Best of TYPO 2011 – erster Teil

All about Apps, Hacking und getanzte Buchstaben: Heute ist die Typo 2011 mit einem abwechslungsreichen Programm gestartet. Wir sind vor Ort.  



All about Apps, Hacking und getanzte Buchstaben: Heute ist die Typo 2011 mit einem abwechslungsreichen Programm gestartet. Wir sind vor Ort.    

Die ausverkaufte Designkonferenz mit Besuchern, die bis aus Dubai, Russland und Lybien angereist sind, startete mit einem Vortrag von Christoph Keese, Leiter Public Affairs im Axel-Springer-Verlag, der die Richtung der diesjährigen Konferenz vorgibt: es geht um den Blick nach vorne, um Erneuerung und um einen Perspektivwechsel.

Renaissance der Fotografie


Wie kann mit Apps Geld verdienen, fragt Keese? Beschwört eine Renaissance der Fotografie durch das iPad, auf dem die Bilder nicht mehr in Templates gequetscht werden, sondern für sich stehen und zeigt brillante Fotostrecken aus The New York Times, The Times, skizziert das digitale Leben 2020, in dem das journalistische Angebot sich nicht mehr nach dem Medium richtet, sondern nach den Situationen, in denen es gelesen wird. Ob mit Muse am Frühstückstisch, beim Warten auf den Bus oder bei der Fahrt im Aufzug. Er zeigt verschiedene Arten der Navigation durch iPad Apps – und stellt die Glaubensfrage, ob man die Typografie der Publikation festlegt oder vom Leser verändern lässt. Er malt die Zukunftsversion, in der kostenlose und kostenpflichtige Angebote nebeneinander stehen, Zeitschriften und Zeitungen nicht verdrängt sind, sondern immer noch Relevanz haben und unterstreicht die Wichtigkeit des global-single-sign-on-micropayment-system mit dem auch Cent-Beträge für einzelne Artikel in einem Click bezahlt werden können oder zu Eurobeträgen angesammelt. Aber eben mit einem einzelnen Click, da bei komplizierteren Zahlungsverfahren 60 bis 70% der Kunden abspringen.

Von Priestern und Hackern

Oliver Reichenstein von Information Architects Toky, Schweizer mit Wohnsitz Tokio, kündigt seinen Vortrag als »wilden und anspruchsvollen Ride« an, streift einmal quer durch die Geschichte der Schrift – von Runen, Hieroglyphen, Karolingischen Zeichen und anderen abstrakten Systemen und plädiert für dessen Entcodierung, den Hack. Er prangert Firewalls, die Verfolgung von Wikileaks, gesperrte Kommentarfunktionen und Astroturfing an, sagt »Wir sind das Medium«, dass Millionen von Menschen an der Entwicklung des Internets beteiligt waren und wir es selber weiter gestalten sollen. Großer Applaus! Auch für sein »word«-Hacking, das das Schreibprogramm in eine Schönheit ohne Formatierung, mit einem Font und einer Größe verwandelt.

Getantze Schrift

Weniger kämpferisch aber genauso radikal und mit großer Expertise und Leidenschaft stellte Typedesigner Peter Bil’ak von der Typotheque seine drei shifts vor: Es ist wie »Musik mixen« sagt er über die technischen Möglichkeiten Schriften zu entwerfen – und fehlen die Programme, lässt er sie schreiben. Sein zweiter shift: ein großartiges Projekt zu Bewahrung indischer Sprachen, von denen es insgesamt 400 gibt, aber 350 von ihnen von immer weniger Menschen gesprochen werden und von dem Aussterben bedroht sind. Um sie zu bewahren, übersetzen sie sie in digitale Fonts und entwickeln Unicodes, damit sie auf allen Computern zu lesen sind. Der dritte shift schließlich seine Leidenschaft, Schrift in körperliche Prozesse zu übersetzen. Dazu arbeitet er bei modernen Tanzkompanien mit, entwickelt Licht- und Bühnenschrifträume, oder hat den Dance Writer entwickelt, bei dem, jetzt auch als App, Buchstaben getanzt werden.

Nachher geht es weiter mit einem launigen neuseeländischen Typedesigner und einem tanzenden Alleskönner!




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