Mobbing in der Agentur

Was ist zu tun, wenn man von Kollegen gemobbt wird und sehr darunter leidet? Christian Büning, Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Kommunikationsdesigner, weiß Rat …



Anna, 33: Hallo, ich arbeite in einer größeren Werbeagentur als Designerin und weiß nicht mehr weiter. Egal, welche Arbeiten ich abliefere, alles wird seit einiger Zeit nur noch verrissen. Dabei werde ich auch persönlich attackiert und regelrecht von ein paar Kolleginnen fertiggemacht. Seit ein paar Wochen habe ich nun starke Magenbeschwerden und kann kaum etwas essen. Ich überlege, mich krank zu melden, habe aber Angst, meinen Job zu verlieren. Was soll ich tun?

Christian Büning:
Liebe Anna, das, was Sie beschreiben, ist eindeutig Mobbing. Dagegen sollten Sie sich unbedingt wehren und Ihre Gesundheit schützen. Nicht selten ist Mobbing ein Zeichen für eine schwache Leitung, die die Konflikte im Team nicht sehen will oder sogar gezielt nutzt, um Personalpolitik zu betreiben. Wenn es keine oder zu wenige Angebote und Hilfestellungen zur Stressbewältigung gibt oder die Vorgesetzten schlicht nicht führen, entlädt sich der Leistungsdruck innerhalb des Teams. Beim Mobbing ist es übrigens willkürlich, wen es trifft, und es hat selten etwas mit der eigenen Person zu tun.

Wenn Ihre Gesundheit leidet, ist es höchste Zeit, zu handeln. Suchen Sie möglichst bald das vertrauliche Gespräch mit Ihrer Teamleitung oder der Geschäftsführung. Weisen Sie deutlich auf Ihre Beobachtungen hin. Hilfreich kann das Führen eines Mobbing-Tagebuchs sein, um Ihre Aussagen zu untermauern. Wichtig ist, dass Sie eine Systematik in den Handlungen aufzeigen und Täter benennen können. Nicht selten werden solche Vorwürfe kleinge­redet. Egal, ob ein Projekt drängt und die Zeit knapp ist: Ihre Teamleitung muss sich um Ihre Situation kümmern. Ein ernstes Gespräch mit den Kollegen hilft manchmal schon, um Aggressio­nen im Team wieder einzudämmen.

Mein Tipp:

Grübeln Sie nicht, warum Sie gemobbt werden, sondern überlegen Sie, wie Sie sich wehren können.

Wenn Sie nach circa einem Monat und wiederholtem Ansprechen der Missstände den Eindruck haben sollten, dass man Ihnen partout nicht hilft, dann bleiben Ihnen zwei Wege: Sie können Ihren Arbeitgeber auf Verletzung der Fürsorgepflicht ver­klagen und/oder schnellstmöglich die Agentur wechseln. Beide Schritte klingen hart, sind allerdings deutlich weniger schmerzhaft, als künftig jeden Tag ein Stück Ihrer Gesundheit zu opfern. Viel Erfolg!

 


content_size_SZ_141106_BDG_Buening_Foto

Christian Büning
Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Kommunikationsdesigner/
PAGE Kolumnist »Business Basics«

info(at)bdg-designer.de
http://www.bdg-designer.de

Christian Büning ist Inhaber des Büro Büning Informationsgestalter und Gründer des Werkstoff Verlags. Er ist Autor der BDG Gründerfibel und schreibt in der PAGE monatlich für Designunternehmer. Im BDG engagiert er sich für faire Märkte und professionelle Teilnehmer, seit 2011 in der Funktion als Präsident. Er ist leidenschaftlicher Fan von schematischen Zeichnungen und kann sich oft stundenlang nicht zwischen der Unit und der Droid Sans entscheiden. Christian Büning lebt und arbeitet in Münster – mit Fahrrad, natürlich.

Mehr Tipps zu Fragen aus der Berufspraxis lesen.

 


Schlagworte: ,





Ein Kommentar


  1. Moritz

    Wie Herr Büning bereits richtig ausführte, geschieht Kollegenmobbing, weil die Führung schwach ist. Aber ausgerechnet an diese Führung soll sich dann Anna wenden?

    Das ergibt für mich keinen Sinn und das ist auch der Schwachpunkt von Bünings ansonsten guter Argumentation.

    Gut:

    Sich wehren ist nie verkehrt.
    Gehen – und zwar schnell – ist jedoch bei den meisten solchen “Agenturen” besser.

    Anders als normale Büroangestellte besitzt der Kreative, der meist auch sehr sensibel ist und für seinen Job sensibel sein muss, seine Kreativität als sein wertvollstes Gut – und die geht bei persönlichen Angriffen und anschließend dauerhaftem Mobbing als erstes über den Jordan.
    Da muss er stark auf sich aufpassen. und. sofort gehen, wenn es finanziell möglich ist. Seine kreative Haut retten. Ist mein persönliche Erfahrung an Anna.

    Besser:

    Noch besser als sich nachträglich mühsam wehren zu müssen, weil man unfair angegriffen wurde, ist es, es zu so eiern erschöpfenden Situation gar nicht dazu kommen zu lassen. Vorher.

    Aus dieser schlechten Erfahrung lernen: Man muss lernen, von Anfang an Klarheit und Stärke zu zeigen, lernen, seine guten Entwürfe von Anfang an gut zu verargumentieren, aber auch lernen, selbstbewusst zu den schwächeren Leistungen zu stehen. Kein Mensch kann rundum die Uhr ausschließlich Spitzenkreationen liefern.

    Damit sie es von Anfang an sein lassen.

    Coaching, Sport, gute Freunde, ein einfühlsamer Partner – alles was hilft, das kreative Selbstbewusstsein zu stärken, ist angesagt.


Kommentieren

Einfach mit dem PAGE Account anmelden oder Formular ausfüllen

Name *

Email *

*Pflichtfeld

Ihr Kommentar *

 
 

Das könnte Sie auch interessieren