»Den gleichen Mist mit Ökostrom zu produzieren, macht nicht viel Unterschied«
Für Andreas Koop, Gründer von designgruppe koop in Marktoberdorf, ist die nachhaltige Ausrichtung seines Gestaltungsbüros weniger strategische Überlegung als vielmehr persönliche Überzeugung.
Gehen die Kund:innen den von Ihnen eingeschlagenen Weg mit?
Ja, es gibt einige, die froh sind, wenn man kritisch hinterfragt – aber auch konstruktiv Vorschläge einbringt. Das geht mal schneller, mal langsamer, aber es geht. Wir müssen den richtigen Zeitpunkt erwischen und darauf achten, nicht asketisch-ideologisch-starr aufzutreten, aber uns auch nicht allzu sehr zu verbiegen. Was es braucht, ist gegenseitigen Respekt. Wenn es nicht passt, kann Geld kein Ersatz dafür sein.
Aber Geld verdienen müssen Sie ja auch.
Geld ist eine schöne, praktische Sache, aber eben Mittel, nicht Zweck. Mir ging es nie darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen. Ebenso sehe ich Wachstum als eventuelle Folge, nicht als (Selbst-)Zweck – diese Haltung vertrete ich auch bei Beratungsmandaten. Mir ist der Zen-Buddhismus näher als die Betriebswirtschaftslehre.
Dann werden ja einige Unternehmen oder Marken für Sie als Kunden nicht infrage kommen. Wo ziehen Sie die Grenze?
Da gibt es für uns eine einfache Regel: Wenn wir die Produkte und Dienstleistungen eines Kunden selbst gerne essen, verschenken, fahren, ausleihen, kaufen, darauf sitzen . . . würden, wollen wir auch gerne für ihn arbeiten.
Ist es wirklich so einfach?
Im Prinzip schon. Natürlich bin auch ich froh, dass es so etwas wie Aspirin gibt. Aber das heißt ja nicht, dass ich für die Chemieindustrie gestalterisch und beratend tätig sein muss. Ich möchte meine Zeit und meine Energie für Kunden nutzen, die selbst ehrlich und redlich arbeiten und mehr als ihren eigenen Erfolg vor Augen haben. Wo eben die Worte nicht immer größer sind als die Taten.
Aber ist es denn nicht sinnvoll, dass Kreative auch andere Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen unterstützen?
Bestimmte Branchen und Werte schließen sich praktisch aus. Bei Chemiekonzernen, die Pestizide produzieren, hilft auch kein Nachhaltigkeitsbericht. Oder die Lufthansa: Als AG ist sie per Gesetz dem Wohl der Aktionäre verpflichtet, nicht dem der Umwelt. Ein Mehr an Ertrag und Gewinn wird nur über ein Mehr an Fliegenden erreicht. Eine Farce sind unsere Automobilhersteller, die sich mit Nachhaltigkeitssprüchen überbieten und ihr Geld mit absurden SUVs verdienen.
Viele Nachhaltigkeitsinitiativen von Unternehmen sind inzwischen durchaus ernsthaft. Wie kann man als Gestalter die erkennen, die trotz allem Greenwashing betreiben?
Ich denke nicht, dass viele Unternehmen den Aspekt Nachhaltigkeit wirklich ernst nehmen und in der Konsequenz dafür auf Wachstum und Gewinn verzichten. Insofern behaupte ich, es gibt ein paar weiße Schafe in einer riesigen schwarzen Herde. Verbogenes, wohl kalkuliertes Marketing zu erkennen ist im Grunde für niemanden allzu schwer. Genau wie jeder weiß, der es wissen will, welche Konsequenzen es hat, wenn ein Kilo Fleisch zwei Euro kostet.
Könnte die Verpflichtung zu mehr Transparenz aufseiten der Unternehmen Abhilfe schaffen?
Transparenz ist weder Allheilmittel noch ein wirklich anzustrebendes Ziel – es ist ein leider notwendiger Ersatz für fehlendes Vertrauen. Sie möchten Ihrem Mann (Ihren Mitarbeitern, Freunden . . .) doch auch lieber vertrauen und nicht alle seine E-Mails, SMS, Webverläufe und Navi-Einträge dauernd einsehbar haben. Transparenz braucht es in einer Welt, in der – wie in der Politik offenbar der Fall – alle mehr an sich denken als an die anderen. Ich erwarte und erhoffe mir von meinen Kunden Ehrlichkeit und Vertrauen. Was sie von mir auch erwarten können. Das ist jenseits von Marketing und Governance.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Artikels »Change jetzt: Nachhaltige Agenturen im Realitycheck« aus der 06.2021, die Sie als PAGE+-Abonnent kostenlos herunterladen können.



