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Aufs Schönste abtauchen: Das Dorf der Fische

Bei diesem Buch schwimmt die eigene Fantasie gleich mit weit auf den See hinaus: »Das Dorf der Fische« erzählt von einer Überflutung und nimmt einen in wunderschön illustrierte Welten mit – über und unter Wasser.

Den Reschensee gibt es wirklich. Er liegt in Südtirol und wird dort auch Lago di Resia genannt. 1950 wurde er gestaut, damit ein Kraftwerk entstehen konnte.

Die Dörfer Graun und Reschen gingen in den Fluten fast vollständig unter und mit ihnen über 160 Häuser – und eine Kirche, deren Turm bis heute aus den Fluten herausragt.

Dieser Turm ist der Ausgangspunkt für eine Geschichte des Schweizer Autors Daniel Fehr, die zeigt, was Fantasie alles kann und sich gleichzeitig damit beschäftigt, wie der Mensch in die Natur eingreift.

Auf dem Weg in den Urlaub entdecken zwei Kinder den Kirchturm im See und tauchen ab in eine Welt, in der ein Fischpfarrer über den Kirchenbänken schwebt und die Oktopus-Lehrerin mit ihren Tentakeln gleichzeitig etwas an die Tafel schreibt, Blumen gießt und aus einem Buch vorliest.

Das Gute aber ist, dass die Kreide immer verwischt und es deshalb keine Noten geben kann. Dafür aber Unterwasserlaternenumzüge und den Rest der Zeit schwimmen die Fische mit fancy Brillen auf den Nasenlöchern, mit Hütchen auf oder Koffern in der Flosse zwischen den verlassenen Häusern umher.

Ununterbrochen regt die Geschichte dazu an, auch seine eigene Fantasie auf die Reise die schicken – und eine besondere Freude sind die Illustrationen von Pei-Yu Chang, die in Taipeh geboren ist, an der Münster School of Design studierte und ihren Abschluss an der Fachhochschule Münster bei Professor Felix Scheinberger machte. Bis heute lebt sie in der Universitätsstadt und unterrichtet mittlerweile selbst an der MSD.

Den Text von Daniel Fehr umspült sie geradezu mit ihren Illustrationen, die wirken, als seien sie selber durch Wasser gezogen worden.

Ein zartes, seefarbenes Türkis fließt durch die Seiten, kontrastiert von kräftigem Rot, Gelb und auch Schwarz. Auf Konturen verzichtet Pei-Yu Chang meistens, die Formen sind weich und nachgiebig wie Wasser selbst.

Bergmassive überzieht sie mit kreisrunden, aquarelligen blauen Punkten, die gleichzeitig wie Wassertropfen wirken. Und auch bei den Motiven bleibt Pei-Yu Chang ganz bei sich.

Schon auf dem Cover schwebt ein Mädchen kopfüber durch die Szenerie, die Bäume sehen aus, als würden sie Baströcke tragen und die Autos wirken wie aus einer Kinderzeichnung.

Sie blättert leuchtende Berg- und Unterwasserlandschaften auf, durch die eine ausgelassene Leichtigkeit flattert, Sommer- und Lebensfreude und dazu trägt der Vater einen Irokesen und explodiert ein Unterwasserfeuerwerk.

32 Seiten hat »Das Dorf der Fische«. Doch auch wenn man das Buch zuklappt, ist es noch lange nicht zu Ende, denn dann beginnt die Fantasie loszuschwimmen – und zwar sehr weit raus.

Daniel Fehr (Text), Pei-Yu Chang (Illustration): Das Dorf der Fische, Hardcover, 32 Seiten, 220 x 280 mm, ISBN: 978-3-948743-12-3, 22,Euro

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