Design-Studium: Was Gestalter lernen müssen

Wir sprachen mit Prof. Dr. Susanne Schade von der HfG Schwäbisch Gmünd über die künftige Rolle von Gestaltern und wie diese sich in der Ausbildung niederschlägt.



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Laut Susanne Schade, Studiengangsleiterin für den neuen Master Strategische Gestaltung an der HfG Schwäbisch Gmünd, wird die Rolle des Designers zunehmend die eines Mediators zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Stakeholdern sein. Hochschulen sollten daher ein Klima fördern, in dem Studierende ein individuelles berufliches Persönlichkeitsprofil ausbilden können. Mehr dazu lesen Sie im Interview.

PAGE: Welches Wissen und welche Fähigkeiten sollten (Master-)Absolventen heute für die Kreativbranche mitbringen? Was erwarten Agenturen und Unternehmen von den Absolventen?


Susanne Schade: Wer heute in der Designbranche in leitender Position arbeiten oder als selbstständiger Gestalter bestehen will, muss Praktiker und Stratege in einem sein. Design versteht sich hier als Gestaltung, die neben dem finanziellen Erfolg auch einen gesellschaftlichen Fortschritt hin zu einer verbesserten Lebenssituation der Menschen verfolgt. Also als strategische Gestaltung, die Einfluss nimmt auf gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen der Zukunft.

Neben den gestalterischen Tools wird heute zunehmend vernetztes Denken in andere Disziplinen hinein, Bewältigung komplexer Aufgaben und Prozesse sowie Eigenständigkeit als handelnde Person erwartet.

In der interdisziplinären Projektarbeit verschwimmen klassische Trennungen zwischen den einzelnen Disziplinen.

Zudem braucht es immer häufiger Kenntnisse aus dem Designmanagement sowie zu ökonomischen Randbedingungen, wie in den Gebieten User Experience, Visual Thinking, Teambuilding, Business Design und Fundraising. Schnittstellenkompetenz und Dialogfähigkeit gehören genauso zu den Skills als Gestalter, wie die Beherrschung des Gestaltungsprozesses.

Und was erwarten die Studenten?

Das Berufsfeld des Designers hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt: Designer entwerfen heute zunehmend Prozesse. Seien es Steuerungsaufgaben in Unternehmen, nachhaltige Dienstleistungen oder komplexe, transmediale Kommunikationswerkzeuge.

Gemeinsam ist den Aufgabenfeldern, dass die »klassische« Trennung zwischen Produkt-, Kommunikations- und Interaktionsgestaltung im Berufsleben mehr und mehr verschwimmt.

Daher wünschen die Studierenden des Masterstudiengangs weniger die Spezialisierung in einer bestimmten Disziplin, sondern mehr eine Ausbildung zu Gestalterinnen und Gestaltern, die übergeordnet und interdisziplinär arbeiten und als Vermittler und Kommunikatoren auftreten können. Dazu sind neben gestalterischen auch wissenschaftliche und ökonomische Kenntnisse notwendig.

Wie eruiert die HfG Schwäbisch Gmünd die Bedürfnisse des Markts und wie reagiert sie darauf?


Grundsätzlich pflegt die HfG eine enge Verbindung zur Industrie (Kooperationspartner, Alumni), zur Forschung (Forschungspartner) und zu anderen (internationalen) Hochschulen. Dieses Netzwerk begünstigt und fordert eine permanente Auseinandersetzung und Diskussion der Marktanforderungen, der Wünsche und Ziele der Studierenden und der Wettbewerbssituation mit anderen Hochschulen.

Das neue Masterprogramm Strategische Gestaltung baut auf die im Bachelor-Studium erworbenen Kenntnisse aus den Disziplinen der Interaktions-, Kommunikations- und Produktgestaltung auf. Neben den Inhalten aus diesen drei Studiengängen der HfG Schwäbisch Gmünd werden aus weiteren gestaltungsrelevanten Wissensgebieten Methoden und Arbeitsfelder weiterentwickelt. Das dreisemestrige Studium ist anwendungsorientiert, interdisziplinär und basiert auf den drei Säulen Gestaltung, Management und Forschung.

Die Studierenden erlernen Teamführungskompetenzen, die multiperspektivische Betrachtung von Problemstellungen und die analytische Arbeit an Lösungsansätzen. Darüber hinaus kennen sie die gesellschaftlich und ökologisch verantwortungsvolle Rolle des Designers.

Ihnen sind die Bedingungen und Konsequenzen designgeleiteten Handelns vertraut und sie lernen, gestalterisches Denken und Handeln in kulturellen, administrativen und wirtschaftlichen Zusammenhängen zu beeinflussen.

Sie sind zudem in der Lage, Forschungsaufgaben in der Gestaltung zu bearbeiten sowie Evaluationsmethoden zur Optimierung von Prozessen einzusetzen. Kooperationen mit anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Institutionen und Unternehmen schaffen Verständnis für den Einsatz leistungsfähiger Expertengruppen und prägen Kommunikations- und Teamkompetenzen.

Welche Rolle spielt Praxisbezug im Designstudium an der HfG?

Das Masterprogramm Strategische Gestaltung setzt vermehrt auf enge Kooperation mit renommierten Unternehmen und Instituten im Bereich des Designs. Dadurch erlangen die Masterstudierenden schon während ihres Studiums einen Einblick in verschiedene Felder des Berufslebens und die Kooperationspartner profitieren von den frischen Perspektiven und Ansätzen der Studierenden.

So arbeiteten im Wintersemester 2014/15 die Studierenden des Kurses »Retail« von Prof. Gerhard Reichert und Claudio Wolfring mit der ARNO GmbH zusammen. Hierbei stand die praxisnahe Entwicklung von Informations- und Verkaufshilfen für komplexe Produkte im Vordergrund.

Auch in diesem Sommersemester gibt es verschiedene Kooperationen, bei denen die Studierenden mit Unternehmen gemeinsam strategisch gestalten: Im Kurs »Kommunikation im Raum« von Prof. Marc Guntow und Prof. Dr. Dagmar Rinker wurde in Kooperation mit der Universität Tübingen ein Ausstellungsstück zum Thema: »Geschmacksache? – Die Gute Form« konzipiert.
 J. Paul Neeley arbeitete mit seinen Studierenden im Workshop »Future Mobility« an Konzepten für die Mobilität in der Zukunft, die am Ende des Workshops der moovel GmbH vorgestellt wurden. Und in einem meiner Seminare entwickeln die Studierenden für die Firma TVS Design zeitgemäße Kochutensilien unter Einbezug neuer Technologien.

Grundsätzlich gibt es in den Curricula Kursangebote, die die Studierenden – vor allem im Grundstudium – dazu anregen, sich intensiv mit der Gestaltung auseinander zu setzen – ohne ökonomischen Druck oder Briefings aus der Praxis.

Auch im Hauptstudium wird im Lehrangebot auf eine Ausgewogenheit zwischen praxisnahen und freien Projekten gelegt.

Im Master Strategische Gestaltung können sich die Studierenden durch das umfassende Wahlfachangebot in den Bereichen Gestaltung, Management und Forschung selbst Schwerpunkte setzen und entscheiden, ob sie sich sehr anwendungs- und praxisnah oder mehr theoretisch und forschungslastig vertiefen möchten.

Was ist Ihrer Meinung nach die richtige Balance zwischen Vorbereitung auf die Praxis und künstlerischer Freiheit?


Künstlerische Freiheit liegt meiner Meinung nach im Auge des Betrachters. Der Gestalter kann sie auch im Rahmen enger gesellschaftlicher und ökonomischer Randbedingungen als groß empfinden und sich freigeistig in Projekte einbringen.

Seine Rolle wird zunehmend die eines Mediators zwischen den unterschiedlichen Disziplinen und Stakeholdern sein.

Die Hochschule kann ein Klima fördern, in dem die Bildung eines individuellen, beruflichen Persönlichkeitsprofils möglich ist. Eigenreflektion und berufliche Positionierung, soziales Engagement und die Bearbeitung von gesellschaftlichen Fragestellungen in Bezug zum eigenen Berufsbild prägen so auch die Arbeiten der Studierenden.

Praxisprojekte werden grundsätzlich von den Professoren, den akademischen Mitarbeitern und den Mitarbeitern der Stabsstellen (z.B. mit juristischer Ausbildung) begleitet, sodass die Studierenden ihre Projekte und Kooperationen mit oft langjährigen Kooperationspartnern in einem sicheren Umfeld durchführen können und das Procedere für die spätere Praxis in allen Schritten miterleben.


Mehr zum Thema:

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