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Das Berliner Indie-Mag Nobody ruft die Geister!

Geister überall! Das Berliner Indie-Mag Nobody beschäftigt sich in seiner zweiten Ausgabe mit »Ghosts« – und das in spannenden Geschichten und einem tollen Editorial Design. Wir sprachen mit den Macherinnen (dt./engl.)

In der PAGE 01.2023 beschäftigen wir uns mit Geistern – und mit dem Trend zum Übernatürlichen, der zur Zeit in den Social Media, in der Illustration, im Grafikdesign und im Digitalen zu finden ist.

Auch das Berliner Indie-Mag Nobody hat sich in seiner zweiten Ausgabe, die ab Februar bei Nobody selbst und in ausgesuchten Buchläden und Magazin-Stores weltweit zu finden ist, mit dem Übernatürlichen beschäftigt, mit Geschichten, die im Schatten liegen und mit Ghosts, alles gestalterisch in Szene gesetzt von dem Eva Gonçalves Stu­dio.

Wir sprachen mit den amerikanischen Macherinnen Tessa Love und Sami Emory, zwei Freundinnen und Jour­nalistinnen, die sich in Berlin kennengelernt haben, über die neueste Ausgabe von Nobody.
(Interview auf deutsch and in english)

Wie kamt ihr auf die Idee, die zweite Ausgabe eures Magazins Nobody den Geistern zu widmen?
Als Autorinnen haben wir beide uns schon immer zu den etwas dunkleren Seiten der menschlichen Erfahrung hingezogen gefühlt. Vielleicht, weil man dort in der Regel die Spannungspunkte findet, die zu fesselnden Erzählungen und Kreationen führen. Unser Ziel für Nobody ist es, ein Magazin zu sein, das »Geschichten über alles andere« erzählt – wir wollen über das hinausblicken, was direkt vor uns liegt und Arbeiten finden, die an der Peripherie spielen, die uns überraschen und nicht mehr loslassen. »Ghost« war das perfekte Thema, um in die Schatten abzutauchen und ungewöhnliche und fesselnde Themen zu entdecken.

Welcher Beitrag hat euch am meisten überrascht?
Da fallen mir zwei ein: Der erste ist »Artificial Feeling«, ein Essay der Schriftstellerin Michelle Lemay, die einen Algorithmus auf der Grundlage ihrer eigenen Schriften entwickelt hat und dann den Algorithmus in ein Gespräch verwickelte, das zwischen Poesie und Prosa oszilliert. Das Ergebnis ist eine anregende (und zuweilen eindringliche) Erkundung des menschlichen Begehrens, des Selbstverständnisses und unserer Beziehung zur Technologie. Der andere ist »Retrotopia«, ein Fotoessay des Fotografen Shi Yangkun, der sein Objektiv auf die Geister der chinesischen Vergangenheit gerichtet hat, die im Konflikt mit dem Kapitalismus der Gegenwart des Landes leben. Beides sind großartige Beispiele dafür, wie weit die Interpretation von »Geist« gehen – und wie schön das Ergebnis sein kann.

Was bedeuten Geister euch selbst? Glaubt ihr an sie? Oder sind Ihnen schon einmal welche begegnet?
Für diese Ausgabe haben wir den Begriff sehr weit gefasst und uns nicht nur auf diejenigen Geister zu konzentrieren, die im Jenseits existieren, sondern auch auf die, die in uns und um uns herum leben. In diesem Sinne ist es schwer, nicht an sie zu glauben. Wir glauben, dass wir alle unsere Geister haben, ob das verpasste Chancen, verlorene Menschen oder vergessene Erinnerungen sind. Aber wenn wir von Geistern im wahrsten Sinne des Wortes sprechen – ja, auch an die glauben wir! Es ist schwer zu sagen, ob wir welche getroffen haben, aber wir hatten beide schon Begegnungen, die man als übernatürlich bezeichnen könnte, von Besuchen der Toten in unseren Träumen bis hin zu mysteriösen Ereignissen in unserem Wachleben.

Sehr ihr auch, dass es einen Trend zum Übernatürlichen gibt? Neben den Geistern zu Horoskopen, Tarot, Séancen? Was glaubt ihr, ist der Grund dafür?
Ja, auch für uns hat es den Anschein, als würden sich diese Dinge in Bereichen der Mainstream-Kultur durchsetzen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass unser Leben und unsere Welt immer komplizierter werden. Da ist es nur logisch, dass die Menschen nach Antworten jenseits des Greifbaren und Bekannten suchen. Interessanteste Ideen, Kreationen und manchmal sogar Lösungen können aus diesen Sphären kommen. Daher freuen wir uns, dass die Menschen in diese Richtung gehen – und sind gespannt, wohin dies führen wird. Persönlich sind wir auch dafür bekannt, dass wir uns von Zeit zu Zeit vom Tarot leiten lassen, obwohl einer von uns eher eine Kennerin ist als die andere.

Wie bereitet ihr das Thema visuell auf? Wird es sich im Layout widerspiegeln?
Unsere wunderbare Designerin Eva Gonçalves kümmert sich darum, aber die kurze Antwort lautet: Ja, unser Thema wird sich definitiv im Layout, in der Typografie, in der Kunst, in allem widerspiegeln. Aber da wir das Thema sehr breit gefächert angegangen sind, verzichtet ein Großteil des Designs auf die typische übernatürliche Symbolik. Stattdessen ist der Einfluss subtiler, aber dennoch sehr visuell, fesselnd und schön.

How did the idea to do a ghost-themed issue come about? What tipped the scales?
As writers, the two of us have always been drawn to slightly darker elements of the human experience. Perhaps because that’s generally where you find the tension points that create compelling narratives and engaging creations. Our goal for Nobody is to be a magazine that tells “stories about everything else”—we want to look beyond what’s right in front of us to find works that take place on the peripheries, the ones that surprise and haunt us. “Ghost” felt like a perfect theme to dive into the shadows and find unusual, captivating works of writing, photography, and more.

Which entry surprised you the most?
There are two that come to mind: the first is “Artificial Feeling,” a wandering personal essay by the writer Michelle Lemay, who created an algorithm based on her own writings, then engaged the algorithm in a conversation, which oscillates between poetry and prose. The result is an evocative (and at times haunting) exploration of human desire, self-understanding, and our relationship to technology. The other is “Retrotopia,” a photo essay by the photographer Shi Yangkun, who has trained his lens on the ghosts of China’s past, which live in conflict with the capitalism of the country’s present. Both of these are great examples of how far the interpretation of “ghost” can go—and how beautiful the result can be.

What do ghosts mean to you yourselves? Do you believe in them or have you even met any?
For this issue, we took a very broad interpretation of the idea of ghosts, focusing not just on the kinds that exist in the afterlife, but the ones that live inside and all around us. To that end, it’s hard not to believe in them. We think all of us have ghosts that linger in our lives, whether that’s opportunities missed, people lost, or memories forgotten. But if we’re talking about ghosts in the most literal sense—yes, we believe in those, too! It’s hard to say for sure if we’ve met any, but both of us have had encounters that could be considered supernatural, from visitations from the dead in our dreams to mysterious occurrences in our waking lives.

Do you also believe that there is a trend towards the supernatural?
It does seem like things in this realm are taking off in mainstream culture, and the reason is probably that our lives and world are getting increasingly complicated. It makes sense that people would start seeking answers beyond the tangible and the known. As we mentioned before, this is where we think the most interesting ideas, creations, and sometimes even solutions come from, so we’re happy to see people heading in this direction—and are curious to see where this will take humanity. More personally, we also have been known to turn to tarot for guidance from time to time, though one of us is more of a connoisseur than the other.

How do you prepare the subject visually?
Our wonderful designer Eva Gonçalves is tackling this element of the issue, but the short answer is: yes, our theme will definitely be reflected in the layout, typography, art, all of it. But because we took a very broad approach to the topic, much of the design resists typical supernatural imagery. Instead, its influence is more subtle – but nonetheless very visually gripping and beautiful.

Zum weiterlesen: Die besten Indie Magazine

 

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