Das re:publica Finale: Bohemian Rhapsody

Mehr als 6.000 Gäste, nahezu 500 Speaker, ein Cyborg - und am Ende singen alle »Bohemian Rhapsody«: das Finale der re:publica 13.



 

O.K., der Porno fiel aus. Statt des Speeches von Kate Darling über »Intellectual Property & the Porn Industry« gab es eine nicht minder leidenschaftliche Diskussion über die EU-Datenschutzreform am letzten Tag der re:publica 13, ein aufgezeichnetes Video-Interview mit Ai Weiwei – und den Auftritt des kanadischen Science-Fiction-Autors Cory Doctorow (»Homeland«), der eine rasante Tour de Force durch die Internet-Welt der Copyrights hinlegte, die nicht dem Schutz geistigen Eigentums sondern einzig dem Profit diene, der anklagte wie digitale Rechteverwaltung Open Source verhindert, wie das Internet uns mit Hilfe von Software alle ausspioniert, aber – die Crux – unser gesamtes Leben mittlerweile mit dem Internet verbunden ist – vom Auto über unseren Fotoapparat, Herzschrittmacher, dem Telefon – und der schließlich dafür plädierte, das »Nervensystem des 21. Jahrhunderts« zurückzuerobern, für freie Netze und freie Geräte zu kämpfen und gegen Überwachung. Kein einziges Bild begleitete seinen Speech, kein Filmchen und keine Animation, statt dessen setzte er ganz auf die Kraft der Worte – und am Ende gab es euphorischen Applaus, kritische Nachfragen und auch Standing Ovations. 

 

Gut choreografiert ist man da bereits durch drei re:publica Tage geschaukelt. Mit Größen wie Clintons Berater Ben Scott und dem Informatiker Gunter Dueckmit Cyborgs, viel Nachwuchs und alten Verwandten wie wie Sascha Lobo, Mercedes Bunz und Katharina Passig. Es gab Talks, Workshops und Speeches, viel Input auf hochaktuellem Niveau und auch Sessions über elegantes Bratwurst-essen, den ältesten Computer der Welt oder Laptop-Yoga.

Immer wieder ging der Blick auch nach Afrika, mit Erik Hersman aus Kenia, der in Ostafrika Start-up-Gründer vernetzt, natürlich gab es reichlich Diskussionen über die »Drosselkom« – wie auch einen Rechtstheoretischen Strang, der von der Freiheit geistigen Eigentums zu Bildrecht und der dubiosen Abmahnpraxis wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen reichte und Joerg Heidrich, Rechtsanwalt beim Heise Verlag, live vorführte wie man Dank der eklatanten Lücken im deutschen Rechtssystem mit ein paar Klick, und der nötigen moralfreien rechtlichen Auffassung, lukrative Abmahnungen auf den Weg bringen kann – und wie das neue Gesetz, das die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger initiierte, die Abmahnkosten auf bis zu 1000 Euro eindämmt, die Praxis an sich jedoch nicht. 

Am Ende hat jeder dank des überbordenden Programms seine ganz eigene Konferenz gesehen – zum Abschied am Mittwoch Abend aber standen alle zusammen, saßen auf dem Betonboden, okkupierten die Gänge – und amüsierten sich erst über Fun Facts, die zeigten wie reibungslos das W-Lan in diesem Jahr funktionierte, verriet, dass das großartige Konferenz-Design von 10hoch16 aus genau 8.700 weißen Pappkartons bestand, die gestapelt, aneinander gereiht, bemalt und beleuchtet wurden, dass mehr als 13.000 Bier und über 5.000 Club Mate konsumiert wurden, es 27.600 Social Media Activities gab und ein wunderbar ironischer Tweet der erfolgreichste war: Sorry, aber so geht das nicht weiter! #rp13 sind jetzt nur noch in Berlin sichtbar, außer sie buchen ein Reichweiten-Zusatz-Paket, Absender @drosselkom.

Und dann ertönte der Queen-Klassiker »Bohemian Rhapsody«, alle standen, alle sangen, es knallten Luftschlangen-Kanonen, Mädels öffneten ihre Blogger-Knoten, Mähnen flogen und dazu erklang »Is this the real life is this just fantasy …«

Die re:publica 2014 wird zwischen dem 5. – 9. Mai 2014 stattfinden.

Mehr zur re:publica 2013: Farben hören, Musik essenHund oder Katze?, Revolution mit DesignermöbelnDIY RaumfahrtMagazin zum Start der re:publica

  

Foto: (cc) Tony Sojka, re:publica


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