Agenturen ohne Chef: »Freelancer fördern hierarchiefreies Denken«

Weg mit dem Chef! Der Trend geht zum selbstorganisierten Team. Der Hamburger Designerdock-Chef Robert Mende über Veränderungen in der Agenturwelt.



Als Geschäftsführer der Hamburger Dependance der Personalvermittlung Designerdock bekommt Robert Mende hautnah mit, welche Anforderungen heute an Agenturen gestellt werden und wie diese sich verändern, um ihnen gerecht zu werden.

Viele Agenturen überdenken ihre hierarchischen Organisationsformen. Woran liegt das?
Robert Mende: Das liegt vor allem an zwei Faktoren: Erstens erfordert die zunehmende Agilität von Projekten neue Arbeitsweisen und Strukturen, und zweitens kommen die Menschen mit anderen Erwartungen, Vorstellungen und Motiven als früher in die Agenturen. Die jüngeren Generationen sind nicht mehr so stark daran interessiert, innerhalb von Machtstrukturen aufzusteigen. Sie definieren sich vielmehr über den Inhalt ihrer Arbeit. Das betrifft vor allem Agenturen ab einer gewissen Größe, denn bei einem Fünfpersonenbüro sind die Hierarchien meist automatisch sehr flach.

Können große Agenturen mal so eben umstellen?
Einfach ist das nicht. Und es hängt auch vom Zusammenspiel mit dem Kunden ab. Immer häufiger steht das Ergebnis eines Projekts nicht am Anfang fest, sondern wird iterativ erarbeitet. Dabei entstehen Teams, die stärker geprägt sind von Verantwortungsbereichen und Rollen, die sich je nach Projekt ändern können. Das erfordert neue Organisationsformen und ein anderes Selbstverständnis der Mitarbeiter. Wenn aber der Kunde das nicht will beziehungsweise seine Struktur eher hierarchisch ist, dann müssen Agenturen sich natürlich auch darauf einstellen können.

Aufgrund der Digitalisierung ist es mittlerweile oft so, dass die Kompetenz eher von unten kommt

Und Freelancer spielen dabei ebenfalls eine Rolle?
Freelancer sind ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Ihr Anteil wächst stetig – auch auf dem Senior-Level. Sie werden für ihre Fachkompetenz gebucht und arbeiten losgelöst vom Hierarchiesystem der Agenturen. Das führt dazu, dass innerhalb von Projekten immer weniger in solchen Rangordnungen gedacht wird, sondern vielmehr in Rollen und Fachgebieten. Bevor sich ihre Mitarbeiter ins Freelancertum verabschieden, sollten Agenturen hier umdenken.

Hierarchien sind ja nicht per se schlecht . . .
Nein, sie haben traditionell den Sinn, Wissen weiterzugeben. Aufgrund der Digitalisierung ist es mittlerweile allerdings oft so, dass die Kompetenz eher von unten kommt. Die Digital Natives kennen sich mit neusten Technologien häufig besser aus als der Kreativchef. Daraus ergibt sich ein neues, starkes Selbstbewusstsein der jüngeren Generationen – und automatisch Skepsis gegenüber traditionellen Hierarchien.

Letztlich geht es darum, dass jeder die Kompetenz des anderen anerkennt, akzeptiert und respektiert – und nicht aufgrund von Macht-
gefügen auf dem eigenen Recht beharrt.
Genau. Und das müssen viele Vorgesetzte in den Agenturen lernen. Fachliche Kompetenz spielt im Rahmen der Digitalisierung eine wesentlich größere Rolle.

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