Unvorstellbare Enge: Michael Wolf hat in Tokios U-Bahn fotografiert

Über die Situation in Tokios U-Bahn während der Rush-Hour ranken viele Legenden. In seinem furiosen Bildband »Tokyo Compressions« zeigt Michael Wolf jetzt, dass an ihnen durchaus was dran ist.



Über die Situation in Tokios U-Bahn während der Rush-Hour ranken viele Legenden. In seinem furiosen Bildband »Tokyo Compressions« zeigt Michael Wolf jetzt, dass an ihnen durchaus was dran ist.

Dass es U-Bahn-Angestellte gibt, deren Aufgabe es ist, die Fahrgäste in die überfüllten Waggons zu quetschen ist wohl kolpotiert. Denn eine Enge, wie sie im Tokioter Untergrund herrscht, ist für die meisten Nicht-Japaner unbegreiflich. Es halten sich aber auch hartnäckig Gerüchte, dass Mütter ihre Kinder in die Luft heben und sie dort sicher und gemütlich stecken bleiben. Und: dass viele die Fahrt für ein Schläfchen im Stehen nutzen, denn umzufallen ist schließlich unmöglich. Michael Wolf, der 1954 in München geboren wurde und seit mehr als 15 Jahren in Hongkong lebt, hat die Kamera während der Rush-Hour auf die Fenster der U-Bahn gehalten.

Entkommen konnten die Fotografierten nicht. Der klaustrophobischen Situation in dem Waggon ebenso wenig wie der Linse von Michael Wolf. Oft haben sie gar nicht gemerkt, dass sie aufgenommen wurden, haben die Augen zu, wirken versunken, in sich gekehrt. Neben den unfassbaren Hautabdrücken an den Fenstern, den beschlagenen Scheiben und dem Kondenswasser das an ihnen hinunter läuft, ist es gerade diese Spannung zwischen Öffentlichkeit und Intimität, die die Faszination der Bilder ausmacht. Man kann gar nicht genug bekommen, sie anzuschauen, versucht zu begreifen, der Situation habhaft zu werden wie etwas Verblüffendem und Spektakulärem. Dabei ist es Alltag in Tokio.

»Tokyo Impression« erscheint Ende Oktober bei Peperoni Books Berlin. 112 Seiten, Hardcover. mit einem Essay von Christian Schüle, ISBN 978-3-941825-08-6, 28 Euro.

Während des Berliner Monats der Fotografie wird die Serie bei 25Books zu sehen sein: 13. November bis 8. Dezember.


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