblicherweise ausmacht: Farben, Bilder, Illustrationen. Wenn eine Anzeige in »ROM« bei Leser*innen für Assoziation, Konnotation oder Reputation sorgen soll, steht ihr dafür nur ein Mittel zur Verfügung: das gedruckte Wort, die Typografie. Dadurch, dass wir unseren Anzeigenkund*innen Gestaltungsfreiheit nehmen, erhöht sich die Glaubwürdigkeit bei den Leser*innen.

Wie reagieren Ihre Anzeigenkunden auf diesen Ansatz?
Wir müssen unser Konzept natürlich immer zunächst erklären. Aber sie haben das bislang sehr gut aufgenommen – und auch als sportliche Herausforderung gesehen. Durch das strikte Format wird Kreativität eher konzentriert und gebündelt: Typografisch lassen sich viele interessante, ausgefallene und innovative Ideen umsetzen. Dank unseres Konzepts erscheinen die Anzeigen zudem nicht wie Fremdkörper im Magazin – sie sind integraler Bestandteil und stehen sogar im Inhaltsverzeichnis. Das wissen die Anzeigenkund*innen zu schätzen.

Und wie sieht das Feedback der Leser aus?
Unsere Leser*innen haben sehr positiv bis begeistert reagiert. Dadurch, dass unsere Anzeigen im Bund erscheinen, kann man gut vor- und zurückblättern, vergleichen und abwägen, wie unterschiedlich die Kund*innen ihre Ideen umgesetzt haben. Einige Leser*innen haben sogar bedauert, dass wir nicht noch mehr Anzeigen hatten – das hören wir selbstverständlich gerne.

Verordnete Askese: Wer im Magazin »ROM« eine Anzeige schalten möchte, darf nur Schwarzweißtypo verwenden

 

Am 14. Dezember soll die zweite Ausgabe von »ROM« erscheinen. Hinter dem neuen Magazin aus Berlin steht übrigens das iRights.Lab, Thinktank für die digitale Welt. Mit seiner Idee einer maximal reduzierten Gestaltung, um die Aussage in den Vordergrund zu rücken, ist »ROM« nicht allein. In PAGE 01.2019 ergründen wir, warum Marken und Unternehmen in ihrer Kommunikation derzeit auf »Less Design« bis »No Design« setzen – und zeigen, wie unterschiedlich sich das visuell bewerkstelligen lässt.


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