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AI im Kreativprozess: Wer passt sich hier eigentlich an was an?

Eine Studie hat untersucht, wie sich der Einsatz von GenAI auf Kreativprozesse auswirkt. Die Ergebnisse sind teilweise überraschend. Fest steht, dass die KI-Systeme sich noch besser an menschliche Expertisen anpassen müssen.

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Kreative fragen sich häufig, ob generative Künstliche Intelligenz ihre Prozesse im Alltag verbessert oder mühseliger gestaltet, beschleunigt oder gar verlangsamt. Ist die Nutzung ein (Zeit-)Gewinn? Es geht um Tools wie Midjourney. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sei einmal vorausgesetzt, dass der praktische Umgang mit AI-Tools, die heutzutage im Kreativalltag eingesetzt werden, in großen Teilen bereits gelernt ist. Wirft man nun einen Blick auf die kreativen Prozesse, kann man verschiedene Antworten auf die Frage entdecken.

Eine wissenschaftliche Studie hat sich dem Thema gewidmet. Dabei standen zwei Fragen im Fokus. Wie wirkt sich der Einsatz von GenAI auf kreative Arbeit aus, insbesondere in zwei Phasen des kreativen Prozesses? Die Forscher:innen benannten erstens die Phase der Ideenfindung und zweitens eine anschließende Phase der Umsetzung. Die andere Frage: Inwiefern unterscheidet sich ein solcher Einfluss je nach dem Fachwissen der Designer:innen? Hier geht es um Erfahrungswerte und vorhandene Expertisen im Berufsbild.

Die Wissenschaftler:innen stellten die Hypothese auf, dass die beiden Phasen unterschiedlich beeinflusst werden, und zwar abhängig vom vorhandenen Fachwissen – Junior und Senior-Gestalter:innen – der Kreativen.

Steigern sich die kreativen Leistungen? Nur teilweise

Die Ergebnisse für die »erste Phase«, also der Ideenfindung, ergab, dass GenAI die kreative Leistung »erheblich steigert«, weil hier »kognitive Verfestigungen bei allen Designer:innen abgemildert werden«.

Tatsächlich sah das Ganze schon anders aus, als es um die »zweite Phase« ging. Hier überraschten die Erkenntnisse, denn die kreativen Arbeitsleitungen steigerten sich nur bei jungen Designer:innen. Auf die Seniors traf das nicht zu. Im Gegenteil, die Umsetzung wurde bei erfahrenen Kreativen behindert beziehungsweise verlangsamt. Von effizienter Umsetzung mit GenAI kann hier nicht die Rede sein. Die Studie liefert eine Begründung für dieses Ergebnis.

Die Fachwissen-Fixierung

Profi-Gestalter:innen mit vielen Jahren Berufserfahrung haben ihre über Jahre hinweg entwickelten Prozesse bereits entwickelt. Sie greifen (unbewusst) auf ein selbst erarbeitetes Repertoire an Fachwissen zurück. Sie haben ihre perfektionierten Abläufe. Und die Arbeit mit AI wirft auf einmal alles über Bord, die Prozesse und Lösungswege sind jetzt anders. Die Studie nennt es Fachwissen-Fixierung. Das führte dazu, dass die Profis laut Studie 57 Prozent mehr Zeit benötigten!

Interessanterweise ist das für die Junior:innen im Gegenzug nicht zutreffend. Diese Gruppen profitierten von der Arbeit mit GenAI in der zweiten Phase, also der Ideenumsetzungsprozesse. Das ist darauf zurückzuführen, dass sie noch nicht so tief in routinierten Prozessen stecken. Sie passen sich anders oder in diesem Fall leichter an – und profitieren davon.

KI im Brainstorming einzusetzen, ist demnach für alle Gruppen effizient und hilfreich. Hinsichtlich der Umsetzungsphase müssen sich die KI-Systeme aber noch besser den Menschen, hier vor allem den Profis anpassen. Nicht umgekehrt. Denn aktuell bremst KI erfahrene Designer:innen teilweise aus. 

Quelle: Jinghui (Jove) Hou, Lei Wang, Gang Wang, Harry Jiannan Wang, Shuai Yang (2025) The Double-Edged Roles of Generative AI in the Creative Process: Experiments on Design Work. Information Systems Research 0(0). Die Studie lässt sich im Web herunterladen. 

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