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Echt vielschichtige Bilder

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iese Leute liegen da gar nicht wirklich, da liegen nur ihre Bilder! Beim Fotofestival in Vevey gibt es derzeit viel Verwirrendes zu sehen …

Jede zweite Fotoausstellung behaupt ja heutzutage – im Zeitalter digitaler Bildmanipulation – die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu hinterfragen. Beim Fotofestival in Vevey geschieht das zur Zeit wirklich, und zwar in überdimensionaler Weise und und fast ausschließlich auf analogem Wege. Für ein verwirrendes Spiel mit Ebenen sorgen zunächst einmal monumentale Fotoinstallationen auf den Fassaden der Stadt: Das Foto eines Theatersaals, das auf dem Gebäude eines ehemaligen Gefängnisses einen Blick ins Innere zu suggerieren scheint (in der Bildergalerie ganz unten zu sehen), oder ein poetischer Wasserfall mitten in der Stadt, der bei näherer Betrachtung gar keiner ist.

 Noémie Goudal, Cascade, Hôtel des Trois Couronnes. Photo: Céline Michel

Tatsächlich bezeichnet sich das Städtchen Vevey am Genfer See seit den neunziger Jahren als »ville d’images«, als Stadt der Bilder. Und Spezialität des alle zwei Jahre stattfindenden Festival des Art Visuels de Vevey sind die Open-Air-Ausstellungen, die den ganzen Ort in eine riesige Galerie verwandeln und für ein vielschichtiges Zusammenspiel der Fotos mit dem städtischen Kontext sorgen. Gleichzeitig sind viele der ausgestellten Bilder selbst Montage von Realität und Fiktion, was die Sache noch vielschichtiger und verwirrender macht. Zum Beispiel das Foto oben aus der Serie »Les Baigneurs« von Julie Sorrel, die rund ums Schwimmbad des Grand Hôtel du Lac ausgestellt werden. 

Ebenfalls vertreten: der Südkoreaner Myoung Ho Lee, der Fotos von Bäumen mitten in karge Landschaft stellt; Bilder von Philip Kwame Apagya aus Ghana, der die Europaträumer von Afrikaner vor gemalten Hintergrundbildern festhält; die in Frankreich lebende Russin Svetlana Khachaturova, die mit Fototapeten arbeitet; Taylor Jones, der Briefe mit oder an Fotos schreibt (bekannt durch seinen Blog Dear Photograph); Italienerin Gea Casolaro, die in ihrer Serie »Still Here« Fotos von Celebrities in Stadtbilder einbaut. Das Festival läuft bis 3.0 September.

Das Berliner Urban-Art-Kollektiv Mentalgassi versah in Vevey einen ihrer Riesenfotoköpfe mit einer extravaganten Frisur

Andrea Galvani: The wall of sound #5, 2003/2004. Private collection, Madrid. Courtesy Artericambi, Verona, Italy
1/12
Fred Lebain: Un printemps à New York
2/12
Taylor Jones: Dear Photograph, My sister wishes she still had that car. That makes two of us! John
3/12
Gea Casolaro: Still here: Everybody say I love you – Pont au Change, 2009 – 2012
4/12
Myoung Ho Lee: Tree #2, 2006
5/12
Noémie Goudal, Cascade, Hôtel des Trois Couronnes. Photo: Céline Michel
6/12
Liu Bolin: Hiding in the City, ancienne prison. Photo: Samuel Rouge
7/12
Irina Werning: Back to the Future, Pancho 1983 & 2010, Buenos Aires, 2010
8/12
Julie Sorrel: Les baigneurs, Installation des images au parc de la tête d’or à Lyon en juillet 2005, © Julie Sorrel
9/12
Philip Kwame Apagya: After the funeral, 1998, courtesie: Fifty One Fine Art Photography, Antwerp
10/12
Svetlana Khachaturova: Paysages intérieurs (08), 2002 – 2003
11/12
Tereza Vlckova: A perfect day, Elise … ,2007
12/12
Produkt: PAGE 02.2020
PAGE 02.2020
Fotografie: Comeback in Kommunikation, Branding und UX Design ++ Behavioural Design: Wie wir mit Design Verhalten gezielt verändern können ++ Vegan drucken – so geht’s ++ Creative Coding für Designer ++ Framing als Kreativmethode ++ Dos & Don’ts: Mit UX an die Spitze ++ John Maeda im Interview

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