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Deep Time: Paläontologie im Kunstkontext

Graft Brandlab entwickelt eine Multimedia-Ausstellung für das Nevada Museum of Art und setzt die neuesten Ichthyosaurier-Funde in Szene

Rendering Ausstellung Deep Time Kunststoffkugeln Meeressaurier Im Herbst 2024 eröffnet im Nevada Museum of Art in Reno die Ausstellung Deep Time: Sea Dragons of Nevada, in der unter anderem die neuesten Meeressaurier-Funde aus der Region präsentiert werden. Prof. Nikolaus Hafermaas, Managing Partner der Berliner Branding- und Innovationsagentur Graft Brandlab entwickelte dafür ein künstlerisches Multimedia-Ausstellungskonzept und setzt dieses als offizieller Partner des Museums zur Zeit um.

Die bemerkenswerten, 250 Millionen Jahre alten Fossilienfunde werden weniger auf traditionelle wissenschaftliche, als auf künstlerische Weise präsentiert werden. Die Ausstellung besteht aus verschiedenen audiovisuellen und interaktiven Elementen, sowie Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen, mit denen Hafermaas in sechs thematischen Bereichen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt und Besucher:innen erlaubt, einen Blick in die Zukunft unseres Planets zu werfen.

»Indem die Ausstellung wissenschaftliche Entdeckungen in einen künstlerischen Kontext stellt, fordert sie die Zeitwahrnehmung der Besucher heraus und bietet eine neue Perspektive auf unseren Platz im Universum«, so Hafermaas.

250 Millionen Jahre und zurück

Ein sensationeller neuer Fund stammt vom renommierten deutschen Paläontologen Dr. Martin Sander vom Institut für Geowissenschaften der Universität Bonn. Er forscht seit mehr als drei Jahrzehnten in den Augusta Mountains von Nevada, wo man im Laufe der Zeit immer wieder versteinerte Überreste der sogenannten Seedrachen ausgräbt.

RenderingAusstellungsraum mit Saurier Modell aus Kugeln, die von der Decke hängen
Der»Probability Envelope« ist die 32 Meter lange Skulptur eines 250 Millionen Jahre alten Meeressauriers, die ab Oktober 2024 im Museum of Art in Reno zu sehen sein wird.

So ist das Herzstück der Ausstellung die lebensgroße Skulptur einer schwangeren Ichthyosauriers-Dame namens Annie. Die 32 Meter lange Installation basiert auf wissenschaftlichen Daten von Sander und einem Pointcloud-Modell, das anhand von 20 000 Kunststoffkugeln aus recyceltem Ozeanplastik wieder zurück verräumlicht wird.

In diesem Ausstellungsbereich sollen Besucher:innen eine real-anmutende Begegnung von dem Meeresriesen bekommen und die Fossilien entdecken. Zusätzlich können sie auf einer logarithmischen Timeline den langen Zeitraum zwischen Mensch und Saurier in fünf Evolutions-Schritten nachvollziehen. Die 23 Meter lange Wandgrafik mit AR-Einbettung entwickelt Graft Brandlab ebenfalls auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse.

»Unser Ego mit seiner kurzen Lebensspanne von etwa 70 bis 80 Jahren und einer durchschnittlichen Körpergröße von etwa 170 Zentimeter relativiert sich, wenn man es mit der Ichthyosaurier-Dame Annie vergleicht. Und wenn wir in die Zukunft blicken, wohin wird uns die technologische Entwicklung führen? Ein sehr spannendes Thema, das die Bereiche Paläontologie, Evolution, Ökologie, Technologie und Kultur umspannt«, erklärt Hafermaas.

»Science is driven by beauty«

In vier weiteren Themenbereichen können sich Besucher:innen mit Paleo Art beschäftigen oder sich in einer interaktiven Anwendung mit einer sprachbasierten KI unterhalten und Wünsche visualisieren. Außerdem gibt es Einblicke in das Leben der Paläontologin und Philanthropin Annie Alexander. Sie fand unter anderem 1905 in den West Humboldt Range in Nevada den besterhaltenen Ichthyosaurier Nordamerikas.

Nick Hafermaas und Martin Sander
Für die Ausstellung wurden Dr. Martin Sander (links) und Prof. Nik Hafermaas (rechts) von einem zweiköpfigen Kamareateam in der Wüste begleitet.

»Die Natur selbst ist ein Wunder, ein Kunstwerk, das als solches betrachtet werden sollte. Oder wie es der Paläontologe Martin Sander auf den Punkt bringt: Science is driven by beauty«, erklärt Prof. Nik Hafermaas. Es war somit klar, dass nur ein Kunstmuseum dem Anspruch dieser Ausstellung gerecht werden konnte.

Für eine bildstarke Videocollage, die sich nahtlos in eine abstrahierte Wüstenlandschaft einpassen soll, begleitete Hafermaas den Päleontologen mit einem kleinen Kamarateam an seinen abgelegenen Arbeitsort in der Wüste. »Die Exkursion zum Ausgrabungsort in den Augusta Mountains war unglaublich spannend. Zu den Bildern wird Martin Sander erklären, wie er arbeitet und wie man in der Geologie Berge liest, um Fossilien zu finden, statt die Nadel im Heuhaufen zu suchen«, berichtet Hafermaas.

Wer also etwas über Meeressaurier lernen will, oder wie man Berge liest, sollte sich die Ausstellung im Museum of Art in Reno unbedingt vormerken. Sie wird ab Oktober 2024 ein ganzes Jahr lang dort zu sehen sein.

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