Holz oder doch nicht?

193 Zeichen schnitt der Typedesigner Felix Braden manuell in Holz, druckte sie und digitalisierte verschiedene Druckbilder. So kann man das Schriftbild eines handgemachten Holzdrucks täuschend echt nachbilden.



Inspiriert von den handgemachten Drucken seiner Frau entschied sich Felix Braden, einen kompletten Schriftsatz in Holz zu schneiden und manuell zu drucken. Er begann bei einer seiner Lieblingsschriften – Century Schoolbook – den Wechselstrich zu reduzieren um auf dieser Basis eine Clarendon zu zeichnen. Er digitalisierte einen leichten und einen fetten Schnitt, um daraus einen halbfetten Schnitt zu interpolieren und in Holz zu schneiden.

Nach Testläufen mit verschiedenen Materialien und Größen, entschied er sich für einen Holzschnitt mit einer Schriftgröße um 150 Punkt und schnitt einen kompletten Schriftsatz auf fünf Druckplatten. Auch beim Papier waren viele Testdrucke nötig. Letztendlich fiel die Wahl auf ein mattgestrichenes Druckerpapier mit glatter Oberfläche, denn auf rauen Papieren sind die Druckeffekte kaum sichtbar und gehen durch die starke Papierstruktur verloren. Jede Platte wurde in einer Auflage von 30 Stück gedruckt und jeweils vier Qualitäten für die Digitalisierung gewählt: Ein normaler Druck, einer mit halber Kraft und zwei Folgedrucke ohne neuen Farbauftrag.

Anschließend scannte Felix Braden den kompletten Satz und sammelte alle Glyphen eines Druckgangs in einer Bilddatei. Um einfache Pfade für die Vektorisierung – mit Georg Seiferts Glyphs-Erweiterung »Trace Image« – zu bekommen, musste er die Bilder mit einem Weichzeichner und dem Helligkeit-interpolieren-Filter in Photoshop bearbeiten, denn in einem gut funktionierenden Font sollten die einzelnen Glyphen nicht mehr als 1000 Punkte und nur gerade Konturlinien besitzen. Schließlich bearbeitete der Kölner Typedesigner alle Zeichen in Glyphs, optimierte sie und generierte die Fonts.

Die Kontiki Familie bietet vier Schnitte mit unterschiedlichem Druckbild als separate Schriftdateien mit jeweils 560 Glyphen. Die Pro Version vereint alle 2240 Zeichen in einer Schriftdatei und enthält die einzelnen Varianten als Stylistic Alternates. Außerdem ermöglicht das Opentype Feature Contextual Alternates eine zufällige Variation der Glyphen mit unterschiedlichem Druckbild. Beim Kauf der Pro Version sind die einzelnen Schnitte kostenlos enthalten. Wer mit seiner Layout-Software keinen Zugriff auf diese Opentype Features hat, sollte besser die Einzelschnitte verwenden. Alle anderen sollten aber auf jeden Fall die Pro Version nutzen, schon wegen des optimierten Kernings bei Glyphen aus unterschiedlichen Schnitten.

Kontiki enthält Versal- und Mediävalziffern für Fließtext und Tabellensatz sowie mathematische Zeichen und gängige Währungszeichen in allen vier Schnitten. Um den Bedürfnissen der globalen Kommunikation gerecht zu werden, bietet Kontiki eine umfangreiche Sprachunterstützung für alle west-, ost- und mitteleuropäischen Sprachen. Erhältlich ist sie bei Myfonts, momentan zum halben Preis. Die Pro Version kostet jetzt 27,50 Euro.


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