Fonts in Progress

Ein neues Geschäftsmodell praktiziert die Foundry Future Fonts: Typedesigner können schon im Entwurfsprozess Geld für ihre Alphabete bekommen und die Käufer Einfluss auf Gestaltung und Ausbau der Schriften nehmen.



Typedesign muss kein einsames Geschäft mehr sein. Denn die neue Plattform Future Fonts macht daraus einen kollaborativen Prozess. Die Idee ist ganz einfach: Anstatt monate- oder gar jahrelang an einer Type zu arbeiten, um dann möglicherweise festzustellen, dass sich die Nachfrage in Grenzen hält, können die Gestalter sie auf Future Fonts schon während des Entstehens anbieten. Minimalanforderung ist eine arbeitsfähige Schrift, sie sollte möglichst die Buchstaben von A bis Z, Ziffern und Satzzeichen enthalten. Interessierte können die Fonts in Progress von Anfang an erwerben, je früher, desto günstiger. Für Updates, wie etwa zusätzliche Schnitte, müssen sie dann nichts mehr bezahlen.

Allerdings gibt es keine Garantie, dass die Schrift weiter ausgebaut wird. Für Schriftgestalter und -käufer bietet das Projekt, hinter dem Lizy Gershenzon und Travis Kochel vom Studio Scribble Tone aus Portland sowie James Edmondson von der Foundry OH no Type aus San Francisco stecken, also gleichermaßen Vorteile.

Momentan gibt’s bei Future Fonts 27 Schriften, die meisten in der Version 0.1, also noch am Anfang ihrer Entwicklung. Bei der Auswahl gehen Lizy Gershenzon, Travis Kochel und James Edmondson sehr sorgfältig vor: »Wir wollen Gestalter, die schon Erfahrung im Typedesign haben, die wirklich gute Arbeit machen wollen, ihren eigenen Ideen folgen, aber offen für Gedanken und Feedback von außen sind«, so Travis Kochel. Aber man kann sich auch bewerben: einfach ein PDF mit den Schriftentwürfen an submissions@futurefonts.xyz schicken.

Viele Gedanken haben sich die drei Gründer darüber gemacht, welche Angaben zu den Schriften sie online stellen sollten. »Am wichtigsten ist natürlich, inwieweit das Glyphenset komplett ist und wie viele Schnitte es gibt«, sagt James Edmondson, aber wir wollen auch Infos über Spacing, Hinting, Kerning und OpenType-Features liefern, Aspekte, über die Anwender möglicherweise gar nichts wissen. So können sie sehen, wie viel Arbeit in eine Schrift fließt, und deshalb eher verstehen, warum sie Geld kostet.«

Noch mehr zur Foundry Future Fonts sowie Stimmen aus der Branche zu dem neuen Businessmodell lesen Sie in PAGE 7.2018, die Sie hier bestellen können.

»Crowdfunding für Schriften – eine schöne Idee«

Wir kaufen unsere Schriften zum Teil über Fontabos, zum Teil als Lizenzierungen von verschiedenen Anbietern. Deshalb werden wir uns auch bei Future Fonts umschauen – unverbrauchte, gute Schriften haben einen sehr hohen gestalterischen Wert und rechtfertigen auch höheren Rechercheaufwand. Wenn die Bibliothek dort wächst, sollten die Verantwortlichen die Schriften nach Kriterien ordnen, das spart viel Zeit. Beim aktuellen Umfang des Angebots ist das aber noch nicht nötig.

Daniel Reiss, Mitgründer von Eat, Sleep + Design, Berlin


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