10 Tipps für die Laserstanzung

Für filigrane Printobjekte ist eine Laserstanzung das Mittel der Wahl. Wir geben Tipps, was es bei der Planung, Gestaltung und Umsetzung von Lasercut-Projekten zu beachten gibt.



Die prachtvollen Vögel, die Makerie Studios aus London und New York per Lasercut gefertigt hatte, schmückten die Schaufenster der britischen Juwelierkette Mappin & Webb und verleiteten so manchen Passanten zum Stehenbleiben.

Beim Lasercut, zu Deutsch Laserstanzung, brennt ein digital gesteuerter Laserstrahl Motive oder auch Schrift in Papier und anderes Material, ohne dieses mechanisch zu beanspruchen oder auch nur zu berühren. Möglich sind feinste Ausstanzungen – eine Stanzform braucht es nicht. Dadurch ist Lasercut eine recht günstige Form der Druckveredelung, selbst für Kleinstauflagen oder Einzelstücke. Außerdem ist das Verfahren um einiges umweltfreundlicher als Lacke oder Folien. Bisher kommt es vor allem für hochwertige Printprodukte zum Einsatz: von Geschäftsberichten über Weihnachts- und Visitenkarten bis hin zu Verpackungen und Broschüren. Aber auch andere Anwendungen sind denkbar: Aufkleber, Etiketten oder Produkte. Wie wäre es mit einem gelaserten Fußball zur WM?

Tatsächlich eignet sich nahezu jedes erdenkliche Material für diese Technik: Papier, Pappe, Holz, Leder, Acryl oder auch Bananen. Lediglich von PVC ist abzuraten, hier entsteht beim Lasern giftige Blausäure. Nicht ganz so gut wie Naturpapiere sind gestrichene Sorten. Aufgrund der enthaltenen nicht brennbaren Mineralanteile neigen sie zu stärkeren Verfärbungen. Schon Papiere ab 60 Gramm lassen sich laserstanzen, auch Pappen mit einer Stärke von drei Millimetern sind kein Problem. Je filigraner das Artwork, desto stabiler sollte das Material sein, denn sehr feine Motive auf dünnem Papier können schon mal auseinanderfallen. Dies sollte man bereits bei der Gestaltung im Kopf haben und gefährdete Stellen mit etwas dickeren Stegen versehen.

Noch mehr Infos zum Lasercut und viele schöne Projekte zeigen wir in PAGE 06.2018.

Ein Sammelsurium der verschiedenen Vogelteile bekam Makerie Studios vom Dienstleister LaserCut Works zurück – gar nicht so einfach, alle Einzelteile in die richtige Ordnung zu bringen. Mit viel Geduld entstanden aus den lasergeschnittenen Teilen ganze Vögel

 

In Illustrator zeichnete Makerie Studio die gescannten Skizzen nach, fügte Details und Muster hinzu und zeichnete auch die schwarzen Schnittlinien ein. Rot bedeutet hier wird geknickt, die kleinen Kreise sind die Positionierungshinweise für die spätere Montage

 

10 Tipps für die Laserstanzung

1 Farbige Linien verwenden: Um die Art oder Funktion der Schnittlinien, zum Beispiel innere und äußere, zu unterscheiden, ist es sinnvoll, diesen schon in der Vorlage verschiedene Farben zuzuweisen.

2 Doppelt und dreifach checken: Gerade bei komplizierten Motiven muss man höllisch aufpassen, dass sich Schnittlinien nicht überlappen oder zu faltende Linien als solche markiert sind.

3 Abstand halten: Die Distanz zwischen den zu lasernden Elementen sollte mindestens einen halben Millimeter betragen.

4 Stege setzen: Die inneren Bereiche von Lettern wie A, B, O oder P müssen durch kleine Stege gehalten werden, damit die Innenteile nicht herausfallen. Am elegantesten ist es, wenn man die Haltestege als Teil der Gestaltung anlegt.

5 Als Alternative kaschieren: Wer Haltestege umgehen möchte, kann das Material kaschieren. Dafür verklebt man zuerst zwei oder mehr Lagen und lasert dann aus der obersten Ebene Teile heraus. Durch das vorherige Verkleben lösen sich keine Teile.

6 Motiv als Vektordatei anlegen: Lasercut erfordert Vektordaten, zudem müssen die Pfade geschlossen sein.

7 Mehr als Papier: Denken Sie bei der Konzeption eines Artworks auch mal an andere Materialien. Fast alles lässt sich lasern, auch Acryl, Leder oder Obst.

8 Filigranes braucht Stabilität: Je zarter das Motiv, desto stabiler sollte das Material für die Laserstanzung sein, sehr feine Motive auf dünnem Papier können auseinanderfallen. Gefährdete Stellen besser mit etwas dickeren Stegen versehen.

9 Schmauchspuren minimieren: Testen Sie, wie anfällig der gewählte Bedruckstoff für Schmauchspuren ist. Bei farbigen Materialien sind sie nicht so deutlich zu sehen wie bei weißen und bei dickerem Material mehr als bei dünnem. Betrachtet man das Artwork später nur von vorne, sollte man so lasern, dass sich die Schmauchspuren auf der Rückseite befinden.

10 Shit happens: Auch erfahrenen Lasercuttern können Missgeschicke widerfahren. Statten Sie Ihren Dienstleister mit genug Papier aus, damit er im Vorfeld ausgiebig testen kann.


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