Ausweitung der Designzone: Vom Designer zum Designmanager

AGD-Geschäftsführerin Victoria Ringleb schreibt in ihrer Kolumne diesmal über den Designer als Berater.



Roland Mietke, Gründer der »Nachhaltigkeits-Manufaktur« GreenDesignNOW! in Nürnberg, hat die Designzone ausgeweitet und nennt sich heute Designmanager. Für diese Berufsbezeichnung hat er sich entschieden, weil er zunehmend als Design- oder gar Unternehmensberater denn als Gestalter im traditionellen Sinne engagiert wird. Im Auftrag von Unternehmen etabliert er methodische kreative Prozesse und verankert nachhaltige und zukunftsträchtige Ideen in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter.

Auf der Suche nach der Zukunft

Um am Markt erfolgreich zu sein, müssen Produktinnovationen die maßgeblichen Megatrends der Zeit berücksichtigen. Am Anfang des 21. Jahrhunderts sind das etwa Themen wie demografischer Wandel, Klimawandel oder Mobilität. Der Kopfhörer-Hersteller Sennheiser hat daher die Forschungsunit Sennheiser Innovation AG ins Leben gerufen. Hier erforschen Designer, Marktforscher, Betriebswirte und Ingenieure die Themen der Zukunft. Mit Instrumenten und Methoden des Design Thinking, wie etwa Szenariotechniken, sammelt und ordnet das Unternehmen in Workshops Ideen, wie sich die Welt entwickeln könnte und welche Konsequenzen dies für Sennheiser und seine Produkte haben wird.

»Firmen suchen nach neuen, kreativen Zugängen zu ihren Fragestellungen. Damit tut sich ein interessantes Tätigkeitsfeld für uns Designer auf: die Beratung und Moderation unternehmens- strategischer Prozesse«

Zuletzt widmete sich das Team unter anderem dem Megatrend Urbanisierung und Luftverschmutzung und zog Roland Mietke als Ideengeber und Moderator hinzu. Eineinhalb Tage lang entwickelte er gemeinsam mit den Mitarbeitern Szenarien, wie Menschen in einer urbanisierten Welt leben werden. Dabei beschäftigten sie sich zum Beispiel mit Fragen wie: Welche Rolle wird Urban Gardening in Zukunft spielen? Ist es mit Blick auf nachhaltige Pflanzenproduktion der richtige Weg? Wie denken Menschen, die im urbanisierten Raum leben? Welche Rolle spielt der rurale Raum in ihrem Leben? Welche Produkte werden sie kaufen?

Daraus abgeleitet fragten sich die Workshop-Teilnehmer, welche Produktinnovationen Sennheiser braucht, um in einer solchen Zukunft erfolgreich zu sein und wie das Unternehmen seine Marketingstrategien ausrichten sollte. »Sind Hipster heute die 20-Jährigen, die hochwertige Kopfhörer zum Musikhören kaufen? Oder sind es nicht eher die über 50-Jährigen mit der Harley Davidson in der Garage?«, fragte  Roland Mietke zum Beispiel spitz.

Designer als Berater

Für Roland Mietke sind solche Projekte ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu seiner professionellen Positionierung: »Firmen suchen nach neuen, kreativen Zugängen zu ihren Fragestellungen. Damit tut sich ein interessantes Tätigkeitsfeld für uns Designer auf: die Beratung und Moderation unternehmensstrategischer Prozesse. Das ist eine spannende Erfahrung.«

Denkbar ist nicht nur die Beratung der Unternehmen direkt, sondern auch die Beratung von Unternehmensberatungen in Fragen der Kreativität und Gestaltungskompetenz – die sie eigenen Verlautbarungen zum Trotz dringend brauchen. Im Grunde ist das nichts anderes als: Design Thinking at its best.


Victoria Ringleb ist seit 2010 Geschäftsführerin der AGD. Sie hat Kommunikationswissenschaften und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Jena, Cambridge und Brisbane studiert. Alle weiteren Ihrer Kolumnen lesen Sie hier.

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