Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die zehn Entwürfe für die nächsten Euro-Banknoten vorgestellt. Zu den Finalist:innen gehören das Berliner Studio Neue Gestaltung, Ville Tietäväinen aus Helsinki oder PunktFormStrich aus Salzburg. Jetzt kann online abgestimmt werden!
5-Euro-Schein von Neue Gestaltung, Berlin
Ende des Jahres soll es so weit sein. Dann will der EZB-Rat einen endgültigen Entwurf der neuen Euro-Banknoten auswählen.
Über 1.200 Grafikdesigner:innen hatten sich auf die Ausschreibung beworben. 25 von ihnen wurden eingeladen, Entwürfe für eines oder beide Themen – »Europäische Kultur« sowie »Flüsse und Vögel« – zu gestalten.
Schließlich wählte eine Jury mit 21 Mitgliedern, die jeweils von den Zentralbanken des Euroraums nominiert wurden, die zehn Finalisten aus.
Die Expert:innen stammen aus den Bereichen Grafikdesign, Kommunikation, Neurowissenschaften und Geschichte. An ihre Auswahl schließt sich jetzt eine öffentliche Online-Umfrage an.
Und es ist interessant, wie sehr sich die Diversität Europas bereits in den Entwürfen mit ihren verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten und ihrer gestalterischen Umsetzung zeigt – und sie eine Reise über den europäischen Kontinent sind.
Zu den zehn Finalisten gehört das Studio Joost Grootens aus Amsterdam (Entwurf A), das seinen Entwurf als Reflexion darüber versteht, wie Kultur entsteht:
Das Studio PunktFormStrich aus Salzburg (Entwurf B), das sich für das Thema »Flüsse und Vögel« entschieden hat, verbindet biologische Vielfalt mit europäischen Landschaften:
Neue Gestaltung aus Berlin (Entwurf C) zeigt Europa als gemeinsamen Kulturraum und stellt Menschen ohne spezifische Merkmale dar, damit alle sich in ihnen wiedererkennen können:
Rudy Guedj und François Girard-Meunier aus Amsterdam (Entwurf D) zeigen Vögel in abstrakten Landschaften und ein vereintes Europa und legen über alles ein Leuchten:
Myrsini Vardopoulou aus Athen (Entwurf E) konzentriert sich ganz auf den universellen Wert des Wirkens der jeweiligen Persönlichkeit und zeigt, dass sie trotz ihrer Vielfalt eine gemeinsame Inspirationsquelle haben:
Der Illustrator Jan Robert Dünnweller aus Passau (Entwurf F) veranschaulicht das offizielle Motto der EU »In Vielfalt geeint« in einer Collage aus Formen und Oberflächenstrukturen, aus denen ein neues Ganzes entsteht:
Die spanischen Studios Rubio & del Amo aus Murcia und Cruz más Cruz aus Madrid (Entwurf G) haben sich ganz auf den Blick konzentriert, der eine Verbindung aufnimmt – und, dreht man die Banknoten in die Horizontale, ergeben sich vier Blöcke, die auch die Buchstaben E, U, R und O verweisen:
Das Regensburger Atelier Goppel-Toperngpong (Entwurf H) hat sich ganz auf das Wasser als Grundlage alles Lebens konzentriert und als Analogie für die EU visualisiert, von Eigenschaften wie Ausgeglichenheit oder Beständigkeit zu Tropfen, die zu einem Strom werden:
Isabelle Daëron, Künstlerin und Designerin aus Paris (Entwurf I) hat die Bewegung in den Mittelpunkt ihrer Gestaltung gestellt – vom Flügelschlag eines Vogels bis hin zum ununterbrochenem Strömen der Flüsse und hin zur Dynamik der EU:
Der Grafikdesigner und Illustrator Ville Tietäväinen aus Helsinki (Entwurf J) zeigt die europäischen Vögel in ihren natürlichen Lebensräumen und erzählt vom Verlauf der europäischen Flüsse: Je höher der Wert der Banknote ist, desto näher sind die Abbildungen dem Meer:
Entscheidung bis Ende des Jahres
Bis zum 21. September 2026 können alle Menschen in Europa in einer Online-Umfrage über die zehn Entwürfe abstimmen. Parallel dazu führt ein unabhängiges Marktforschungsunternehmen eine repräsentative Befragung von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Euroraum durch.
Die Ergebnisse beider Umfragen werden öffentlich gemacht und schließlich wird der EZB-Rat die endgültige Entscheidung über das Design der neuen Banknoten treffen.
Grundlage dafür sind neben den Ergebnissen der beiden Abstimmungen die Empfehlungen der Wettbewerbsjury und technische Bewertungen.
Mit der Entscheidung der EZB wird gegen Ende des Jahres gerechnet.
Die ersten vollständig neugestalteten Euro-Banknoten seit ihrer Einführung 2002 werden mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen und einer erhöhten Barrierefreiheit insbesondere für sehbehinderte Menschen, versehen sein.
Gleichzeitig sollen die neuen Banknoten umweltfreundlicher werden, indem ihre Langlebigkeit erhöht wird und nachhaltigere Materialien und Produktionsverfahren eingesetzt werden.
Im Sommer 2025 hatte die Schweizer Nationalbank die Finalist:innen-Entwürfe der neuen Schweizer Banknoten vorgestellt. Was für spannende Entwürfe! Ausgewählt wurde mit diesem Design schließlich einer der zurückhaltenderen Entwürfe.