Groß, grösser: Upon Paper

Unglaubliche 49 x 69 Zentimeter groß, High-End gedruckt und voller Kunst: Wir sprechen mit Creative Director Helder Suffenplan über die Gestaltung des neuen Magazins Upon Paper.





Natürlich fällt als erstes die Größe von Upon Paper auf. Welche Idee steckt dahinter?


Helder Suffenplan: Zum einen bietet die Größe den Luxus, großformatig mit Bildern zu arbeiten. Das Format hat ja fast etwas von Bildern in einer Ausstellung. Aber vor allem war uns wichtig, dass Upon Paper etwas Objekthaftes hat, schwer zu konsumieren ist, dass man sich Zeit dafür nehmen muss, eventuell den Tisch vorher freiräumen, dass der Akt des Umblätterns ein anderer ist – und auch, dass man zuerst vielleicht nicht weiß, wohin damit. Man muss sich außerdem fast körperlich damit beschäftigen, herantreten, um zum Beispiel die Feinheiten der Zeichnung von Ralf Ziervogel zu erkennen, dann wieder ein paar Schritt zurücktreten, um eine große illustrative Typografie zu lesen.

Geht man bei der Gestaltung anders vor, wenn das Format so groß ist? Ergeben sich dadurch spezielle Herausforderungen?

Auf jeden Fall! Der Text bekommt plötzlich eine ganz andere Aussagekraft und man steht vor der Frage, wie man mit ihm umgeht. Erst wollten wir stärker typografisch arbeiten, dann haben wir uns doch für mehr Zurückhaltung entschieden, da wir in dem Heft bereits viele unterschiedliche künstlerische Positionen zeigen. Gleichzeitig waren wir natürlich auf eine eigene Handschrift bedacht und diese wird vor allem auf den zweiten Blick sichtbar. Wir haben kleine Twists eingebaut, in der Spationierung, in einzelnen Buchstaben, lassen Bilder sich überlagern. Außerdem haben wir den Text sehr aufwändig im Flattersatz gesetzt, weniger wie in einem Magazin sondern eher wie in einem Kunstbuch. Upon Paper hat schließlich eine lange Verweildauer und soll auch Sammlerstück sein, da sollte man sich keine Fehler oder Ungenauigkeiten leisten, die bei dem großen Format sofort auffallen würden.

Wie sind Sie mit dem Bildmaterial umgegangen? Ein Poster-Magazin zu werden haben Sie trotz der Größe vermieden.

Das wollen wir auch auf keinen Fall sein. Auch kein reines Portfolio mit großflächigen Bildern. Bei uns sind Text und Bild ineinander verschränkt. Wegen des besonderen Druckverfahrens mussten wir die Bilder in 400 dpi vorliegen haben, was nicht immer möglich war und da musste man zusätzlich kreative Lösungen finden.

Was war für Sie der wichtigste Aspekt bei der Gestaltung?

Die Objekthaftigkeit von Upon Paper, dass es etwas Ikonisches hat. Das war auch die Prämisse für die Covergestaltung.

Das Thema der Ausgabe ist Los Angeles. Wie kam es dazu?

Es gibt ja manchmal Themen, die liegen in der Luft – und L.A. ist eines davon, denn in den letzten zwei, drei Jahren erlebt die Stadt eine Renaissance. Zudem hat unserer Chefredakteur Holger Homann aus seiner Biografie heraus ein besonderes Verhältnis zu Kalifornien – und dann ist jetzt auch die Ausstellung »Pacific Standard Time« im Gropius Bau zu sehen, mit dem wir eine Medienpartnerschaft haben. Aber wir beschränken uns ja nicht nur auf Kunst, sondern sitzen ja etwas zwischen Stühlen, was uns sehr gut gefällt. Wir beschäftigen uns mit der Filmszene, mit Design und Mode, mit der Welt der Tankstellen und Autos, die ja gerade in L.A. eine besondere Rolle spielen.

Der Herausgeber des Magazins ist der Papierhersteller Hahnemühle FineArt. Auf welchem Papier wurde das Upon Magazin gedruckt?

Hahnemühle FineArt stellt Papier für Fotografie und klassische Künste wie Aquarell und Zeichnung her, viele großformatige Arbeiten in Museen sind darauf abgebildet. Diese Papiere können nicht im Offset-Druck bedruckt werden, da wäre nur eine Kleinstauflage möglich gewesen. Wir haben uns für Hello Fatt Matt entschieden, 170 gr und damit Kunstbuch-Qualität.

Obwohl Hahnemühle der Herausgeber ist, scheint er sich sehr zurück gehalten zu haben.

Wir hatten redaktionell, in der Wahl der Künstler und in der Gestaltung völlige Freiheit. Hahnemühle taucht lediglich im Impressum auf. Im Schriftzug Upon Paper haben wir den Hahn aus dem Logo von Hahnemühle integriert, allerdings in abgewandelter Form.

 
Upon Paper ist ja Teil eines Dreigespanns, das aus dem Magazin, einer Website und einem Space in Berlin Mitte besteht.

Genau. Das Magazin steht gerade etwas im Mittelpunkt, weil es haptisch ist und spektakulär. Aber es ist uns wichtig, dass alle drei Säulen gleichberechtigt sind. Die Web-Präsens wird sich noch entwickeln, aber wir werden dort medienimmanent stärker mit Bewegtbildern, mit Videos arbeiten – und im Upon Paper space finden jährlich vier große Ausstellungen statt. Zwei davon jeweils zum Erscheinen von Upon Paper und inhaltlich damit vernetzt, zwei unabhängig davon. Im Juni zum Beispiel wird dort der Fotograf Niall O’Brien, der eng mit Alexander McQueen zusammengearbeitet hat, zum ersten Mal in Deutschland ausstellen.

Wo kann man das Upon Paper kaufen? Wer räumt dafür ein großes Regal leer?

Es ist in Museumsshops, in Special Interest Läden wie do you read me? oder Pro qm erhältlich, in Concept Stores, aber auch in einigen Bahnhofsbuchhandlungen und sogar an Flughäfen – und das, obwohl man es angesichts der Größe gar nicht mit ins Flugzeug nehmen kann. Auf www.uponpaper.com kann man außerdem auch einen Bestellwunsch loswerden.

Upon Paper, Auflage 5.000, erscheint zwei Mal jährlich, 49,80 €


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