Die Zukunft freier Designer

Andreas Jacobs und Victoria Ringleb von der Allianz deutscher Designer (AGD) über deren neue Studie zur Zukunft freiberuflicher Gestalter.



Andreas Jacobs und Victoria Ringleb von der Allianz deutscher Designer (AGD) über deren neue Studie zur Zukunft freiberuflicher Gestalter.

»Die Agenturen werden sich in Zukunft gut um die freien Mitarbeiter kümmern müssen«

Was hat sich in den vergangenen Jahren am freiberuflichen Designerdasein geändert?

Andreas Jacobs: Das Monitoring des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zeigt: Seit 2008 boomt die Designwirtschaft. Sowohl die Anzahl der Unternehmen als auch die Umsatzzahlen steigen rapide an. Immer mehr kleine und mittelständische Firmen beauftragen Designer.
Victoria Ringleb: Technologische Unterschiede taugen heutzutage kaum noch als Differenzierungsmerkmal. Diese Rolle übernimmt mehr und mehr das Design – die Arbeit des Gestalters wird zum festen Bestandteil der Wertschöpfung seines Kunden. Der Designer berät und begleitet ihn, sieht idealerweise bereits heute ab, worauf sich sein Auftraggeber künftig einstellen muss. Die Zeit der nachträglichen »Aufhübschung« ist vorbei.

Welche Auswirkungen wird dies auf künftige Agenturstrukturen haben?

Jacobs: Als Freiberufler kann ich mir Kunden und Projekte aussuchen. Ich kann meinen schöpferischen Drang anders ausleben als in einer Agentur. Unsere Umfrage belegt besonders in Bezug auf die Kundenbeziehung eine hohe Zufriedenheit unserer Mitglieder. Ich glaube, dass Agenturen es in Zukunft schwer haben werden, gute Designer zu bekommen und halten.

Welche Kooperationsformen freier Designer halten Sie für zukunftsweisend?

Jacobs: Flexible Verbünde und Kooperationen – vergleichbar mit den Arbeitsgemeinschaften in der Baubranche – werden die Arbeitsformen der Zukunft sein. Dabei ist jeder freiberufliche Designer Spezialist in bestimmten Bereichen. Diese Kooperationen, für die es noch einige Anpassungen in den Rahmenbedingungen braucht, etwa die Klärung von Miturheberschaft oder Haftungsverpflichtung, sind projektbezogen und immer wieder unterschiedlich besetzt. Weitere lohnende Formen der Zusammenarbeit sehe ich in Marketing und Vertrieb oder in gemeinsamem Wissensmanagement.

Welche Gefahren sehen Sie im Freelancerdasein? Schlechte Bezahlung, hoher Stressfaktor, wenig Verantwortung?

Jacobs: Ich selbst habe mich für das Freiberuflerdasein entschieden, weil ich eine schlechte Bezahlung, enorme Stressfaktoren und wenig Verantwortung vermeiden wollte. Als Freiberufler habe ich zudem die Chance, meinen Marktwert selbst zu bestimmen.
Ringleb: Freiberufliche Designer müssen sich zunutze machen, dass sie in flexiblen Kooperationen mit anderen Freelancern für potenzielle Auftraggeber eine echte Alternative zu großen Agenturen darstellen. Dabei ist die Klärung folgender Fragen wichtig: Was sind meine Kernkompetenzen und Geschäftsfelder, und welche werden es künftig sein? Wie präsentiere ich mich am Markt? Welche Kundengruppen will ich erreichen? Mit welchen Maßnahmen erreiche sie? Was oder wen kann ich auch mal loslassen? Wo kann ich durch Kooperationen eigene Kapazitäten entlasten oder neue Geschäftsfelder erschließen?

Wie kann man als Freier mit dem hohen Stresslevel umgehen? Haben Sie als Kreativ-Coach vielleicht einen Tipp?

Jacobs: Das beste Mittel gegen Stress ist: Arbeit und Verantwortung abgeben. Man muss sich als Freiberufler vor allem auf seine Berufung konzentrieren. Ich zum Beispiel habe eine Bankkauffrau geheiratet.

Entlässt das Arbeiten mit Freiberuflern die Agenturen nicht aus der Verantwortung, sich selbst gut zu organisieren? Da ja die flexiblen Freien jede Verspätung, jedes Chaos ausgleichen?

Ringleb: Im Gegenteil. Die Agenturen werden sich künftig gut um die freien Mitarbeiter kümmern müssen. Deren Flexibilität und die Fähigkeit, sich individuell auf die Bedürfnisse der Kunden einzustellen – mithin ihr großer Wettbewerbsvorteil gegenüber den Agenturen – , werden diese zum Überdenken ihrer Strukturen bewegen.

Weitere Informationen zu der Studie finden Sie unter www.agd.de


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