So läuft’s bei Deutschlands berühmtestem Plakat-Wettbewerb

Interview: Daniel Wiesmann über den Wettbewerb ums Design der Kieler Woche und das Plakat zwischen Kunst und Kommerz



In PAGE 5.2019 gibt es einen großen Artikel über den aktuellen Stand des Plakatdesigns. An gelungenen Exemplaren mangelt es nicht, wie etwa diese Sammlung schöner aktueller Plakate zeigt. Schade nur, dass keine einzige Sportveranstaltung dabei ist. Der einzige sportliche Event, der auch in Sachen Design kontinuierlich positiv von sich reden macht, ist seit 1959 die Kieler Woche. Der Berliner Gestalter Daniel Wiesmann übernahm die Gestaltung des Erscheinungsbildes für 2019 – keine kleine Aufgabe, wie sich herausstellte.

 

Plakatdesign ist einer der Schwerpunkt deiner Arbeit – warst du schonmal für einen Sport-Event tätig?

Daniel Wiesmann: Eine Sportveranstaltung in dieser Größenordnung war für mich Neuland. Ich hatte mir das auch nicht ausgesucht, denn man bekommt eine Einladung zu dem Wettbewerb. Fünf Büros waren dabei, alle Gestalter werden auf die Kieler Woche des Vorjahres eingeladen. Man wird mit den anderen Grafikern zusammen gebrieft und erlebt im Juni das Fest. Der Veranstalter hat sich gut um uns gekümmert. Es waren interessante Tage, auch mit der Gruppe von Kollegen. Im August gibt man den Entwurf ab, im September kommt die Entscheidung. (So sahen die anderen eingereichten Entwürfe aus.)

Eigentlich ist es kein Plakat-Wettbewerb, sondern es geht um ein komplettes Corporate Design.

Daniel Wiesmann: Noch bei keinem meiner Projekte gab es so viele Nebenprodukte. Vom Schnuller bis zur Bierflasche, von der Krawatte bis zum Halstuch ist alles dabei. Das Plakat, von dem immer gesprochen wird, ist nur kleiner Teil, aber eben das indentitätsstiftende Visual, von dem alles andere abgeleitet wird. Auch ich habe vom Plakat ausgehend gedacht, und habe mich zuerst gefragt, was die kleinste Einheit ist, die man zum Segeln braucht – das ist eben Wasser in seiner kleinsten sichtbaren Form. So war der Wassertropfen als Thema gefunden.

 

 

 

Du hast dir auch eine ungewöhnliche Typo-Lösung ausgedacht.

Daniel Wiesmann: Im Lauf des Entwurfsprozesses wurde die Typografie an einem Punkt sehr groß. Eigentlich muss man »Kieler Woche« gar nicht mehr dazu schreiben, jeder weiß worum es geht. Ich wollte die Schrift aber so groß ziehen, dass gar nicht mehr alles aufs Plakat passte. So kam es zu der eigenwilligen Abkürzung »kiel wo«. Kurzfristig haben die Kieler befürchtet, man könnte das als Frage interpretieren, wo eigentlich Kiel ist. Aber es ist bei dem markanten Schriftzug geblieben, der dem Plakatformat geschuldet war und mit dem ich dann auch bei allen anderen Elementen des Erscheinungsbildes umgehen musste.

 

 

 

Wie vertragen sich kommerzielle Funktion und künstlerischer Anspruch bei dem Projekt?

Daniel Wiesmann: Mein Wunsch ist es, auch die Leute anzusprechen, die nicht aus dem künstlerischen Bereich kommen und kein entsprechendes Detailwissen haben. Bei der Stadt Kiel als Veranstalter steht aber auch der Gedanke an den Verkauf nicht im Vordergrund. Kleine Unternehmen in der Stadt dürfen ein Produkt mit dem Kieler-Woche-Design versehen und auf eigene Rechnung verkaufen. Die Umsetzung kommt meist von mir.

Wie stehst du zu anderen Plakatdesign-Wettbewerben oder unter Gestaltern übers Netz ausgeschriebenen Plakat-Aktionen?

Daniel Wiesmann: Natürlich entstehen daraus schöne Ausstellungen, aber häufig schauen sich das dann nur die Kollegen an. Ich finde es schade, dass da manchmal die Breitenwirkung fehlt. Nehmen wir die Markthalle Neun in Kreuzberg (für die Daniel Wiesmann regelmäßig Plakate gestaltet – mehr über spannende Projekt für diesen Auftraggeber gibt’s in PAGE 5.2019 nachzulesen). Dort gibt es viele kleine Händler, die ihren Betrieb bewerben müssen. Ich würde mir manchmal wünschen, dass sie öfter talentierte Plakatgestalter finden, auch wenn sie natürlich wenig Geld haben.

Mir stellt sich immer die Frage, welchen Mehrwert es eigentlich hat, was man da tut. So eine Arbeit definiert sich für mich dadurch, was man damit für eine Sache oder für jemanden erreicht. Ein Plakat muss sich dort behaupten, wo die Leute im Alltag durch Zufall darauf stoßen. Das ist auf der Straße und nicht im Museum.

 

 

 

 

Plakate von Daniel Wiesmann für die Tanzcompagnie von Sasha Waltz, unten von einem unbekannten Künstler verschönert ..

 

Lesen Sie ausführlich dazu in PAGE 05.2019.

Hier geht’s zum Heft:

 

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