Zum 100. Jubiläum: Erik Spiekermann rekonstruiert Bauhaus-Schriften

Zum 100. Jubiläum des Bauhaus 2019 hat Erik Spiekermann mit Typo-Experten und Studierenden fünf Schriftklassiker legendärer Bauhaus-Meister vervollständigt. Die ersten kann man jetzt kostenlos downloaden.



Zum 100-jährigem Gründungsjubiläum des Bauhaus wird eine »Route der Moderne« durch ganz Deutschland führen, es wird große Schauen in Dessau, Weimar und Berlin geben und zahlreiche Veranstaltungen.

Im Rahmen des Jubiläums hat auch Adobe ein besonderes Projekt ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit dem Bauhaus Dessau, Schriftgestalter Erik Spiekermann, Kollege Ferdinand Ulrich und einen Team von Typografen und Design-Studierenden werden fünf Schriften aus Typografie-Skizzen und Buchstabenfragmente legendärer Bauhaus-Meister vervollständigt.

Der Typograf und Maler Joost Schmidt (1893-1948) gehört ebenso dazu wie der Maler und Fotograf Xanti Schawinsky (1904-1979), der Maler Carl Marx (1911-1991), der Architekt Alfred Arndt (1898-1976) und der Maler und Architekt Reinhold Rossig  (1903-1979).

Als die Nationalsozialistische Partei das Bauhaus Dessau 1942 schloss, wurden die teilweise unvollendeten Arbeiten gerettet und in Archiven verwahrt. Bis heute lagerten sie dort und fünf Schriftsätze werden jetzt nach und nach abgeschlossen und, um ihre allgemeine Nutzung zu ermöglichen, in Form von Typekits digitalisiert.

Die besondere Herausforderung war, sich in die Arbeit und Ideen der Bauhaus-Meister einzudenken und von dort aus zu nachzuvollziehen wie diese ihre Schriften fertiggestellt hätten.

Drei Schriften sind bisher fertiggestellt worden und können hier heruntergeladen werden:

Xants gestaltete Luca Pellegrini von der ECAL Lausanne gemäß der Schrift von Bauhaus-Meister Xanti Schawinsky, der neoklassische Elemente mit Schablonen-Ästhetik verband. Verschiedene Schriftstärken treffen aufeinander und geben der neu gezeichneten Schrift einen zeitlos zeitgemäßem Look.

Joschmi, die sich durch ihre monolineare, verdichtete Form auszeichnet, gestaltete Flavia Zimbardi, brasilianische Typedesignerin, die zur Zeit in New York arbeitet, basierend auf der Arbeit von Bauhaus Meister Joost Schmidt.

Seine unvollendete Schablonenschrift zeichnete er 1930 auf Rasterpapier aus Halb- und Viertelkreisen und Quadraten. Aus gerade mal sechs originalen Buchstaben, a, b, c, d, e, g, gestaltete Flavia Zimbardi einen vollständigen Schriftsatz, zeitgemäß erweitert durch Großbuchstaben und Ziffernsätze.

Am 3. Juli erscheint eine Schrift, die Hidetaka Yamasaki nach der Arbeit von Bauhaus Meister Carl Marx vollendete. Im August erscheint ein Schriftsatz nach der Idee von Bauhaus Meister Alfred Arndt, die Celine Hurka fertigstellte und im September wird die Schrift von Bauhaus Meister Reinhold Rossig veröffentlicht, die Elia Preuss zu Ende führte.

Das Bauhaus-Projekt ist Teil der Adobe »Hidden Treasures«-Initiative, die verloren gegangene Gestaltungsgeschichte digital wiederbelebt. Im letzten Jahr arbeitete das Softwareunternehmen mit dem Munch-Museum zusammen und bildete die Pinsel des Malers digital nach.

Über die Rekonstruktion der Bauhaus-Schriften hinaus schreibt Adobe fünf »Hidden Treasures« Design-Wettbewerbe aus, in denen mit den Schriften gearbeitet wird.

»Schrift ist für die Kultur, wie für uns die Luft zum Atmen. Ohne das Geschriebene gäbe es keine Kultur«, sagt Erik Spiekermann über das tolle Bauhaus-Projekt, das die Schriftklassiker zu neuem Leben erweckt.

 

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Verborgene Schätze

 


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