Karrieresprung: The Pictoplasma Character Forum

Im Publikum: Vertreter von Lego, Disney, Agent Pekka, auf der Bühne: Illustratoren und Grafikdesigner, die ihre Projekte vorstellten – und jede Menge wertvoller Tipps bekamen, wie ein ideales Konzept und eine ideale Präsentation aussehen …



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Nie, aber auch wirklich nie, entschuldigst du dich, wenn du auf einer Bühne stehst. Nie machst du deine Arbeit klein oder sprichst negativ oder zweifelnd über sie. Das waren nur einige der Ratschläge, die die Branchenschwergewichte dem Nachwuchs auf dem ersten Pictoplasma Character Forum gaben, einer exklusiven Veranstaltung im Pecha Kucha Stil, zu der sich die Teilnehmer der Pictoplasma Konferenz im Vorfeld bewerben konnten.

Während der ausgewählte Nachwuchs, darunter viele Absolventen der Pictoplasma Academy, auf der Bühne schwitzte, machten es sich die Profis in den Samtsessel im Grünen Salon der Volksbühne bequem. Unter ihnen Alex Webster von der Oscar-gekrönten Filmproduktion Passion aus London, Michael Feder vom dem Production Studio Hornet, Cynthia Bodin von Lego, Orion Ross von Disney, Mike Moon von Sony Pictures Animation, Pablo Steffa von der Illustratoren-Agentur Agent Pekka.

Kein Wunder also, dass den jungen Illustratoren, Grafik- und Characterdesignern auf der plüschigen Bühne die Beine weich wurden.

Sechs Minuten Zeit und in 20 Bildern konnten sie ihre Projekte vorstellen, zwei Minuten wurden anschließend von den Profis Fragen gestellt und Ratschläge gegeben.

Die Koreanerin Seyeon Juhnn sorgte mit ihrer Idee zu einer Animationsserie, die sich um Frühstücks-Superhelden dreht, die in der U-Bahn in Seoul Sandwiches zücken und die Botschaft verbreiten, dass ein gutes Frühstück die Welt retten kann, für Applaus. Die einzelnen Character müssten aber noch mehr ausgebaut werden, bekam sie mit auf dem Weg.

Was der junge Argentinier Dante Zaballa so richtig wollte, außer über die Arbeitsbedingungen von Illustratoren zu verzweifeln und um Rat zu bitten, wie man freie und bezahlte Arbeit zusammenbringen kann, wurde keinem so richtig klar. Dabei hatte er interessante Character im Gepäck, für die er ein paar anerkennende Worte bekam. Doch als er meinte, die hätte er kurz vorher schnell gemalt, wurden ihm klipp- und klar-gemacht, dass man seine eigene Arbeit in der Öffentlichkeit nie, und wirklich nie, klein reden dürfe, geschweige denn auf einer Bühne.

Das Karen Anna Solberg Sandholm die anderen allerdings sehr gerne klein reden würde, zeigte sie mit ihrer wütenden Ente, einem Character, der während ihres Jobs in einem Callcenter erstand, in dem es sehr viele unhöfliche Anrufer gab. Sie konnte anschließend genau darlegen wie sie ihren Character vermarkten möchte, während Paulina Sadowska etwas schlingernd durch ihre tollen Illustrationen führte, die von Grandpa’s Adventures in Afterlife, einem Comic über einen Opas im Himmel, zu Sonnen beschienenen Backgrounds reichten, und der Finne Ossi Pirkonen seine Maskbots, Robotor mit prähistorischen Masken vorstellte. Es kam gut an, dass er die Metaebene gleich mitpräsentierte, die kulturellen Hintergründe der Masken klar beschrieb.

Straight, gut struktiriert und genauso wie das Profi-Panel es sich wünschte, war auch die Präsentation von Caroline Attia Larivière, die ihr Animations-Projekt über eine Piratencrew zeigte, die in einer Buddel gefangen ist, immer wieder versucht, dort auszubrechen und zahlreiche Abenteuer erlebt.

Insgesamt war die Mischung der Arbeiten interessant, die Präsentation durchwachsen und besonders hervorstachen vor allem zwei der 17 Projekte, deren Macher gleichzeitig auch die passende Begeisterung dafür mit auf die Bühne brachten.

Pablo Fernández del Castillo, kurz Pabs genannt, wie es auch auf seinem Cap stand, hatte die Animations-Serie Pabs Headquartes mitgebracht. In einem riesigen Kopf eines kleinen Jungen ist darin eine ganze Werbeangentur untergebracht, die dort arbeitet und dem Kleinen in seine Entscheidungen reinpfuscht. Ein Spiel könnte daraus zusätzlich entstehen und auch Figuren zum Sammeln.

Seine Crew zusammen hatte auch Adolf Rodriguez Guillen aus Barcelona, der die Serie The Finger Guns entwickelt hat. Eine Cop-Serie, mit vielen Anspielungen auf die Seventies, und somit nicht nur für die Kinder, sondern auch für deren Eltern interessant. Im Village San Ballistico kämpfen die guten Cops gegen böse Gangster und schießen dabei mit den Finger, ebenso wie man es als Kind getan hat. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass einer, der erschossen wurde, in der nächste Folge wieder auftaucht – ganz wie im Kinderspiel.

20-Minuten-Episoden sind geplant, einziger Einwand war, dass Guillens Figuren keine Gesichter haben und man sich darüber sorgte, wie man Ausdruck und Lebendigkeit hinbekommt. Bei einem allerdings wackelt der Schnurrbart beim Sprechen und auch alle anderen abstrakten Gesichter sind ständig in Aktion.

Was sind beim anschließenden Come together für die 17 Teilnahmer an Zukunftsaussichten ergab, wissen wir nicht. Die Chance hier zu präsentieren allerdings enorm und auch, wenn man mit seinem Projekt nicht erfolgreich punkten konnte, hat man gelernt was, jenseits von Idee und Können, für zukünftige Pitches wichtig ist:  je klarer eine Präsentation ist, je durchdachter aufgebaut, pointiert, mit klarer Zielgebung, Metaebene und positivem Elan untermalt, desto erfolgreicher ist sie.

Mehr zur Pictoplasma 2015.




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