Reeperbahn Festival Konferenz 2014: Grönemeyer, Startups, Marketing

Zum zweiten Mal wartete das als Musikevent gestartete Reeperbahn Festival mit einem umfangreichen Konferenzprogramm für die Musik- und Medienbranche sowie Startups auf. Hier einige Highlights.



 

Zum zweiten Mal wartete das als Musikevent gestartete Reeperbahn Festival mit einem umfangreichen Konferenzprogramm für die Musik- und Medienbranche sowie Startups auf. Hier einige Highlights.

 

Als Headliner der Konferenz zogen die Veranstalter in diesem Jahr Herbert Grönemeyer an Land. Der sprach sich auf der Bühne gegen Streaming und vor allem gegen das Verschenken von Musik aus – mit einem Seitenhieb auf den Deal zwischen U2 und Apple. Seinem Gesprächspartner Steve Blame sagte er, es sei respektlos anderen Musikern gegenüber, ein Kunstwerk so zu verschleudern. Das fördere nur die sinkende Wertschätzung von Werk und Künstler. 

 

Am Donnerstag wurde zudem der Gewinner des Startup-Pitch bekannt gegeben: TripRebel. Ein Online­Reisebuchungsportal, das einfach und fair organisiert und für finanziellen Ausgleich bei Preisschwankungen nach der Buchung sorgt. Klingt nach einer guten Idee. 

 

Marketingorganisation der Zukunft

 

Am Freitag stellten Dirk Bathen und Jörg Jelden (BathenJelden) im TUI Operettenhaus ihre Studie »Marketingorganisation der Zukunft« vor. Wenig überraschend: Die meisten Probleme hängen mit der Digitalisierung zusammen. Erschreckend: Die wenigsten Marketingabteilungen wissen, wie sie ihre Probleme in den Griff bekommen sollen – und trauen es auch ihren Chefs nicht zu. 

 

Als Tendenzen ließ die Studie erkennen: Die Abteilungen Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation wachsen immer mehr zusammen. So dass die Frage naheliegt, ob es einzelne Silos überhaupt noch bedarf. Ebenfalls müssten Marketer mit verstärktem Einzug von autmatisiertem (data-driven) Marketing rechnen. 

 

In einem 7-Schritte-Modell geben sie Handlungsempfehlungen für änderungswillige Marketer:

 

1. Freiräume schaffen, um im alltäglichen Arbeitsstress überhaubt über zukünftige Entwicklungen nachzudenken

2. Wunschbild schärfen – und dabei ruhig mutig sein

3. Sich fragen, was in den vorhandenen Strukturen überhaupt möglich bzw. realistisch ist

4. Ressourcen finden – Zeit, Personal, Geld

5. Erste Erfolge nachweisen – mit Hilfe von Prototypen etc.

6. Lizenz zum Wandel von oben sichern

7. Das neue Bild prägen

 

Im anschließenden Panel fühlte Good-School-Gründerin Simone Ashoff Jörg Jelden, Sven Krüger (Vice President Brand Communications, T-Systems), Jochen Matzer (Managing Director , Leagas Delaney) und Karoline Haderer (Ex-Head of Marketing & Sponsoring, HSE/ENTEGA) auf den Zahn. Die waren sich alle ziemlich einig, dass sich etwas ändern muss – und dass das schwierig ist. Krüger berichtete davon, wie das Marketing bei T-Systems bereits umstrukturiert hat – weg von der starken Markenorientierung hin zu mehr Konzentration auf das inhaltliche Angebot des Unternehmens und zu seinen Kunden. Klingt nach einem gangbaren Weg auch für andere Marketingabteilungen.

 

»Let the designer do his job«

 

In der Session »Journalismus – Revolution vor der Haustür« stellten sehr unterschiedliche Medienmacher ihre Konzepte für die Medienformate von morgen vor. Lisa Altmeier und Steffi Fetz präsentierten ihr Projekt Crowdspondent: Hier setzen sie die Themenwünsche der Crowd um – und werden auch von ihr finanziert. Hans Evert vom Axel Springer Verlag zeigte das digitale Magazin Epos – sehr schick und durchdacht, bisher mit einer Ausgabe im App-Store. Felix Franz berichtete von der Kollaborations-Plattform Hostwriter, die Journalisten weltweit vernetzen will. Schließlich stellten Denis Dilba und Georg Dahm ihr Herzensprojekt Substanz vor, ein digitales Wissenschaftsmagazin, das sie mit ihrem Unternehmen Fail Better Media umsetzen – und dabei eng mit Designern zusammen arbeiten (»Let the designer do his job«).  

 

Die Vorträge waren motivierend und ernüchternd zugleich: Sind journalistisch spannende und gut umgesetzte Formate heutzutage nur als Liebhaberobjekte möglich, die von privaten Mäzenen, dank Anschubsfinanzierung der Crowd oder als Experimente von Großverlagen gestützt werden? Und werden sie jemals mehr als drei Ausgaben produzieren? Gegönnt sei es zumindest allen der vorgestellten Projekte.

 

Arbeitswelt der Zukunft

 

Die Arbeitswelt der »Wissensarbeiter« beleuchtete Marc-Sven Kopka, Vice President Corporate Communications bei Xing. Fazit: Karriere im Sinne von Geld und Position ist out – flexible Arbeitszeiten und Sinnhaftigkeit sind in. Das ist an sich nichts Neues – interessanter ist, wie Xing als »Karriereportal« darauf reagiert. Zum Einen mit einer Neu-Positionierung samt umfangreicher Werbekampagne, die eben diese Themen aufgreift. Und zum anderen mit neuen Produkten – etwa der Plattform »FutureMe«. Was ein bisschen klingt wie ein Programm aus »The Circle« ist eine Plattform, auf der Arbeitnehmer Stellen basierend auf ihren Lebenssituationen, Vorlieben und Werten suchen können. Möglich wird das zum Beispiel dank kununu, einer Bewertungsplattform für Arbeitgeber. 

 

Um weitere Entwicklungen aufzudecken und darauf reagieren zu können, hat Xing zudem ein Ideenlabor geschaffen, in dem ein interdisziplinäres Team die Arbeitswelt der Zukunft erforscht – und zum Beispiel den new work award verleiht. Über diese Themen berichtet Xing auf seinem Portal »Spielraum«. 

 

Fazit: Viel Input und massig Denkanstöße – es hat sich gelohnt. Ein paar visuelle Eindrücke gibt’s in unserer Bildergalerie

 

Und hier geht es zu unserem Bericht vom Reeperbahn Festival 2013.  

 




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