Umsteigen in der Kreativbranche: Neues Ziel, neues Glück

Von der Grafik in die Strategie, von der Agentur ins Unternehmen, von der Festanstellung zum Freelancing, vom Designer zum Developer – wer den Umstieg wagt, kann viel gewinnen!



Bilitis Kruse, fotografiert von Kensfotos

Bei manch einem kommt er quasi über Nacht, bei anderen braucht er Zeit, um sich zu entwickeln: der Wunsch, beruflich etwas zu verändern. Wer nicht gleich den großen Sprung vom Designer zum Coach oder vom Developer zum Yogalehrer machen will, findet oft auch innerhalb der Kreativbranche Möglichkeiten für einen Neuanfang. Schon der Aufstieg kann ein Umstieg sein – schließlich unterscheidet sich der Job eines Kreativdirektors mit seiner strategischen Ausrichtung und Personalverantwortung deutlich von dem eines Artdirektors, der noch selbst Kampagnen gestaltet. Auch wenn es zu dem Thema keine Statistiken gibt – Robert Mende, Geschäftsführer bei der Personalvermittlung Designerdock, ist sich sicher, dass die größte Umsteigestation im kreativen Bereich die von fest angestellt zu Freelance ist. »An einem bestimmten Punkt ihrer Laufbahn merken viele, dass sie in ihrer Festanstellung keine Karriere mehr machen können oder wollen, gleichzeitig aber Know-how und Kompetenzen haben, die sie auf dem freien Markt gut verkaufen können. Da liegt der Schritt zur Selbstständigkeit nahe.« 

Diese Geschichte ist Teil des Titelthemas »Neues Ziel – neues Glück: Umsteigen in der Kreativbranche« aus der PAGE 11.19.

Von der Agentur ins Unternehmen 

Als Texterin bei Kolle Rebbe hatte Bilitis Kruse einen Job, von dem viele träumen. Dabei ist die 35-Jährige eigentlich Gestalterin, studierte an der Fachhochschule Münster Design und Design Management und arbeitete einige Jahre in Designagenturen als Artdirektorin, bevor sie 2014 eine einjährige Ausbildung an der Hamburg School of Ideas – damals noch Texterschmiede – absolvierte. »Leider wird diese Doppelqualifikation in Deutschland nicht wirklich wertgeschätzt«, meint Bilitis Kruse. »Statt sich zu freuen, dass ich gestalten und schreiben kann, reagierten Kollegen und Chefs oft irritiert und fragten: ›Was bist du denn nun, Arter oder Texter?‹«

Der Anstoß zur Veränderung kam nach dem Tod von Stefan Kolle im September 2017. »Der Spirit, den ich an Kolle Rebbe so liebte, ging verloren. Ich beschloss, einen langjährigen Traum zu verwirklichen und nach Göteborg auszuwandern.« Auf Monster.se suchte die fließend Schwedisch sprechende Bilitis Kruse nach Jobs und fand eine Stelle, die wie für sie gemacht schien: Volvo suchte einen Communication Integration Manager mit exzellenten Arter- und Copywriter-Skills. Keine drei Wochen nach ihrer Bewerbung unterschrieb sie den Vertrag.

Umstieg im Unternehmen

Langweilt es sie gar nicht, nicht mehr für viele verschiedene Kunden zu arbeiten? »Langweilig ist kein Attribut, mit dem ich meine Tätigkeit beschreiben würde. Die Aufgaben sind so vielfältig, dass es reichlich Abwechslung gibt.« Unterschiede zwischen Unternehmen und Agentur (und zwischen Schweden und Deutschland) sieht sie im deutlich höheren Gehalt, im ausgeglichenen Arbeitstempo und vor allem in der Flexibilität und dem Vertrauen, das ihr entgegengebracht wird. Heute mal zu Hause arbeiten, um konzentriert an etwas zu tüfteln? Kein Problem.

Nach anderthalb Jahren bei Volvo Cars steht die nächste Veränderung an – innerhalb des Unternehmens. Die Wahlschwedin hat sich auf die Position des Creative Strategist beworben. »Gleichzeitig strategisch, analytisch und kreativ zu denken liegt mir und macht mir Spaß. Ich möchte zukünftig in dem Team arbeiten, das das Unternehmen Volvo formt und die Basis für die Kommunikation bildet.« Demnächst könnten also die Kampagnen, die regelmäßig Awards gewinnen, nicht mehr bei Forsman & Bodenfors, sondern inhouse entstehen. 


Geschichten von sieben weiteren Umsteigern sowie Infos zu Versicherungen und Künstlersozialkasse finden Sie in der Titelgeschichte der PAGE 11.2019, die sie hier bestellen können.


Schlagworte: , , ,





Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren