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Erfolgreich eigene Produkte gestalten: Die Edition Julie Joliat

Schon mal darüber nachgedacht, eigene Printprodukte herauszubringen? Kalender, Notizhefte? Die Grafikdesignerin Julie Joliat hat es gemacht und sie sind in den schönsten Läden zu finden. Wir haben sie gefragt, wie das geht!

Seit 2007 bringst du einen Taschenkalender heraus und das jedes Jahr zu einem anderen Thema. Die Kalender sind in schönsten, ausgesuchten Läden zu finden. Und neulich habe ich bei Planet Modulor, dem Berliner Mekka für alle, die gestalten und sich für Design interessieren, eine ganze Notizbuch-Kollektion von dir entdeckt. Wie kam es dazu?
Julie Joliat: Ich wollte eigentlich schon immer Notizbücher machen, aber habe lange nie die Zeit dafür gefunden. 2023 habe ich dann endlich angefangen, mich um das Projekt zu kümmern.
Danach ist erst einmal gar nicht so viel passiert und ich habe schnell gemerkt, dass Notizbücher ein Nischenprodukt sind. Aber petit à petit haben ein paar Läden angefangen, sie zu bestellen und auch nachzubestellen.
2025 habe ich dann eine Kollaboration mit der Gestalterin Redfries gemacht. Sie verkauft ihre eigenen Produkte bei Modulor, hat dort auch unseren Planner untergebracht und ich konnte ebenfalls meine Notizhefte zeigen. Am Anfang wollte Modulor mich nicht direkt als Lieferantin aufnehmen, weil mein Business noch zu klein war und ich nicht genügend Produkte anbieten konnte. Ich habe dann meine Produkte über Redfries mitverkauft. So konnte ich bei Modulor starten, bis sie mich dann direkt als Lieferantin aufgenommen haben.
Auch wenn ich immer schon das Gefühl, dass meine Notizhefte sehr gut zu Modulor passen, war es ein ziemlich langer Prozess – und Daniela von Redfries hat mir dabei wirklich sehr geholfen.

Hattest du von Anfang an die Idee, gleich mit einem größeren Angebot zu starten?
Eigentlich nicht. Aber natürlich habe ich immer sehr viele Ideen, die ich gerne umsetzen würde – nur leider nicht die Zeit, alles zu machen. Wenn ich von einer Idee wirklich zu 100 Prozent begeistert bin, dann versuche ich aber, alles möglich zu machen, damit sie Wirklichkeit wird.

Wie bist du dabei vorgegangen?
Eigentlich ganz simpel: So wie beim Jahresplaner habe ich versucht, das Notizbuch wie eins zu gestalten, das ich selbst gerne hätte, aber das es so noch nicht gab. Ich wollte zwei verschiedene Seitenlayouts kombinieren, mit einem sehr schönen, smoothen Papier, und gleichzeitig sollte es nachhaltig sein.

Und was macht daran besonders Spaß Notebooks zu gestalten?
Genau das: etwas zu gestalten, das es so noch nicht gibt, und genau das Produkt zu entwerfen, das ich selbst gerne benutzen würde. Vielleicht verstehen das andere Stationery-Nerds besonders gut. (lacht) Im Vergleich zu einem Buch geht es aber auch relativ schnell, ein Notizbuch umzusetzen, weil fast kein Text dabei ist.

Wie hast du es geschafft, dass deine Notizbücher und Kalender in so vielen schönen Läden erhältlich sind?Ich habe einige Läden selbst kontaktiert, und bei anderen sind die Läden auf mich zugekommen. Ich vermute, dass sie die Produkte über Instagram entdeckt haben – oder vielleicht über die Presse, zum Beispiel über PAGE. (lacht) Es ist aber ein langer Prozess. Manchmal bin ich auch direkt in die Läden gegangen, um die Produkte persönlich zu zeigen. Ich glaube, dass es auch hilft, dass ich mittlerweile in Berlin wohne und dadurch ein lokales Produkt anbiete.
Den B2C-Vertrieb mache ich momentan komplett selbst. Das ist allerdings ein kleinerer Teil des Geschäfts, deshalb kann ich das im Moment noch alleine machen.

Ist die Edition Julie Joliat auch in anderen Städten erhältlich?


Ja, sogar in vielen anderen Städten.

Besonders schön sind die Farben und auch die Vielfalt der Hefte. Wie hast du sie gestaltet?
Am Anfang wollte ich eigentlich nur ein einziges Notizbuch machen. Aber ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass ich alle meine Ideen unmöglich in ein einziges, dünnes und leicht mitzunehmendes Notizheft packen kann. Deswegen habe ich dann begonnen, verschiedene Notizbücher zu machen. Und natürlich macht es auch viel mehr Spaß, eine ganze Palette aus verschiedenen Farben und Mustern zu sehen. Dadurch wurde die Vielfalt selbst ein Teil des Konzepts. Am Anfang hatte ich erst drei verschiedene Notizhefte und anschließend ist die Kollektion nach und nach gewachsen.
Der Berater der Druckerei Gallery Print war sehr geduldig und hat ungefähr 20 verschiedene Versionen des ursprünglichen Angebots mit mir durchgespielt. Ich hatte wirklich Glück, dass er selbst ein Notizbuch-Sammler ist und deshalb von Anfang an sehr begeistert von dem Projekt war.

Bücher, gedruckt auf Papier, erfahren in den digitalen Zeiten gerade eine Renaissance, überall sieht man junge Leute damit in der U-Bahn oder auf der Wiese lesen. Ist es mit den Notizbüchern, in die man mit der Hand schreibt, ähnlich? Steigt das Interesse?
Ja, ich habe auch das Gefühl, dass es so ist. Gerade auch bei Plannern sehe ich das sehr deutlich. Ich glaube, dass auch die Bullet-Journal-Bewegung einen großen Einfluss darauf hatte. Meine 16‑jährige Nichte hat mir ihr Bullet Journal gezeigt und es sah so schön aus! Ich wünschte, so etwas hätte es schon gegeben, als ich Teenager war. Es eröffnet so viele Möglichkeiten zur Selbstreflexion und gleichzeitig hat man am Ende eine Erinnerung, auf die man später zurückschauen kann.

Was ist dein nächstes Projekt?
Wenn ich es mir weiterhin leisten kann, möchte ich noch andere Arten von Notizbüchern, Journals oder Guides herausbringen. Ich habe sehr, sehr viele Ideen, aber leider meistens zu wenig Zeit, sie alle umzusetzen. Denn ich mache eigentlich alles selbst. Mein Mann allerdings unterstützt mich mit Feedback und beim Vertrieb. Irgendwann hätte ich sehr gerne ein eigenes Büro oder Studio mit einem Lager. Aber ich glaube nicht, dass das so bald passieren wird. Außerdem möchte ich mehr Kollaborationen machen und diesen Herbst wird tatsächlich das Ergebnis einer spannenden Zusammenarbeit mit Inner Muse aus Wien erscheinen.

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