Schweizer Rektorat

Die Foundry Nouvelle Noire entwickelte eine Schriftfamilie, die sich an die frühe Moderne anlehnt. 



Die Formen der Rektorat basieren auf der Beschriftung, die  nach 1933 für das Gebäude der Kunstgewerbeschule Zürich (heute ZHdK) und dem Museum für Gestaltung gezeichnet wurde.

Vor Abschluss der Renovierung (2001) der Kunstgewerbeschule – ein Gebäude, aus der Zeit des Neuen Bauens – wurde Rudolf Barmettler, Dozent für Typographie und Schrift, angefragt, ob er anfallende Beschriftungen wie WC Damen, WC Herren, Wickeltisch, Galerie, Raucherzone, Anlieferung, Kein Durchgang und so weiter aus den wenigen bestehenden Hinweistafeln von früher, die im Hauptgebäude angebracht waren, ableiten und zu den bestehenden ergänzen könnte: Für den Schriftunterricht war diese Anfrage eine willkommene Herausforderung.

Mit Studierenden der Abteilung Visuelle Gestaltung erarbeitete Barmettler eine Rekonstruktion, ausgehend von Fragmenten, die bei der Erneuerung der Tapeten zum Vorschein kamen. Zuerst wurden die noch existierenden Buchstaben mit Bleistift auf Transparent-Papier durchgepaust, eine Auswahl dann mit Deckfarbe und Tusche ins Reine übertragen.

Ziel war es, ein Alphabet in Versalien, Gemeinen, Ziffern und Interpunktionen für den Gebrauch im Haus zu entwerfen.

2002 fand in seinem Unterricht an der Gestaltungsschule F+F eine Weiterentwicklung dieser Schrift statt. Ein Jahr später entwickelte Rudolf Barmettler mit Studierenden einen mageren, einen normalen sowie einen fetten Schnitt in drei verschiedenen Weiten.

Der Typograf Reinhard Haus, mit dem Barmettler das Schriftmodul an der F+F betrieb, half ihm später, die Reinzeichnungen der Studierenden in der Software Fontographer auszubauen.

Das Ergebnis waren die zwei Varianten Textschrift und Displayschrift, daraus erarbeiteten sie je neun Schnitte. In der Phase der ersten Digitalisierung war Square der Arbeitstitel der Schrift. Leider konnten die 18 Schnitte nie finalisiert werden.

Seit 2014 überarbeitet Rudolf Barmettler, zusammen mit dem Typedesigner Anton Studer, diese bisher nie endgültig realisierte Schrift grundlegend. Sie zeichneten sämtliche Zeichen neu, definierten die Proportionen um, richteten die Innenformen frischer aus und verfeinerten die Radien in den Rundungen. Viele Zeichen modifizierten sie komplett  und entwickelten Interpunktionen und Akzentzeichen neu. Zusätzlich wurde der Zeichensatz um diverse Ligaturen, einige Alternativzeichen und einen tabellarischen Ziffernsatz ergänzt.

So entstand die Schriftfamilie Rektorat mit sieben Stärken in zwei Stilvarianten. Diese vierzehn Schnitte bilden den Anfang einer geplanten Sippe. Für knapp 700 Schweizer Franken kann man die Familie bei Nouvelle Noire kaufen. Von allen Fonts gibt es kostenlose Trial-Versions. Dafür klickt man im Warenkorb Trust License an.


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