Welches Papier für welche Veredelung?

Um ein Papier einsetzen zu können, das ästhetischen und technischen Ansprüchen genügt, muss man wissen, welche Veredelungen, Druckverfahren und Bindungen zu welcher Sorte passen.



Veredelungen sollte man bereits bei der Papierwahl berücksichtigen. So sind Prägungen auf gestrichenen Papieren ebenso wenig sinnvoll wie das Kaschieren einer ungestrichenen mit einer gestrichenen Sorte. Wer dann noch das Druckverfahren und die spätere Bindung oder Falzung von Beginn an berücksichtigt, sollte keine bösen Überraschungen erleben. Die Abbildung zeigt das Cover von »Gotteswerk«, dem Kundenmagazin der Druckerei Gotteswinter und Aumaier.

Das Münchner Designbüro Milch+Honig wählte die schwarze Bramante Colorpappe von Friedrich Römer in 630 Gramm, damit die eingelegten Puzzleteile gut halten. Auf die rauere Seite des Kartons kaschierten die Designer Fedrigonis Constellation Snow Raster in 240 Gramm und prägten es zusätzlich. Bedruckt wurde diese Konstruktion beidseitig mit einem Pantone-Ton, und zwar zweimal, um die Leuchtkraft zu erhalten.

Welches Papier für welche Veredelung?

Prägung. Je weicher und dicker ein Papier, desto besser, sprich tiefer, lässt sich prägen. Für den Buchdruck (Letterpress) sind Papiere aus Baumwolle am beliebtesten, weil sie weicher sind als andere Sorten. Gerne werden auch Büttenpapiere verwendet oder dickere ungestrichene Papiere sowie Kartons, die entweder aus Frisch- oder aus Recyclingfaser bestehen. Grundsätzlich eignen sich fürs Prägen hohe Grammaturen. So lässt sich ein besserer Effekt erzielen. Da man bei dieser Veredelungstechnik einen interessanten haptischen Effekt erreichen möchte, sind gestrichene Sorten weniger sinnvoll. Wer Prägungen mit Heißfolie einsetzen will, sollte bei dunklen Materialien darauf achten, dass sie durch ihre Rezeptur die Folie nicht abstoßen – also lieber beim Druckdienstleister nachfragen.

Laserstanzung. Nahezu jedes Material lässt sich einsetzen, außer solche, die schmelzen könnten. Eine Laserstanzung verursacht in der Regel leichte Schmauchspuren, daran sollte man bei der Gestaltung denken. Am besten vor der Auflage ein Muster produzieren lassen.

Farbschnitt. Hier muss man zwischen Farbschnitt mit und ohne Folie unterscheiden. Bei Ersterem stehen nur die Folienfarben zur Verfügung, diese decken aber besser, vor allem bei offenen Papieren. Mehr Töne stehen für den Farbschnitt zur Auswahl, bei dem statt Folie die Farbe direkt aufgetragen wird, sie sind aber in der Regel weniger deckend, vor allem Naturpapiere saugen Farbe stärker auf.

Kaschieren. Normalerweise verklebt man zwei ungestrichene Papiere miteinander, selten ein gestrichenes mit einem ungestrichenen. Unterscheiden sich zwei Materialien zu stark, kann es zu Spannungen kommen, die das Papier wölben. Eine maschinelle Kaschierung macht bei großen Auflagen Sinn. Bei kleinen Mengen im Digitaldruck nutzt man eher eine Handkaschiermachine oder die Multiloft-Technologie (siehe Kasten auf Seite XX).

UV-Lack. Grundsätzlich lassen sich alle Papiere verwenden. Da es bei dieser Veredelung aber in der Regel um den Kontrast zum Material geht, kommen häufig sehr offene Papiere zum Einsatz.

Neonfarben. Jedes Papier ist mit ihnen bedruckbar, mittlerweile nicht mehr nur im Offset, sondern auch auf einer HP Indigo, für die es spezielle Neonfarben gibt. Diese stehen auf jedem Papier gut, im Offset sinkt die Farbe stärker ins Papier ein, und der Neoneffekt ist dort auf einem Naturpapier nicht ganz so knallig wie auf einem glänzenden Papier oder einem Chromokarton.

Metallicfarben. Bisher ausschließlich im Offset möglich. Wobei es nur gestrichene Sorten erlauben, zum Beispiel Autolacke perfekt zu reproduzieren (wobei man für das gewünschte Ergebnis auch noch die Weiße des jeweiligen Papiers berücksichtigen muss). Eine noch recht neue Methode, Lackeffekte zu erzielen, ist die Kaltfolie, die aber auch nur auf gestrichenen Sorten hält. HP Indigo bringt gerade die Farbe Silber auf den Markt, mit der Metalliceffekte im Digitaldruck möglich werden. Sollte das funktionieren, ließen sich Metallictöne erstmals digital erzeugen und auch sehr gut auf ungestrichenen Papieren umsetzen. Wir warten auf den Farbfächer . . .

Welches Papier für welches Druckverfahren?

Offsetdruck. Prinzipiell eignet sich jedes Papier, wobei ungestrichene Sorten etwas längere Trocknungs- und damit auch Durchlaufzeiten haben. Umgehen kann man dies durch Offset mit UV-Trocknung oder das Verwenden filigraner Lacke – inzwischen gibt es Lacke, die die Papieroberfläche lediglich leicht verändern. Ein Problem gestrichener Sorten ist der Falzbruch. Wer ein gutes Ergebnis haben will, sollte nicht über den Falz gestalten und von Bilderdruckpapieren Abstand nehmen.

Digitaldruck. Hier muss man zwischen dem Trockentoner- und dem HP-Indigo-Druck unterscheiden. Letzterer ist das führende Verfahren in puncto Formatvielfalt und Druckqualität, allerdings verhält es sich auch etwas zickiger, was Papiere angeht. Deshalb sollte man nur Sorten nutzen, die vom Anbieter zertifiziert wurden. Da die Farben beim HP-Indigo-Druck stärker auf dem Papier stehen, sind die Ergebnisse gerade bei Naturpapieren zum Teil besser als im Offset. Papiere, die stärker sind als 350 Gramm, lassen sich nicht mit einer gewöhnlichen HP Indigo bedrucken. Alternativ kann man kaschieren oder die Multiloft-Technologie einsetzen, mit der man wie bei einem Sandwich – drei oder mehr Schichten Karton werden zusammengefügt – Karten bis zu 1200 Gramm produzieren kann. Der Digitaldruck auf Basis von Trockentoner ist eine Lasertechnologie, die preisgünstiger ist, qualitativ aber nicht an die HP Indigo herankommt. Dafür funktionieren beim Druck mit Trockentoner mehr Sorten als die für die HP Indigo zertifizierten Papiere.

Siebdruck. Bei dieser Technik wird Farbe durch ein Sieb auf das Material gedrückt. Das kann manuell geschehen, etwa für künstlerische Arbeiten und kleine Auflagen, oder maschinell, zum Beispiel um ein schwieriges Covermaterial zu bedrucken. Insbesondere beim Handsiebdruck kommen oft Farben auf Wasserbasis zum Einsatz. Das Papier muss daher saugfähig sein, etwa aus Baumwolle. Dickere Papiere eignen sich eher als dünnere, da sie mehr Volumen haben, um die Feuchtigkeit aufzunehmen.

Welches Papier für welche Bindung?

Bindesystem. Mit Drahtspiralen, Plastikkämmen, Ringen oder Schrauben kann man alle Materialien binden. Schließlich bohrt man einfach mechanisch Löcher ins Papier.

Klebebindung. Hier müssen Papier und Kleber miteinander funktionieren. Probleme kann es geben, wenn das Papier zu dick oder beschichtet beziehungsweise veredelt ist. Möglicherweise reagiert der Kleber mit dem Papier oder dem, was darauf gedruckt ist, hält nicht mehr einwandfrei oder macht das Papier sogar kaputt.

Lay-Flat-Bindung. Hier werden zwei Blätter vollflächig miteinander verklebt, sodass sie sich ganz plan aufschlagen lassen. Ein offenes Papier eignet sich dafür besser, weil bei gestrichenen Sorten die Gefahr groß ist, dass sie Wellen bilden. Zu dünn darf es ebenfalls nicht sein (ab 170 Gramm).

Fadenheftung. Hier kommt es auf die Grammatur an. Die Bogen werden vor dem Nähen zunächst gefaltet. Dieses funktioniert bis etwa 170 Gramm.

Falzung. Gleiches gilt, wenn die Bogen nur gefalzt werden, ohne sie später zu heften, zu vernähen oder zu kleben. Will man dickeres Papier falzen, muss man es zunächst mit einer Nut versehen.


Noch viel mehr Infos zur Papierwahl und viele schöne Beispiele finden Sie in PAGE 01.2019.


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