re:publica 14: Hasselhoff und die Lage der Nation

Bianca Jagger, David Hasselhoff, Sascha Lobo, der der Community die Leviten liest - und ein Aufruf an alle Designer.



»Hätte mein Toaster Tausende Knöpfe, würde ich mir wahrscheinlich nie ein Brot toasten«, sagt Jillian C. York von der Electronic Frontier Foundation aus San Francisco, die gemeinsam mit Jacob Apfelbaum (The Tor Project) die Kryptographie, die Anonymisierung von Verbindungsdaten, mit Safer Sex verglich, mit dem Kondom, das einen selbst aber auch andere schützt.

Damit jeder es benutzen kann und Programme zum Datenschutz so einfach zu installieren sind wie man ein Kondom überzieht, sprachen sie explizit Designer an, die genau daran arbeiten müssen, die Interfaces für jeden bedienbar zu machen und das vor allem auch für Leute, die keine Informatiker sind oder Technik-affin.

Mit hohem Entertainment-Gehalt, wie ihn meist nur Amerikaner haben, präsentierten sie ihren Aufruf und spickten ihn mit Videos von Juice Rap News, die Netzspionage ebenso aufs Korn nehmen wie Julian Aussange sich in einem großartigen Video selbst.

Und während Bianca Jagger großen politischen Aktionismus auf kleiner Bühne propagierte, durfte man sich am Nachmittag fremdschämen – mit Mikko Hypponen der finnischen Firma F-Secure, der gemeinsam mit David Hasselhoff die hoffnungslos überfüllte Halle als Werbebühne nutze. Während Hasselhoff sich für »Looking For Digital Freedom« aussprach, selbstironisch auf Webvideos von ihm anspielte, wie das, in dem er völlig betrunken versucht, einen Cheeseburger zu essen und sich erst ziert, seinen Hit »Looking For Freedom« anzustimmen und dann doch ein paar Töne schmettert und dann zugibt, dass weder er noch ein Song für den Fall der Berliner Mauer verantwortlich seien, auch wenn manche Fans das glaubten.

Zum Glück las Sascha Lobo (»Eine re:publica ohne Sascha Lobo sei wie Internet ohne Katzen«, kündigte die Moderatorin ihn an) der Community am Ende in seiner »Rede zur Lage der Nation« dann noch gehörig die Leviten und machte seiner Empörung Luft, wie wenig Wider- oder Aufstand es seitens der Netzcomminty gibt, seit der Snowden-Enthüllung am 6. Juni 2013, die er noch einmal in einen Timetable Revue passieren ließ – in aller ihrer Ungeheuerlichkeit.

»Das Internet ist euch nicht wichtig genug. Ihr tut nur so als sei euch Netzpolitik wichtig, ihr wittert etwas rum, aber überweist nicht«. Zum Beispiel an die Digitale Gesellschaft und andere Insitutionen, die für ein freies und neutrales Netz kämpfen.

Nichts hätte sich seit Juni 2013 geändert, was die Überwachung des Internet angeht, die Unsicherheit des Internets werde weiterhin gezielt ausgenutzt und man muss dafür kämpfen, dass die totale Überwachung nicht zur Normalität wird.

Er forderte von Frau Merkel, dass ihr die Grundrechte wichtiger sind als Obamas Gewürzgarten, appelierte zum Gang in die Institutionen, wetterte gegen Sicherheitsesoterik – und dafür die Dinge zu benennen, was sie sind und zwar als #Spähangriff, #Spitzelattacke, #Totalüberwachung, #antidemokratisch, #grundrechtfeindlich, #sicherheitsfeindlich, motiviert durch #Kontrollsucht und #Spähfanatismus – und plädierte für offensiven, situativen Aktionsopportunismus …




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