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Wortspielereien

Heterogramme, Anagramme und Palindrome sind sehr beliebt bei Schriftgestaltern

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Schriftentwerfer sind ein ganz spezielles Völkchen. Seit 25 Jahren begleiten sie mich in meinem Beruf, und doch stoße ich immer wieder auf neue Skurrilitäten. Jüngst fand ich im Papierrecycling des Büros seitenweise Texte der Art: »oxa, oxb, oxc, oxd, oxe, oxf, oxg, oxh … oya, oyb, oyc, oyd, oye, oyf, oyg, oyh … wya, wyb, wyc, wyd, wye, wyf, wyg, wyh …« und so weiter.

Das, was auf den ersten Blick wie eine Sprachübung für Schauspielschüler aussah, entpuppte sich als ein Buchstabenkombinationstest. Für eine neu entworfene Schrift wurde mittels Tausender sys­te­ma­tisch generierter Zeichenkombina­tio­nen geprüft, ob die Lettern sich ja nicht berühren oder Lücken reißen. Auf der Basis solcher Tests entsteht dann eine Tabelle mit bis zu 10 000 Zahlenwerten, die Kerningtabelle. Sie wird später in die Schriftdatei eingebaut und wacht über den Abstand aller »kritischen« Buchstabenpaare. Das Erstellen und Testen der Ker­­ning­paare ist eines der Qualitätsgeheimnisse eines jeden Schriftherausgebers. Sie garantieren den ausgewogenen Grauwert ei­nes Textes und störungsfreie Leserlichkeit.

Sylvia wagt quick den Jux bei Pforzheim

In der Typografieszene sind noch eine Menge anderer Wortspielereien im Einsatz. Nicht, was Sie jetzt vielleicht denken: »Auch der Papa hört gern ABBA«, »In Ulm, um Ulm und um Ulm herum«, »Wenn vor Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach« … Viel ernsthafter, linguistische Exempel in Reinform. Zum Beispiel das Pangramm. Das ist ein holoalphabetisches Wortgebilde, das alle Buchstaben des Alphabets enthält. Es wird gebraucht, um in kompakter Form alle Zeichen einer Schrift zur Schau zu stellen, typografischer Blindtext also. Das weltweit bekannteste Pangramm ist das englische »The quick brown fox jumps over the lazy dog«. In Deutschland beliebt sind »Sylvia wagt quick den Jux bei Pforzheim« oder »Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern«. Ein in Frankreich geläufiger Prüftext ist »Voyez le brick géant que j’examine près du wharf«.

Wenn es keinen Platz für ganze Sätze gibt, etwa auf der Suchergebnisseite ei­nes Schriftshops, dann kommt das Heterogramm ins Spiel. Gemeint sind Wörter oder Sätze, in denen jeder verwende­te Buchstabe nur genau einmal erscheint. Das Heterogramm gehört übrigens zu den künstlerischen Ausdrucksformen des Let­trismus und wurde in den sinnfreien Lautgebilden des Dadaismus sowie der konkreten Poesie von Ernst Jandl gepflegt.

Einige mit zunehmender Länge: Dialektforschung (16 Buchstaben), Mobilfunk­gespräch (17), Knoblauchgewürzdip (18), Fachbildungsprojekt (19), Dorfplatzschießübung (20), Plüschfigurwandob­jekt (21), oxydschmelzpunktfarbig (22) und die bis dato ungeschlagene Heizölrückstoßabdämpfung (24), die es gar nicht gibt. Manche Experten nennen solche Wörter auch Isogramm, wobei es bei diesem gestattet ist, dass alle Buchstaben mehr als einmal vorkommen – allerdings alle gleich oft. Das Heterogramm ist also eine Sonderform des Isogramms.

Sehr populär – wir bewegen uns nun wieder weg aus der Typozene – ist übrigens noch das Anagramm, manche nennen es auch »Schüttelwort«. Gemeint sind Begrif­fe, die aus einem anderen Wort durch Umstellung (Permutation) der Buchstaben oder Silben entstehen. Hier ein paar Beispiele: Palme/Lampe, Belgrad/Bargeld, Zitronensaft/Fronteinsatz, Angela Merkel/klare Maen­g­el/Karamelengel.

Das Anagramm sollte nicht mit dem Palindrom verwechselt werden, also ei­nem Begriff oder Satz, der sich von vorn und hinten gleich liest: Otto, Kajak, neppen, Rentner, Reittier. Laut Guinness-Buch der Rekorde von 1997 lautet das längs­te deutsche Ein-Wort-Palindrom Reliefpfeiler. Darüber hinaus existieren im Deutschen jedoch ganze Sätze, die Palindrome sind: »Er hortet Rohre«, »Erika feuert nur untreue Fakire« oder »Vitaler Nebel mit Sinn ist im Leben relativ«.

Vitaler Nebel mit Sinn ist im Leben relativ

Interessant sind auch jene Wörter, die sich zwar von hinten und vorne lesen lassen, aber eine andere Bedeutung ergeben, so wie Regal und Lager. Der deutsch-amerikanische Literat und Linguist Dmitri A. Borgmann hat für solche Wörter die Bezeichnung »Semordnilap« geprägt. Praktischerweise hat er das zugrunde liegende Prinzip einfach auf den englischen Terminus »Palindromes« angewendet, also auf die Bezeichnung für jene Wörter, die rückwärtsgelesen gleich lauten. Semordnilap ist das Gegenwort zu Palindrom und zugleich ein Beispiel für das beschriebene Funktionsprinzip. Was es mit Ananymen, Lipogrammen, Sator-Quadraten und Vokalmusik auf sich hat, erfahren Sie beim nächsten Mal.

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