PAGE Interview: Nikolai Bockholt über Android

Nikolai Bockholt ist Digital Media Designer und freiberuflicher Actionscript-Entwickler. Er hat in der Vergangenheit mit verschiedenen Agenturen für internationale Kunden (adidas, Nestlé oder UniCredit) Flash-Projekte wie Webspecials, Microsites und AIR-Applikationen umgesetzt. Aktuell arbeitet er intensiv mit Flash und AIR auf mobilen Endgeräten. In diesem Interview tauchen wir mit ihm tiefer in die Android-Thematik ein.



Nikolai Bockholt ist Digital Media Designer und freiberuflicher Actionscript-Entwickler. Er hat in der Vergangenheit mit verschiedenen Agenturen für internationale Kunden (adidas, Nestlé oder UniCredit) Flash-Projekte wie Webspecials, Microsites und AIR-Applikationen umgesetzt. Aktuell arbeitet er intensiv mit Flash und AIR auf mobilen Endgeräten. In diesem Interview tauchen wir mit ihm tiefer in die Android-Thematik ein.

Sie kommen eher aus der »Flash-Ecke«. Nun hat Apple unlängst einen Nachruf auf Flash ausgesprochen – doch Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Fangen wir doch gleich hier einmal an: Wie sehen Sie die Zukunft – mit oder ohne Flash?
Definitiv mit Flash – allein schon aufgrund mangelnder gleichwertiger Alternativen.

Und wieso?

Flash ist in den letzten Jahren im Multimediabereich eine unverzichtbare Technologie geworden. Auch wenn es für spezielle Anwendungen mittlerweile sinnvolle Alternativen gibt (z.B. HTML5 für Videoplayer), lassen sich designlastige und interaktive Applikation immer noch besonders gut und mit moderatem Aufwand in Flash umsetzen.

Warum und wie sind Sie zu Android gekommen? Sozusagen als Flash-Retter?
Wie viele habe auch ich die Ankündigung von Adobe sehr begrüßt, Actionscript-Projekte mit Flash CS5 als iPhone-Applikation exportieren zu können. Als ich auf der Flashforum Konferenz 2010 in Köln war, gab Apple bekannt, dass man »fremdkompilierte Apps« nicht in den App-Store zulassen wolle. Diese eher politische Entscheidung traf natürlich einen empfindlichen Nerv bei einigen Entwicklern. Als sich dann rausstellte das Google auf Flash und AIR nicht verzichten wird, habe ich bei der Vertragsverlängerung meines Mobilfunkproviders nicht nach dem iPhone sondern dem HTC Desire verlangt. Ein wenig Trotz mag dort mitgeschwungen sein.

HTC Desire

Ist es sehr schwierig und aufwändig hier zu entwickeln? Wie beurteilen Sie das System aus der Sicht eines Entwicklers?
Aus der Sicht eines Entwicklers ist es recht einfach, eine erste »HelloWorld« Android-Applikation zu erstellen. Das SDK bietet Google zum Download an, entwickeln kann man z.B. in Eclipse, was noch das Java-SDK vorraussetzt. Das kennen viele Flashdeveloper schon. Java ist durch die Nähe zu Actionscript 3 auch eine sehr dankbare Sprache. Mit einem Knopfdruck wird die Anwendung ins APK-Format kompiliert und per USB auf das Mobiltelefon geschoben, wo sie dann getestet werden kann.

Was sehen Sie als die größten Stärken von Android?

Android ist eine quelloffene, freie Plattform, die in verschiedensten Endgeräten Anwendung finden kann. Das Entwickeln der Apps geht recht einfach und Google lässt den Developern freie Hand was den Content angeht. Ein offenes Dateisystem erlaubt eine völlige neue Freiheit (z.B. Transfer von Dateien auf und vom Telefon) denn Google ist in dem Fall nicht so stark gezwungen, die DRM-Ansprüche seiner Kunden durchzusetzen, wie Apple das mit iTunes tut.

Und was aus Ihrer Sicht die größten Android-Schwächen?
Die von Apple praktizierte »Alles aus einer Hand« Lösung hat natürlich auch Vorteile. Zum einen der Sicherheitsaspekt, Apps aus dem AppStore durchlaufen ein intensives und langwieriges Prüfverfahren. Das nervt nicht nur sondern macht aus dem Gesichtspunkt der Sicherheit Sinn. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass ein User ein gefährliches Programm aus dem AppStore installiert. Diesen Vorteil bietet Android nicht – man kann aber ohne Probleme mit einer kostenfreien Software die Apps auf mögliche Gefahren prüfen. Zusätzlich zeigt jedes Programm bei der Installation genau an, auf welche Daten und Funktionen zugegriffen werden kann.

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass auf dem Markt verschiedene Versionen des Android-OS parallel existieren. Das bedeutet die neuen Geräte nutzen alle schon Android 2.2 (Codename FroYo, Flashplayer-Update für den Browser, Apps auf der SD-Karte installieren, Tethering, etc.), es sind aber noch Geräte mit 1.6 (Donut) und 2.1 (Eclair) auf dem Markt (und werden teilweise noch herausgebracht) und es ist die Entscheidung des Hardware-Herstellern für welche Systeme entwickelt wird.

Jetzt muss man bei Android natürlich Google mögen – wie bei Iphone und iPad Apple. Das fällt im Moment etwas schwer (Stichwort Street View). Wer unterstützt denn außer Google noch Android?
Google hat mit Android eine Plattform geschaffen, an der die verschiedenen Hersteller andocken können. Solange die Hardwarevoraussetzungen erfüllt sind, kann jeder Hersteller ohne große Lizenzkosten die Android-Plattform für sich nutzen.

Der Schutz der Privatsphäre ist und bleibt in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema. Durch die starke Anbindung an die Google-Systeme (Adressbuch) und die beidseitig mögliche Synchronisierung der Daten werden die Datenschützer hier in Zukunft sicher einiges zu tun haben.

Man ist also nicht allein auf Google angewiesen, um in den Genuss eines Android-Smartphones zu kommen?
Nein, seit dem Start von Googles G1 in 2009 kommen nun auch andere Anbieter wie HTC, Samsung, Sony Ericsson, Dell, Acer, LG, Motorola und einige mehr mit android-basierten Geräten auf den Markt.

Und wohin geht die Entwicklung von Android Ihrer Meinung nach? Wohin wird es sich entwickeln? Was erwartet uns technisch? Android auf Tablet-PCs zum Beispiel?
Android auf Tablet-PCs zum Beispiel. Apple hat mit dem iPad einen für meine Begriffe eher unrunden Schnellschuss abgegeben. Hier bessern andere Anbieter gerade noch nach und werden mit offenen Systemen, USB-Anschlüssen, Kamera, hochauflösenden Touchscreens und schnelle Prozessoren sicherlich große Erfolge verbuchen.

Jetzt schon zu beobachten ist eine Aufspaltung in verschiedene Mobiltelefonansätze, d.h. kleine Geräte wie das X10 mini stehen dem großformatigen Geräten gegenüber. Der User wird also in der Zukunft eine größere Auswahl an Endgeräten zur Verfügung haben. Möglicherweise die Ausweitung des Android-OS auf Desktop-PCs.

Wie sieht die Entwicklung des Android-App-Marktes aus? Gibt es da einen ähnlichen »Goldrausch« wie bei den Apps für iPhone und iPad?
Durch die massive Werbepower Apples und die Begeisterung für iPhone und iPad war dieser Goldrauch begründet. Viele Entwickler haben Apps zum Preis von 1-3 Dollar in nur einem Monat mehr als 500.000 mal verkauft. Ich denke dies wird, wenn auch mit Abstrichen, auch mit vielen guten Android-Apps möglich sein.

Von den Apple-App-Entwicklern weiß man häufig von härteren Restriktionen, längeren Wartezeiten bis die eigene App durch die Zulassung kommt etc. Auch ist der iTunes App Store noch immer etwas umständlich organisiert. Wie sieht es denn da im Vergleich mit den Android-Apps und Store aus?

Die Vor- und Nachteile der Politik muss jeder für sich selbst ausmachen. Da ist jeder Endgeräte-Anwender anders. Für Android-Entwickler ist der Weg zur fertigen App sicher ein wenig kürzer. Java bietet einen einfachen, objektorientierten Einstieg, eine ausführliche Dokumentation mit vielen Beispielen liegt ebenfalls vor. Market ist ähnlich aufgebaut wie der AppStore und auch im Browser verfügbar. In Verbindung mit einem Google-Konto ist auch der Kauf von Apps unproblematisch. Also ein ähnliches Konzept.

Screenshot: www.android.com/market

Sie sind Digital Media Designer und freiberuflicher Actionscript-Entwickler – wo sehen Sie Ihre eigene Zukunft?
Lange sah es so aus als wenn ich die freiberufliche Tätigkeit ausweiten werde. Dies macht mir nach wie vor Spass und Nachfrage scheint genug vorhanden zu sein. Natürlich macht mir der konzeptionelle und administrative Part sehr viel Spaß. Daher habe ich vor wenigen Tagen ein sehr interessantes Angebot einer Hamburger Agentur angenommen. Details folgen im Laufe des Septembers aber so viel kann ich schon verraten: Ich werde mit einem Team von Flash-Entwicklern an spannenden nationalen wie internationalen Kunden arbeiten.

Portfolio von Nikolai Bockholt auf PAGE Online


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