Spass aus Papierresten: Die Pappbrille

Cantemir Gheorgiu hat markante Brillen aus Papier zum Berliner Trendprodukt gemacht. Wir sprachen mit ihm über sein Projekt »Pappbrille«.



Bild Pappbrille

Die »Pappbrille« sieht aus wie das dickrandige Brillenmodell, das sich unter Designern, Hipstern und »Szenemenschen« inflationärer Beliebtheit erfreut. Nur dass sie eben aus Papier besteht und keine Gläser besitzt, im Grunde also nutzlos ist. Dennoch verkauft sie sich so gut, dass auf www.Pappbrille.de mittlerweile mehrere Kollektionen erhältlich sind. Der Designer hinter dem Produkt und Online-Shop ist Cantemir Gheorgiu. Wir sprachen mit ihm darüber, wie er seine Idee zum Trendprodukt machte.

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© Frame Magazine


PAGE: Wie kam es zur »Pappbrille« – was war Ihre Idee für das Konzept?

Cantemir Gheorgiu: Ich wollte mich ursprünglich über »Nerdbrillen« lustig machen. Es war weniger die Brille als das Verhalten der Menschen, die sie tragen. Und ich hatte gerade keine Aufträge und auch keine Kohle um in die Sommerferien zu fahren. Eine echte Schnapsidee.

Wie nahm die »Pappbrille« als Produkt Ihren Anfang?

Es war gerade die WM 2010. Gebastelt hatte ich immer bei uns in der WG beim Fußball Gucken. Dann bin ich mit einer Pappbrille ausgegangen. Die Barkeeperin im Club fand sie cool und war bereit, mir im Tausch einen Cocktail auszugeben. Da hat es bei mir Klick gemacht. Und dann ging das Ausspinnen los. Man konnte so viel damit machen. Es war WM und da lag es nahe, eine Deutschland-Brille zu entwerfen. Marc, mein Mitbewohner und ehemaliger Mitstudent, und ich konnten als Grafikdesigner alles im Handumdrehen realisieren. Ich habe Chipspackungen mit Pappe beklebt oder direkt aus Schuhkartons geschnitten. Marc kam auf die Idee, Druckreste zu nehmen. Und ich höre es immer noch im Hinterkopf: »Cante, wir brauchen Masse!«. Gestanzte Brillen aus Abfall waren der Knaller.

Wer gehört zu den Kunden der »Pappbrille«?

Alle! Von Alba Berlin über Cyberport, Herlitz, Topshop bis zu Zahnarztpraxen, die sie für Jubiläumsfeiern bestellen. Sie lassen sich individuelle Brillen gestalten. Viele bringen sie als Accessoire zu Partys mit. Für einen Junggesellenabschied kaufen Kunden zum Beispiel 20 Stück von einer Farbe.

Die Pappbrille wird schnell als ironischer Umgang mit Mode verstanden. Dabei steht viel mehr der Spaßfaktor im Vordergrund als die Kritik. Oft wird sie verschenkt, weil Leute die Idee originell finden und Firmen mögen sie wegen der Werbefläche. Die Nachfrage nach Werbegeschenken, die originell, umweltfreundlich und in Deutschland produziert sind, ist groß. Natürlich muss es günstig sein. Die Pappfliege und Pappkrawatte, die ich diesen Sommer vorgestellt habe, setzen auch hier an. Einen zu einer Fliege zusammenfaltbaren Flyer finde ich zum Beispiel der Hammer.

Hätten Sie gedacht, dass die »Pappbrille« so erfolgreich wird?

Ich hatte in diesem Jahr keine Zeit, um an irgendetwas zu denken. Ich habe noch keinen Abstand. Die Woche Urlaub, die ich hatte, hat gerade gereicht, um mir bewusst zu werden, was wir schon alles geschafft haben. Ich freue mich riesig und kann es kaum erwarten, mir neue Sachen auszudenken.


Nimmt das Produkt nicht den Stil derselben Leute auf die Schippe, die sich letztlich von ihm angesprochen fühlen?

Die Pappbrille ist irgendwie eigenständig. Sie ist schon über das regionale Kiez-Kunstprojekt hinausgewachsen und zu einer Marke geworden. Sie ist die etwas andere Modemarke und sie hat viele Freunde. Hier geht es nicht mehr um den Stil von ein paar Leuten.


Anfang dieses Jahres haben Sie eine Aktion auf der Mercedes Benz Fashion Week initiiert. Was genau hatte es damit auf sich?

Wir machen zu jeder Fashion Week etwas, aber Sie meinen wohl die Aktion im Februar 2011, bei der uns RTL begleitet hat. 10 Models wurden in einen Bus gesteckt und mit rotem Teppich uneingeladen vor dem Mercedes Benz Zelt zu einem Catwalk organisiert. Natürlich hatten alle Models meine neuesten Pappbrillen auf. Es war ein großer Erfolg. Mann muss sich aushelfen können, wenn man nicht eingeladen ist.


Wie wird die Pappbrille produziert?

Es gibt die »Green Line« – die besteht aus Druckresten von Druckereien. Das sind die Brillen, die dann noch mit Folie, Filz oder anderen Materialien verziert werden. Die anderen Kollektionen drucken wir auf zertifiziertem Papier aus Forstwirtschaft.

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Fotos: © Oliver Rath


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